Warum Novartis 9 Mrd. US-Dollar für AveXis zahlt

Novartis überrascht mit einer knapp 9-Milliarden-Dollar-Offerte für AveXis. Was steckt dahinter? (Foto: lucarista / shutterstock.com)

Der Biotech-Sektor fiel bei Investoren zuletzt etwas in Ungnade, nachdem einige Biotech-Unternehmen wie Incyte oder Prothena mit enttäuschenden Forschungsergebnissen viele Anleger verschreckten.

Die Performance des führenden Nasdaq Biotechnology Index (NBI) lässt dann auch zu wünschen übrig, auf 1-Jahressicht steht gerade einmal ein Plus von 10 %. Zum Vergleich: Der technologielastige Nasdaq Composite legte um 20 % zu.

Dennoch bietet auch der Biotech-Sektor noch zahlreiche Chancen für Anleger, zum Beispiel durch Übernahmen. Anfang April sorgte Novartis für einen Paukenschlag mit der Bekanntgabe, den Gentechnik-Spezialisten AveXis für 8,7 Mrd. US-$ kaufen zu wollen. Viele Anleger fragen sich natürlich, wieso zahlt Novartis knapp 9 Mrd. US-$ für ein kleines Gentechnik-Unternehmen?

Novartis kauft AveXis für 8,7 Mrd. US-$ – doch warum?

Konkret bietet der Pharmariese Novartis 218 US-$ für eine ausstehende AveXis-Aktie und damit etwa 88 % mehr als AveXis vor der Übernahmeofferte wert war. Novartis greift derart tief in die Tasche, da sich die Schweizer in puncto Zell- und Gentherapie weltweit an die Spitze setzen wollen.

Zuvor hatten sich bereits die Biotech-Konzerne Gilead Sciences mit der Übernahme von Kite Pharma und Celgene mit der Übernahme von Juno Therapeutics im Bereich CART-T-Zelltherapie verstärkt, einem Bereich, indem auch Novartis stark engagiert ist. Mit der Übernahme von AveXis dürften die Schweizer also auch auf die jüngsten Vorstoße der Konkurrenz im Bereich Zelltherapie reagiert haben.

AveXis könnte die Behandlung der spinalen Muskelatrophie (SMA) revolutionieren

AveXis ist auch deshalb für Novartis so wichtig, weil die kleine Gentechnik-Firma aus Bannockburn/USA mit AVXS-101 (Phase III) eine Gentherapie an der Hand hat, die möglicherweise die Behandlung der spinalen Muskelatrophie Typ I (SMA1) revolutionieren könnte.

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Zur Erklärung: Die spinale Muskelatrophie (SMA) ist eine seltene, genetisch bedingte Muskelerkrankung (Muskelschwäche), die bei Säuglingen häufig zum Tod führt. Bislang gibt es mit Spinraza (Nusinersen) von Biogen bzw. Ionis nur eine einzige Therapie auf den Markt, die zudem noch sehr teuer ist (750.000 US-$ im ersten Jahr, später 375.000 US-$ im Jahr).

Der Wirkstoffkandidat AVXS-101 muss hingegen nur einmalig verabreicht werden und könnte somit das Leben der betroffenen Patienten fundamental verändern. Wie viel die Gentherapie später kosten wird, steht noch nicht fest. Analysten bei BMO Capital schätzen jedoch, dass AVXS-101 einmalig etwa 750.000 US-$ kosten wird – sollte der Wirkstoff von AveXis tatsächlich zu diesem Preis kommen, wäre dies ein großer Vorteil für die junge Gentechnikfirma und damit auch für Novartis.

Fazit: Novartis setzt mit AveXis stärker auf Gen- und Zelltherapie

In jedem Fall zeigt Novartis mit dem jüngsten Milliardenzukauf wohin die Reise im Bereich Forschung und Entwicklung gehen soll. Im Mittelpunkt stehen klar neue innovative Forschungsansätze im Bereich der Zell- und Gentechniktherapie.

Novartis tut gut daran diese Strategie zu fahren, denn die Generikasparte des Unternehmens (Sandoz) leidet nach wie vor unter einer schlechten Marktlage – allein in den USA musste die Sparte im ersten Quartal einen Umsatzeinbruch von 18 % verkraften.

Hierzu passt auch die Meldung, dass sich Novartis von seinem gemeinsamen Joint-Venture (GSK Consumer Healthcare) mit GlaxoSmithKline zurückzieht und seinen Anteil (36,5 %) für 13 Mrd. US-$ an den britischen Pharmariesen verkauft. Das Geschäft mit rezeptfreien Medikamenten gilt als schwierig, da dieser Bereich sehr wettbewerbsintensiv ist und in der Regel niedrigere Gewinnmargen abwirft.

Mit dem Verkauf des Joint-Venture-Anteils und der Übernahme von AveXis konzentriert sich Novartis wieder mehr auf sein Kerngeschäft, womit der Schweizer Pharmakonzern insbesondere auch für langfristig orientierte Anleger interessant bleibt.


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Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands