Warum Spotify jetzt auf Podcasts setzt

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Der führende Musik-Streaming-Dienst Spotify will in einen neuen Markt erobern - Was ist für Anleger drin? (Foto: WDnet Creation / Shutterstock.com)

Der Musik-Streaming-Dienst Spotify konnte im Schlussquartal 2018 erstmals seit dem Börsengang einen operativen Gewinn ausweisen (94 Mio. €). Allerdings erwartet das schwedische Unternehmen im laufenden Jahr 2019 wieder einen Rückfall in die roten Zahlen. Konkret rechnet das Management rund um Firmenchef Daniel Ek mit einem Verlust von 200 bis 360 Mio. € in 2019.

Dennoch honorierten Anleger das jüngste Zahlenwerk. Die Spotify-Aktie zog wieder deutlich auf zeitweise über 150 US-$ an, nachdem die Papiere zum Jahresende 2018 bei unter 110 US-$ gehandelt wurden.

Spotify wächst langsamer, hält aber Apple weiter auf Abstand

Der schwedische Musik-Service kann sich weiterhin vor Apple und dessen Service Apple Music behaupten. Im jüngsten Quartal konnte Spotify die Zahl von 96 Mio. zahlenden Abonnenten überschreiten, ein Zuwachs von 36 % gegenüber dem Vorjahr. Zum Vergleich: Apple verzeichnete zuletzt rund 50 Mio. Abonnenten für Apple Music.

Geholfen hat den Schweden eine weitere internationale Expansion, wodurch Spotify nun in 78 Ländern Flagge zeigt. Der Musik-Dienst war im Schlussquartal in 13 weiteren Ländern im Mittleren Osten und in Nordafrika an den Start gegangen.

Insgesamt hat sich das Wachstum aber in 2018 verlangsamt. Nachdem der Umsatz von Spotify in 2016 noch um 52 % gewachsen war, sanken die Wachstumsraten zuletzt auf 29 % (Umsatz in 2018: 5,2 Mrd. €). Positiv für Anleger war dagegen die Entwicklung des Cashflows, der sich im vierten Quartal 2018 auf 150 Mio. € summierte, ein Zuwachs von 12 % gegenüber dem Vorjahr.

Für das laufende Jahr 2020 stellt Spotify weitere Abozuwächse in Aussicht – das Unternehmen will das Jahr 2019 mit 117 bis 127 Mio. zahlenden Musikkunden beenden.

Spotify sieht Chancen im Podcast-Markt

Aber nicht nur im Musik-Markt will Spotify weiter wachsen, Firmenchef Daniel Ek sieht auch im Podcast-Markt enorme Chancen. Podcasts sind meist Audiobeiträge, die sich Nutzer anhören können. Zum Beispiel bieten viele Radio- und TV-Sender solche Podcasts an, um ihr Publikum zu unterhalten oder zu informieren.

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Podcasts erfreuten sich in den letzten Jahren zunehmender Beliebtheit. Marktforscher (IAB, PwC) gehen davon aus, dass die gesamten Podcast-Industrie in 2020 einen Umsatz von 700 Mio. US-$ generieren wird.

Spotify will diese Chancen nutzen und hat rund 500 Mio. Dollar für die Übernahme der beiden Podcast-Spezialisten Gimlet Media und Anchor ausgegeben. Interessant dabei ist Anchor, hilft das Unternehmen jeden dabei, Podcasts einzurichten.

Fazit: Spotify will sich ein zweites Standbein aufbauen

Spotify-Chef Daniel Ek macht keinen Hehl daraus, dass Spotify ein großer Player im Podcast-Markt werden will. Ziel ist eine Diversifizierung der Umsatzbasis, nachdem Spotify derzeit ausschließlich sein Geld mit Musik-Services erwirtschaftet. Mit dem Markteintritt in den Podcast-Markt will sich Spotify ein zweites Standbein aufbauen.

Laut Ek glaubt, dass langfristig 20 % aller Abrufe aus dem Nicht-Musik-Bereich kommen werden. Das bedeutet, dass Spotify künftig sehr viel schneller mit Original-Programme wachsen kann, wenn der Podcast-Bereich einen höheren Umsatzanteil am Gesamtgeschäft einnimmt.

Dennoch müssen Anleger damit rechnen, dass die Spotify-Aktie in 2019 weiter sehr volatil bleibt, da die Schweden verstärkt in den neuen Geschäftsbereich (Podcasts) investieren werden. Dies bedeutet auch, dass Spotify bis auf weiteres in der Verlustzone bleiben wird.

Daher ist die Spotify-Aktie weiterhin nur für spekulativ orientierte Anleger interessant, die vom Podcast-Boom und vom wachsenden Musik-Streaming-Markt profitieren wollen.


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Mittermeier neu
Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands