Warum Starinvestor Ray Dalio gegen Siemens wettet

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Ray Dalio wettet gegen Siemens & Co: Wie zukunftsfähig ist Deutschlands führender Industriekonzern? (Foto: Cineberg / Shutterstock.com)

Schon im Frühjahr dieses Jahres sorgte Star Investor Ray Dalio mit seinem Hedgefund Bridewater für Aufregung. Bridgewater Associates hatte mehr als 14 Mrd. US-$ auf den Niedergang von europäischen Aktien gewettet. Allein die Short-Position bei Siemens hat sich auf rund 1 Mrd. US-$ summiert.

Zur Erinnerung: Shorts sind Leerverkäufe, in dessen Rahmen Aktien verkauft werden, die man gar nicht besitzt. Ziel ist es, die Papiere später zu einem günstigeren Kurs zurückzukaufen – die Differenz ist der Gewinn.

Zwar hat Dalio und Bridgewater seine Short-Position auf europäische Aktien vor wenigen Monaten auf knapp über 4,0 Mrd. US-$ reduziert, dennoch stellt sich die Frage, warum Ray Dalio überhaupt auf den Niedergang von Siemens & Co gewettet hat?

Warum wettet Ray Dalio gegen die Siemens-Aktie?

Dazu müssen Anleger wissen, dass Bridgewater sehr einflussreich ist, denn der Hedgefund verwaltet ein Vermögen von rund 160 Mrd. US-$ und gehört damit zu den größten Vermögensverwaltern weltweit.

Die Wette gegen Siemens & Co begründete Ray Dalio unter anderem damit, dass der schwache US-Dollar die US-Wirtschaft begünstigen würde. Im Gegenzug erwartet der Fund-Manager eine eher schwächere Konjunktur in Europa. Siemens könnte von einem Abschwung in Europa stärker betroffen sein als andere internationale Firmen, erzielt Siemens doch nach wie vor den Großteil seines Umsatzes in der Region Europa, Mittlerer Osten und Afrika (43,4 Mrd. € in 2017, Quelle: Statista).

Auch das jüngste Zahlenwerk von Siemens deutet auf Herausforderungen in diese Richtung hin. Wegen des starken Euros sank der Siemens-Quartalsumsatz zuletzt um 4 % auf 20,5 Mrd. €, der Nettogewinn ging sogar um 14 % auf 1,2 Mrd. € zurück.

Siemens-Chef Joe Kaeser gibt sich gelassen

Im Hinblick auf die Short-Position von Rai Dalio gibt sich Siemens-Chef Joe Kaeser betont gelassen. Der Siemens-Chef, der noch bis Anfang 2021 auf der Kommandobrücke von Siemens steht, verweist auf die starke Aufstellung des Münchner Industriekonzerns. So will Siemens in der Zukunft noch schneller und agiler werden.

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Hierfür hat Siemens das Konzept „Vision 2020+“ vorgestellt. Ziel ist eine Verschlankung der Konzernstruktur von derzeit 5 auf 3 Kerngeschäftsbereiche (Energietechnik, Infrastruktur und Gebäudetechnik sowie Digitalisierung der Industrie), wodurch die einzelnen Sparten mehr Freiheiten erhalten sollen. Dadurch soll das Wachstum insgesamt beschleunigt werden. Konkret will Siemens künftig um 4 bis 5 % pro Jahr wachsen, mittelfristig wird eine operative Gewinnmarge von 13 bis 14 % angestrebt.

Fazit: Siemens eröffnet sich mit Vision 2020+ weitere Optionen

Mit der Neuaufstellung will sich Siemens vor allem weitere Optionen offenhalten. Auch wenn eine Ausgliederung oder ein Börsengang weiterer Sparten wie zum Beispiel der Digitalisierungssparte zurzeit nicht zur Debatte steht, wäre dies eine mögliche Option für die Zukunft. Wie man am Beispiel des Börsengangs von Siemens Healthineers sehen konnte, hat ein solcher Schritt durchaus seinen Reiz – auch für Anleger.

Dennoch dürfen die Zukunftsvisionen nicht darüber hinwegtäuschen, dass Siemens noch mit Herausforderungen zu kämpfen hat. Bestes Beispiel ist hier die Kraftwerkssparte, in der das Ergebnis zuletzt um mehr als 50 % einbrach. Die Probleme in der Energiesparte könnten Siemens noch länger beschäftigen, ist das Geschäft mit Gasturbinen nach wie vor von einer Nachfrageschwäche und einem Preisverfall bedroht, der bereits zahlreiche Arbeitsplätze bei Siemens gekostet hat.

Auch in der Windkraft läuft noch nicht alles rund. Zwar hat sich Siemens mit der Übernahme der spanischen Gamesa mit an die Spitze der weltgrößten Windkraftanlagen-Hersteller geschoben, doch die Sparte kämpft mit einem schwierigen Marktumfeld. Sinkende Subventionen für Windkraftanlagen, ein steigender Wettbewerb und eine schwindende Akzeptanz für große Windräder in Wohngegenden trüben den Ausblick der Branche.

Kurzum: Unabhängig davon, ob Starinvestoren wie Ray Dalio Short-Positionen in der Siemens-Aktie auf- oder abbauen, der Münchner Industriekonzern muss sich in den nächsten Jahren auf einen schnelleren Wandel im Industriezeitalter (Industrie 4.0 etc.) einstellen.

Die Zeit, in denen sich Konglomerate zentral effizient steuern lassen, scheint vorbei. Anleger können daher auch in den kommenden Jahren weitere Optimierungsschritte von Siemens in diese Richtung erwarten. Ob dies auch der Siemens-Aktie helfen wird, bleibt abzuwarten.


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Mittermeier neu
Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands