Warum Tencent in der gleichen Liga wie Facebook & Co spielt

Die Tencent-Aktie sorgt bei Anlegern weiter für viel Freude und schließt zu Unternehmen wie Facebook und Amazon auf - die Gründe. (Foto: Ink Drop / shutterstock.com)

Tencent ist nicht nur der größte Internetkonzern in China, sondern ist inzwischen auch in die Top 10 der weltweit größten Unternehmen, nach Marktkapitalisierung, aufgerückt.

Nachdem die Tencent-Aktie allein in den letzten 12 Monaten an der Hongkonger Börse um rund 75 %  zulegte, hat Tencent inzwischen eine Marktkapitalisierung von über 300 Mrd. US-$ erreicht. Tencent spielt damit in der gleichen Liga wie Amerikas Top-Hightech-Konzerne wie Amazon und Facebook, die mit über 400 Mrd. US-$ bewertet werden.

Doch woher rührt der anhaltende Enthusiasmus der Anleger für die Tencent-Aktie, schließlich ist der Aktienkurs in den letzten 5 Jahren schon um mehr als 500 % gestiegen?

Tencent spielt in der gleichen Liga wie Facebook & Co

Das hängt mit der herausragenden Stellung von Tencent im chinesischen Internetmarkt zusammen – das Unternehmen gilt als Übermacht in China. Längst kein Geheimnis ist, dass Tencent die sozialen Medien in China beherrscht.

Der QQ Messenger und der Weixin bzw. WeChat Messenger sind fast allgegenwertig im Reich der Mitte. Während Weixin und WeChat zusammen 938 Millionen Nutzer im Monat verzeichnen, wird der QQ Instant-Messenger immerhin von 861 Millionen Anwendern im Monat genutzt.

Tencent überschreitet mit Online-Games die 10-Milliarden-Umsatzmarke

Aber nicht nur im sozialen Netz glänzt Tencent mit Überlegenheit, auch im Bereich Online- und Smartphone-Spiele dominiert der Internet-Riese aus Shenzhen den Markt nach Belieben.

Gemeinsam mit dem Rivalen NetEase bildet Tencent mit einem Marktanteil von rund 70 % im chinesischen Online-Spielemarkt quasi ein Duopol. Dies hat dazu geführt, dass Tencent in 2016 mit 10,3 Mrd. US-$ erstmals die Umsatzmarke von 10 Mrd. US-$ mit Online-Spielen überschreiten und damit auch den bislang größten US-Spielentwickler Activision Blizzard hinter sich lassen konnte.

Die immer noch zweistellig wachsende Online-Spielesparte war auch mit dafür verantwortlich, dass Tencent im ersten Quartal 2017 einen Rekordgewinn von 7,2 Mrd. US-$ einfahren konnte.

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Tencent überholt PayPal und avanciert zur weltgrößten Payment-Plattform

Doch damit nicht genug der Superlative. Der Rekordgewinn ist nur ein Aspekt, der Tencent-Anleger jubeln lässt. Tencent setzt inzwischen auch im Online-Zahlungsmarkt Maßstäbe.

Mit Tencent Pay und WeChat Pay (Markteinführung in 2014) ist der Internetgigant nämlich auch im chinesischen Online-Zahlungsmarkt aktiv und das mit großem Erfolg. Das Zahlungssystem rund um Tencent Pay und WePay verzeichnete Ende 2016 mehr als 600 Millionen zahlende Nutzer in China. Diese Nutzer zeichneten für 600 Millionen Zahlungstransaktionen pro Tag (!) verantwortlich.

Zum Vergleich: PayPal verzeichnete zuletzt über 200 Millionen registrierte Nutzer, Chinas E-Commerce-Gigant Alibaba kann für seinen Zahlungsdienst Alipay sogar 400 Millionen registrierte Nutzer vorweisen. Dies bedeutet allerdings auch: Tencent hat inzwischen beide Zahlungsdienste überholt ist damit nicht nur in China, sondern auch weltweit die größte Payment-Plattform.

Fazit: Tencent-Aktie vorerst nicht zu stoppen

In vielen Handelsgeschäften in Chinas Großstädten wird WeChat Pay inzwischen als Zahlungsoption neben klassischen Kreditkarten akzeptiert. Für Tencent hat sich mit der Expansion in den Zahlungsmarkt eine weitere Wachstumschance aufgetan.

Die US-Investmentbank J.P. Morgan schätzt, dass Tencent und Alibaba zusammen rund 40 Mrd. US-$ an Umsatzerlösen im Jahr 2020 allein im Zahlungsmarkt erwirtschaften können.

Zum Vergleich: In 2016 erzielte Tencent einen geschätzten Umsatz von rund 1,3 Mrd. US-$ im Payment-Geschäft, wobei der gesamte Jahresumsatz von Tencent um 48 % auf knapp 21,9 Mrd. US-$ wuchs.

Bedingt durch den Erfolg im Online-Zahlungsmarkt können Anleger damit rechnen, dass Tencent auch in den kommenden 2 bis 3 Jahren weiterhin hohe zweistellige Umsatzwachstumsraten erzielen wird – ein Ende des Wachstums scheint damit vorerst nicht in Sicht.


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Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands