Warum übernahm die US-Regierung im Jahre 1952 die gesamte Stahlindustrie?

Im Frühjahr 1950 war in Amerika die Furcht vor dem Kommunismus stärker als jemals zuvor. Vor allem Senator McCarthy warf […] (Foto: cybrain / Shutterstock.com)

Im Frühjahr 1950 war in Amerika die Furcht vor dem Kommunismus stärker als jemals zuvor.

Vor allem Senator McCarthy warf der Regierung unter Präsident Truman ein verweichlichtes Vorgehen gegen die Ausbreitung der fremden Ideologie in weiten Teilen der Welt vor. Als nordkoreanische Truppen in Südkorea einmarschierten, sah Truman eine Chance, aktiv gegen den Kommunismus vorzugehen und führte die USA in den Koreakrieg.

In den fünf Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg hatte sich die US-Wirtschaft langsam erholt und fand sich zurück auf dem Weg des freien Marktkapitalismus.

Die Aussicht auf einen erneuten Krieg führte jedoch zu neuen Preis- und Lohnkontrollen, die verhindern sollten, dass die Regierung während des Krieges bankrott ging.

Die Stahlindustrie litt besonders unter den Regierungskontrollen, da das Metall extrem wichtig für den Bau von Panzern, Bomben und Waffen waren, die in Korea benötigt wurden.

Truman führte Mindestmengen ein, die zu extrem niedrigen Preisen an die Regierung abgegeben mussten, bevor die Stahlwerke den Überschuss in den zivilen – und deutlich lukrativeren – Sektor verkaufen konnten. Die Stahlwerke stimmten diesem Entschluss jedoch nicht zu, bis auch die Gehälter der Mitarbeiter auf ähnliche Weise kontrolliert würden.

Da dies nicht geschah, mussten die Stahlwerke die Gehälter selber senken, um trotz der steigenden Inflation weiter zumindest geringe Gewinne einfahren zu können.

Die Stahl-Gewerkschaft sah die Kaufkraft der Arbeiter gefährdet und begann die Vorbereitungen auf einen Streik. Die Regierung versuchte zunächst, die Stahlproduktion durch Verhandlungen und vage Eingeständnisse für beide Seiten am Leben zu halten, doch der Plan schlug fehl. Als sich die Gewerkschaft auf einen Streik vorbereitete, kündigte Truman die komplette Übernahme der Stahlindustrie durch die Regierung an.

Er argumentierte, dass die ununterbrochene Stahlproduktion eine Frage der nationalen Sicherheit sei und führte daher Maßnahmen durch, die die schnelle Übernahme sicherstellen sollten.

Die Anwälte der Stahlunternehmen gingen sofort massiv gegen die Ankündigung vor. Dabei hatten sie die gesamte amerikanische Medienbranche auf ihrer Seite, die Verbindungen zwischen dem faschistischen Deutschland und den Plänen Trumans herstellten.

Die öffentliche Meinung über den Präsidenten war negativ, da die Knappheit an Stahl dazu führte, dass zahlreiche Stahlunternehmen schließen oder zumindest große Zahlen an Arbeitern entlassen mussten. Die Anwälte argumentierten, dass eine ausufernde präsidiale Macht kein Teil einer konstitutionellen Demokratie sei und letztlich stimmte der Supreme Court diesen Ausführungen zu.

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Die Regierung gab die Kontrolle an die Stahlunternehmen zurück , was dazu führte, dass die Arbeiter sofort in Streik traten. Die Stahlwerke mussten schließen und die Knappheit des Metalls wurde akut. Verschiedene Industrien, beispielsweise die Autohersteller aus Detroit, standen kurz vor dem Zusammenbruch.

Auch das Militär litt unter der Knappheit, und als Munition und Bomben ausgingen, schritt die Regierung erneut ein.

Sie drohte damit, neue Gesetze zu schaffen und auf deren Basis die komplette Industrie erneut zu beschlagnahmen. Sie forderte eine sofortige Stahllieferung direkt aus den Werken zu den Waffenherstellern.

Diese Drohung führte die Stahlunternehmen zurück an den Verhandlungstisch. Die Regierung versprach, die Preiskontrollen zu lockern, die Unternehmer versprachen steigende Gehälter und beide Seiten kamen zu einer Einigung. Wenig später rollten die nächsten Fahrzeuge, Dosen, Bomben und Panzer von den Fließbändern.


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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.