Warum wächst Nike teilweise schneller als Adidas?

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Nike als auch Adidas wachsen robust. Dennoch sehen Analysen Nike beim Wachstum leicht in Front - doch warum? (Foto: TY Lim / shutterstock.com)

Die Adidas-Aktie markierte zuletzt ein neues Rekordhoch bei über 230 Euro – damit hat das Papier von Europas größtem Sportartikel-Hersteller seit Jahresbeginn zur Freude der Anleger um etwa 25 % zugelegt.

Ähnlich positiv, wenn auch nicht ganz so deutlich, legte die Aktie des US-Rivalen Nike zu. Die Anleger des US-Sportartikelriesen können sich immerhin über ein Kursplus von 18 % seit Jahresbeginn freuen.

Nike und Adidas melden robustes Wachstum

Das Kursplus hätte bei der Nike-Aktie noch höher ausfallen können, schließlich wuchs der US-Sportartikel-Hersteller in den letzten Quartalen schneller als der deutsche Rivale. Allein für das vergangene dritte Fiskalquartal 2019 meldete Nike einen währungsneutralen Umsatzzuwachs von 11 % auf 9,6 Mrd. US-$. Unter dem Strich blieb ein Nettogewinn von 1,1 Mrd. US-$ übrig.

Zum Vergleich: Adidas meldete für das Gesamtjahr 2018 ein währungsbereinigtes Umsatzwachstum von 8 %, in 2019 wollen die Herzogenauracher um 5 bis 8 % wachsen. Analysten erwarten bei Nike in diesem Jahr ein Wachstum von 7 %, das in 2020 auf 8 % anziehen soll.

Warum wächst Nike teilweise stärker als Adidas?

Viele Anleger fragen sich nun, warum Nike trotz seiner enormen Größe – die Amerikaner sind fast drei Mal so groß wie Adidas – teilweise schneller wächst als der deutsche Sportschuh-Hersteller?

Dazu müssen Anleger wissen, dass Nike die absolute Nr. 1 unter den Sportschuh-Herstellern der Welt ist und nicht nur in den USA stark ist, sondern auch in anderen Regionen der Welt (Lateinamerika, China etc.). Zwar hat auch Adidas zuletzt gute Erfolge in Nordamerika und China erzielt, Analysten bemängeln allerdings, dass Adidas dafür teilweise andere Märkte vernachlässigt. Zum Beispiel sank der Adidas-Umsatz in den Schwellenländern (Emerging Markets) zuletzt um 3 %.

Wachstumsmotor E-Commerce

Wachstumsmotor war bei beiden Sportartikel-Herstellern zuletzt das E-Commerce-Geschäft rund um den Verkauf von Produkten über das Internet. Adidas konnte sich über ein Umsatzplus von 36 % auf über 2 Mrd. Euro freuen, während Nike ebenfalls ein Umsatzplus von 36 % im digitalen Geschäft meldete.

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Nike will den Direktvertrieb zu den Verbrauchern (Direct-to-Consumer) über seine Webseite Nike.com und anderen Kanälen (Mobile Apps) noch weiter ausbauen. Analysten glauben, dass Nike so die hohe Zahl von Vertriebspartnern von derzeit 30.000 Händler auf bis zu 40 große Händler eines Tages eindampfen könnte.

Durch seine neue Vertriebsstrategie hat es Nike bereits geschafft, dass der Umsatzanteil, der über den Großhandel läuft, von 82% in 2014 auf 70 % in 2018 gesunken ist. Das bedeutet, Nike verkauft immer mehr Produkte direkt an seine Kunden.

Ähnliches ist aber auch bei Adidas zu beobachten. Auch der deutsche Hersteller verkauft immer Produkte über seine eigenen Online-Shops, zudem versucht Adidas durch den Einsatz von Robotertechnik günstiger zu produzieren. Dies wirkte sich zuletzt bereits positiv auf die Gewinnmargen aus.

Fazit: Adidas vs Nike – beide liefern ein ansehnliches Wachstum

Sowohl Adidas als auch Nike liefern sich weiter einen harten Kampf um Marktanteile im lukrativen Sportartikel-Markt. Verbrauchern und auch Anlegern kann das nur recht sein.

Der Wettbewerb zwingt beide Hersteller effizienter zu werden, was sich positiv auf die Entwicklung der Gewinnmargen niederschlagen dürfte. Nike will künftig verstärkt bei der weiblichen Kundschaft punkten, während Adidas auf Schnelligkeit setzt. Der deutsche Hersteller möchte noch schneller mit den richtigen Produkten beim Kunden sein und seinen Marktanteil in Nordamerika weiter steigern.

Anleger müssen wissen, dass die USA der größte Markt für Sportartikel ist, hier werden etwa 40 % der Branchenumsatzes erzielt. Noch hat Nike hier die Nase vor, dass gilt sowohl im klassischen Handel als auch im Online-Geschäft. Doch auch Adidas will bis 2020 etwa 4 Mrd. Euro im E-Commerce-Geschäft umsetzen.

Kurzum: Anleger dürften vom Wettlauf der beiden Sportartikel-Rivalen profitieren, denn beide Hersteller verfügen über starke Marken und die richtige Strategie, um das Wachstum weiter voranzutreiben. Daher sind sowohl Nike als auch Adidas gegenüber Under Armour, Dick`s Sporting Goods, Asics und anderen weniger bekannten Sport-Marken im Vorteil.


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Mittermeier neu
Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands