Warum wurde die SEC 2002 auf die Bilanzen des Unternehmens Tyco aufmerksam?

Selbst drei korrupte Vorstandsmitglieder reichen aus, um einem Unternehmen und seinen Aktionären erheblichen Schaden zuzufügen. (Foto: SergeyP / Shutterstock.com)

Nachdem der Konzern Enron im Dezember 2001 in Folge mehrfacher Bilanzfälschung Insolvenz anmelden musste, brodelte die Gerüchteküche weiter – und zwar in Bezug auf den international tätigen Mischkonzern Tyco.

Als Hersteller diverser Produktlinien hatte sich das Konglomerat einen Namen als sehr stabile Anlage gemacht.

2002 wurden die Jahresabschlüsse des Unternehmens allerdings genau überprüft.

Ebenso wie Enron einen Großteil seiner Schulden manipuliert und in die Fußnoten verschoben hatte, so verfügte Tyco über unverhältnismäßig hohe Ausgaben für die Buchhaltung.

Sowohl Anleger als Analytiker stellten die Aktualität der Angaben in Frage, und der Aktienkurs des Unternehmens fiel um 19%.

Um die Anleger wieder zu beruhigen, kündigten CEO Dennis Kozlowski und CFO Mark Swartz an, dass sie eine halbe Million Anteile der Tyco-Aktie zurückkaufen würden.

Normalerweise deutet ein Rückkauf in einer solchen Dimension darauf hin, dass das Unternehmen seine Aktie als unterbewertet einschätzt.

Allerdings wussten die Anleger nicht, dass Swartz und Kozlowski heimlich bereits Millionen an Anteilen verkauft hatten, ohne dies anzukündigen.

Kozlowskis Versuch, die Investoren zurückzugewinnen, war dementsprechend kurzlebig.

Im April 2002 kündigte Kozlowski an, dass Tyco einen Verlust von 0,96 US-$ pro Aktie durch unerwartete Kosten verbuchen müsse.

Zwei Monate später legte er seinen Posten aus „persönlichen Gründen“ nieder – tatsächlich jedoch aufgrund einer Anklage wegen Steuerhinterziehung.

Zwei weitere Vorstandsmitglieder – CFO Mark Swartz und Chefjustiziar Mark Belnick – verließen Tyco während des Sommers. Inzwischen kam die Wahrheit über ihre Machenschaften zu Tage.

So hatte das Trio – Kozlowski, Swartz und Belnick – nicht nur über 400 Mio. US-$ an Anteilen heimlich verkauft, sondern zudem 170 Mio. US-$ an zinsbegünstigten Personalkrediten erworben.

Keiner der Kredite war durch Tycos Kompensationskomitee gebilligt worden. Des Weiteren hatte man die Kredite vor den anderen Vorstandsmitgliedern, Aktionären und Mitarbeitern geheim gehalten.

Tyco leitete schließlich das Verfahren gegen die ehemaligen leitenden Angestellten ein. Infolgedessen erhob die SEC im September 2002 Anklage.

Dabei wurden Kozlowski und Swartz zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.

Der Fall Tyco ist somit wieder einmal ein gutes Beispiel dafür, wie einzelne korrupte Vorstandsmitglieder dem gesamten Unternehmen und seinen Aktionären immensen Schaden zufügen können.

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Lisa Mattil
Von: Lisa Mattil. Über den Autor

Lisa Mattil beschäftigt sich seit mehreren Jahren mit den Themen private Finanzen, Vorsorge, Versicherung und Steuern. Als freie Journalisten hält sie sich auf diesem Gebiet ständig auf dem Laufenden.

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