Was bedeutet der Ausdruck „fool in the shower“?

In einem Artikel über Konjunkturpolitik plötzlich von einem „fool in the shower“ zu lesen, kann irritieren. Doch dahinter steckt eine […] (Foto: hywards / Shutterstock.com)

In einem Artikel über Konjunkturpolitik plötzlich von einem „fool in the shower“ zu lesen, kann irritieren. Doch dahinter steckt eine Leitidee, die in der Tat einiges mit den Grundzügen der Marktwirtschaft zu tun hat.

Milton Friedman und die Konjunktur

Milton Friedman, amerikanischer Nationalökonom und Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften 1976, prägte den Begriff des „fool in the shower“ (übersetzt „der Dummkopf unter der Dusche“).

Friedman war einer der Wirtschaftswissenschaftler, die staatliche Interventionen ablehnten.

Stattdessen vertrat er die Auffassung, dass ein eher vorsichtiger Konjunkturstimulus erzeugt werden sollte, anstatt sofortige Resultate erzwingen zu wollen.

Seine Begründung dafür war, dass verlässliche Ergebnisse nur nach einer gewissen Zeit festgestellt werden können. Eine Änderung des Leitzinssatzes, beispielsweise, braucht um die sechs Monate, um erfolgreich in die Wirtschaft integriert werden zu können.

Der Dummkopf unter der Dusche – Was meint Friedman damit?

Friedman verglich dabei die Marktsituation mit der Alltagssituation des Duschens: Nur ein Dummkopf geht unter die Dusche, wenn das Wasser noch nicht reguliert ist.

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Anstatt kurz zu warten, bis die Wassertemperatur ausgeglichen ist, dreht der Dummkopf das heiße Wasser ganz auf und verbrüht sich.

Wirtschaftlich gesprochen heißt das, dass ein niedriger Leitzins zwar zeitweise Beschäftigung und Produktion sowie Investitionen auf dem Börsenmarkt fördert.

Gefährlich wird er jedoch, wenn Abweichungen von der optimalen Allokation auftreten und Spekulationsblasen entstehen.

Künstlich niedrige Zinsen – Was passiert konkret?

In den Jahren 2003 und 2004 ist ein solcher Fall aufgetreten, als die US-Notenbank (Federal Reserve Bank) die Zinsen zu lange niedrig gehalten und eine Immobilienblase gefördert hat.

Unter dem Vorwand, durch Niedrigzinsen die Wirtschaft zu stützen, wurde gleichzeitig die Kaufkraft von Kreditnehmern gesteigert und die von Sparern gesenkt. Das führte zu einer Spekulationsblase und anschließend zum Crash.

Im Januar 2012 entschied die US-Notenbank erneut, den Leitzins niedrig zu halten. Die Zinsprognose der Federal Reserve geht bis ins Jahr 2014, in dem eine bestimmte Inflationsrate erreicht werden soll.

Investoren freuen sich, denn viele Zinsen auf Anleihen sind bereits gesunken und bringen neuen Schwung durch erhöhte Kaufkraft in die Wirtschaft.

Dennoch bleibt dieser Schritt riskant, da die Entwicklungen bereits über einen Zeitraum von ein paar Monaten kaum überschaubar sind – geschweige denn über zwei ganze Jahre.

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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