Was für eine Rolle spielte Robert Citron im Bankrott des Bezirkes von Orange County, Kalifornien?

1994 gab der US-amerikanische Bezirk Orange County bekannt, dass sein Investmentpool einen Verlust von 1,6 Milliarden US-Dollar hinnehmen musste. Damals erschütterte dieser Fall die Finanzwelt. Dies war nicht nur der größte Verlust, den ein Investmentpool einer Regierung bis dato hinnehmen musste, er erschütterte auch das Vertrauen in kommunale Anleihen.

Als Schatzmeister von Orange County galt Robert Citron bis zu diesem Zeitpunkt als finanzielles Genie. Er hatte in den Jahren zuvor die Investmentstrategien von benachbarten Bezirken um mindestens 2% übertroffen und somit für stetige Einnahmen gesorgt. Schulen, Städte und Gemeinen vertrauten ihm blind – ein Fehler, denn sie untersuchten daher zu keinem Zeitpunkt, auf welche Weise Citron seine Gewinne einfuhr.

Einfach gesagt vertraute Citron darauf, dass die Zinssätze weiterhin niedrig blieben. Dadurch bot der Unterschied bei der Rendite zwischen kurzfristigen und langfristigen Anlagen die Möglichkeit einer Arbitrage. Citron nutze strukturierte Schuldscheine, um sich dies zu Nutze zu machen. Obwohl dies sowohl den potenziellen Gewinn, aber auch das Risiko erhöhte, war dies eine tragfähige Strategie. Citron setze nun jedoch auch noch Hebel ein, um den Gewinn weiter zu vergrößern – was seine Strategie zum Einsturz brachte.

Citron unterzeichnete eine Reihe von Reverse Repos, die es ihm möglich machten, seine aktuellen Wertpapiere als Sicherheit für die Aufnahme von Krediten zu nutzen. Dieses Geld nutzte er nun zum Kauf weiterer Wertpapiere. Hierdurch verwandelte er sein 7-Milliarden-Dollar-Portfolio schnell in ein 20-Milliarden-Dollar-Portfolio. Diese Hebelwirkung verstärkte über Jahre hinweg die Gewinne, während die Zinsen niedrig blieben.

Im Februar 1994 beschloss die Regierung jeoch, die Zinsen zu erhöhen. Die starken Gewinne schlugen dadurch in Windeseile in starke Verluste um. Während die Zinsen immer weiter stiegen, gerieten die Verluste außer Kontrolle.

Der Bezirk wurde in den Konkurs getrieben und griff zu einem verzweifelten Ausweg, 800 Millionen US-Dollar in Anleihen auszugeben. Der Bankrott beschädigte das Ansehen des Bezirks jedoch auf Jahre hinweg, so dass die Anleihen zu Rabattpreisen an die Regierung verkauft werden mussten.

Die Ausgabe der Anleihen war jedoch genug, um die Investoren – beispielsweise viele Schulen des Landkreises – vor der Insolvenz zu bewahren. Robert Citron kam derweil unbestraft davon.

22. Oktober 2012

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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