Was sind “Junk Bonds”?

Kelnberger über Volatilitätsfonds

Was sind die sogenannten "Junk Bonds"? Eine kurze Erläuterung zur Herabstufung Griechenlands und der Bewertung durch Ratingagenturen. (Foto: Gina Sanders – Fotolia.com)

Ramschanleihen oder „Junk Bonds“ sind angeblich die Staatsanleihen Griechenlands. Zu diesem Ergebnis ist die Rating-Agentur Standard & Poor’s gekommen.

Nicht wenige Anleger rätseln, was genau das heißt. Deshalb für Sie eine kurze Erläuterung, was es mit dieser Beurteilung auf sich hat.

Im Kern geht es um Folgendes: Am Kapitalmarkt leihen sich verschiedene Staaten und Unternehmen Geld von privaten und institutionellen Investoren. Das tun sie, indem sie Anleihen emittieren  bzw. herausgeben.

Für dieses geliehene Geld zahlen sie Zinsen. Wie hoch der Zinssatz ist hängt davon ab, als wie zahlungskräftig der jeweilige Emittent eingestuft wird.

Mehr dazu: Rating-Agenturen provozieren griechischen Staatsbankrott

Ratingagenturen ermitteln “Junk Bonds”

Die Bewertung von Unternehmen und Staaten übernehmen so genannte Rating-Agenturen. Zu den Bekanntesten gehört die oben genannte Rating-Agentur Standard & Poor’s sowie Fitch Rating und Moody’s.

Und genau hier liegt das Problem: Rating-Agenturen werden bisher noch meist von den Emittenten bezahlt. Somit ist es durchaus wahrscheinlich, dass sie ein Gefälligkeitsgutachten erstellen.

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Folgende Tabelle gibt einen Überblick über die möglichen Bewertungsergebnisse:

Für institutionelle Anleger, zum Beispiel Pensionsfonds, gibt es klare Vorgaben: Sie dürfen nur in Anleihen investieren, die mindestens mit BBB bewertet sind.

Diese werden in der Fachsprache als „Investment Grade“ bezeichnet. Alles, was darunter liegt, heißt „Speculative Grade“ und ist für auf Sicherheit bedachte institutionelle Anleger (und auch Privatanleger) nicht geeignet.

Anleihen ab CCC abwärts heißen auf Englisch „Junk Bonds“, übersetzt „Ramsch-Anleihen“ oder auch „Schrott-Anleihen“.

Manche Anleger erachten sie als sehr attraktiv: Denn wer so eingestuft wird, muss immens hohe Zinsen zahlen, um am Kapitalmarkt überhaupt noch Abnehmer für seine Anleihen zu finden.

Aber am Fall Griechenlands sehen Sie bereits: Die Wahrscheinlichkeit, dass Sie das investierte Geld vollständig zurückerhalten und obendrein auch noch Zinsen einstreichen dürfen, ist entsprechend gering.


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Dr. Erhard Liemen
Von: Dr. Erhard Liemen. Über den Autor

Dr. Erhard Liemen ist Chefredakteur verschiedener, international renommierter Informationsdienste. Seit 1996 betreut er den angesehenen und erfolgreichen Dienst "Der Deutsche Wirtschaftsbrief".