Was hat es mit dem Prozess um die Mahonia Company auf sich?

J. P. Morgan stieg 1992 in den Energiehandel ein, indem er eine Venture Gesellschaft namens Mahonia Limited gründete.

Zumindest stand es so schwarz auf weiß.

Tatsächlich handelte es sich bei Mahonia um eine Art Steueroase für Unternehmen im Energiehandel.

Mahonia würde am Ende des Jahres große Mengen an Gas oder Öl kaufen, die aber schrittweise erst im darauffolgenden Jahr geliefert werden sollten.

Folglich konnten die verkaufenden Firmen diese Transaktionen als Verschuldung in ihren Finanzen verbuchen, da die Ware ja noch nicht ausgeliefert worden war. Dadurch war es ihnen möglich, Steuern aufzuschieben und ihr zu versteuerndes Einkommen zu senken.

Obwohl dieser Schachzug als geradezu teuflisch genial galt, war er nicht illegal, solange die Ware schließlich ausgeliefert wurde.

Bedauerlicherweise jedoch handelte die Mahonia Company größtenteils mit Enron.

Dieses Unternehmen begann, den Wert der Verkäufe zu verdoppeln, indem diese einerseits als Geldfluss und andererseits auch als Verschuldung für die Steuern erfasst wurden.

Als Enron in immer größere finanzielle Schwierigkeiten geriet, bat das Unternehmen die Mahonia Company, noch mehr zu kaufen. Mahonia wurde immer mehr zu Enrons Geldgeber, während die Ware nicht geliefert wurde.

Mahonia (bzw. J. P. Morgan) wollte schließlich die Verbindung zu Enron abbrechen, jedoch vorher noch ein extrem lukratives Geschäft abschließen – ein einziger Verkauf im Jahre 1999 belief sich auf die Summe von 650 Millionen Dollar.

Enron stimmte zu, eine Versicherung über die Auslieferung der Ware abzuschließen. Womöglich war dem Unternehmen klar, dass es bereits zu sehr in den Betrug verstrickt war. Dieser Verkauf war lediglich das Sahnehäubchen.

Natürlich wurde die Ware nie geliefert. Als Enron implodierte, befanden sich die Gesamtschulden für die schlechten Verkäufe bei Mahonia im Milliardenbereich.

Die Versicherungsfirmen verweigerten jegliche Zahlungen, als sie von den Machenschaften erfuhren.

Ironischerweise hatte J. P. Morgan – trotz der erheblichen Verluste Mahonias –  Millionengewinne gemacht, in Form von Gebühren für Vermittlungsgeschäfte zwischen Enron und Mahonia.

Die Versicherungsgesellschaften behaupteten, dass in Wahrheit mit risikoreichen Darlehen gehandelt wurde, die den strauchelnden Energieriesen stützen sollten.

J. P. Morgan verklagte sie infolgedessen darauf, dass die Versicherungspolice von Enron vorbehaltslos gelte – trotz der Betrugsverdächtigungen.

Schließlich gewann Morgan den langwierigen Prozess, erhielt allerdings weniger als die Hälfte der geforderten 1,1 Milliarden und büßte viel Ansehen ein.

3. Dezember 2012

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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