Was ist Deflation und wie kommt sie zustande?

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Bei einer Inflation wird alles teurer, bei einer Deflation alles billiger. Ist doch super! Mitnichten. Lesen Sie warum. (Foto: sdecoret / Shutterstock.com)

Die Begriffe “Deflation” und “Inflation” gehören zu den Standard-Vokabeln in der Wirtschaft. In den Nachrichten liegt der Fokus jedoch meistens auf der Inflation – dabei ist ihr Gegenstück mindestens ebenso interessant. Bei einer Deflation sinken Geld und Kreditmenge im Wirtschaftskreislauf, so dass Produkte wie Lebensmittel und Investitionsgüter wie Immobilien im weiteren Verlauf an Wert verlieren und die Preise sinken.

Ausgangspunkt der Deflation ist, dass die Nachfrage geringer als das Angebot ist. Somit ist sie meist die Folge eines ins Stottern geratenen Wirtschaftsmotors.

In einer Volkswirtschaft ist zu jeder Zeit entweder eine Inflation oder Deflation vorhanden, was im Normalfall nicht zu Problemen führt. Diese entstehen erst, wenn die jeweilige Rate zu groß wird und die Wirtschaft somit unter Druck gerät.

Drei Gründe für Deflation

Es gibt verschiedene Gründe für eine Deflation, die zumeist nicht alleine auftreten. Üblicherweise bilden drei Gründe – ob alleine oder gemeinsam – die Basis einer auftretenden Deflation.

1. Grund: Hoher Leitzins

Der Leitzins wird von der Europäischen Zentralbank festgelegt und bestimmt, wie kostspielig es ist, Kredite aufzunehmen. Setzt die EZB den Leitzins hoch, beispielsweise wegen einer vorangegangenen Inflation, so werden Kredite für Privatkunden und Unternehmen teurer.

Das hat zur Folge, dass weniger Kredite nachgefragt und vergeben werden.

2. Grund: Sparmaßnahmen

Leidet ein Staat unter einer hohen Schuldenlast, wird die Regierung im Regelfall Ausgabenkürzungen beschließen. Dadurch gelangt weniger Geld in den Umlauf, beispielsweise durch Kürzungen bei Sozialleistungen oder im Straßenbau.

Auch ein erhöhter Sparwille bei Privatpersonen kann zu einer Deflation führen. So kann es durchaus sein, dass Konsumenten bei wirtschaftlicher Unsicherheit auf den Kauf eines neuen Fahrzeuges oder Fernsehers verzichten oder Lebensmittel bevorzugt im Discounter kaufen. Auch hohe Zinssätze drücken die Konsumlaune – kann eine Privatperson auf dem Sparbuch hohe Zinsen erwarten, sinkt der Wille, das Geld anderweitig zu investieren.

3. Grund: Währungsaufwertung

In Folge einer Wirtschaftskrise kann es passieren, dass der Wert einer Landeswährung sinkt. Dann neigen viele Anleger dazu, ihr Geld stattdessen in eine “sichere” Währung zu investieren. Diese erfährt in der Folge eine Aufwertung, ihr Wert steigt also im Verhältnis zur instabilen Währung an.

Ist das betroffene Land nun abhängig von einem Wirtschaftsfaktor wie etwa Tourismus, kann dies zu Problemen führen. Das Land wird als Urlaubsziel für Ausländer zu teuer, was zu einem deutlichen Rückgang der gebuchten Reisen führt – und in der Folge zu einem Rückgang der Geldmenge im Umlauf.

Was ist so schlimm an einer Deflation?

All die genannten Gründe haben also gemeinsam: Die Geldmenge sinkt durch abnehmende Investitionen von Anlegern, Konsumenten oder dem Staat, was in der Folge zu einem Preisabfall von Waren führt. Doch warum ist dies ein Problem? Schließlich bekommt der Kunde nun mehr für sein Geld?

Wie eingangs bereits erwähnt, ist eine geringe Deflationsrate im niedrigen Prozentbereich kein Problem, sondern wird als preissenkende Maßnahme durchaus von den Zentralbanken genutzt. Ein Problem entsteht erst dann, wenn die Deflation eskaliert und immer weiter ansteigt. Denn dann entsteht ein Teufelskreis, den Ökonomen Deflationsspirale nennen.

Die Gefahr einer Deflationsspirale

Der Preisverfall durch sinkende Nachfrage hat für Produzenten zur Folge, dass ihre Produktionskosten die Einnahmen übersteigen. Auf Basis dieser Verluste sind Unternehmen gezwungen, Kosten zu sparen – was meist mit Entlassungen oder Lohnkürzungen einher geht. Im schlimmsten Fall können sich die Firmen nicht mehr aus eigener Kraft retten und müssen den Gang in die Insolvenz antreten.

Eine hohe Deflation führt also zu einem Anstieg an Firmenpleiten. Dabei zeigt sich ein weiteres Problem: Eine drohende Zahlungsunfähigkeit ist von Unternehmern auch nicht durch Kredite auszugleichen, da in Zeiten einer Deflation die Zinsen für Kredite sehr hoch sind. Entweder führt dies dazu, dass sich überhaupt kein Geldgeber für den Kredit finden lässt – oder die Zinsen sind so hoch, dass sie das Problem des Unternehmens nur weiter verschlimmern.

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Steigt die Zahl der insolventen Unternehmen und in der Folge auch die Arbeitslosigkeit, kommt wiederum noch weniger Geld in den Wirtschaftskreislauf. So sind immer mehr Sparmaßnahmen  nötig, um die Einbußen auszugleichen.

Verschärfend kommt hinzu, dass wohlhabende Konsumenten ihre Geldreserven zurückhalten, weil sie darauf spekulieren, dass die Preise weiter fallen. Wieso diesen Monat ein Auto für 30.000 Euro kaufen, wenn es im nächsten vielleicht nur noch 26.000 Euro kostet?

Dies ist der Teufelskreis einer Deflationsspirale, der oftmals durch die hohe Arbeitslosigkeit auch soziale Krisen mit sich bringt.

Wie lässt sich Deflation bekämpfen?

Eine Möglichkeit zur Bekämpfung der Deflation ist eine Senkung des Leitzinses durch die EZB. Kredite würden somit wieder günstiger. Auch eine Erhöhung der Ausgaben durch den Staat kann die Deflation senken. Der Staat tritt dann als Konsument auf und kurbelt die Wirtschaft wieder an. So wird gewährleistet, dass wieder mehr Geld in den Geldkreislauf gelangt und Deflation kann ausgeglichen werden.

Somit werden drohende Deflationen an sich schnell und effektiv bekämpft. Die letzte weltweite Deflation fand in den 1930er Jahren statt und war eine Folge der Überproduktion nach dem Ersten Weltkrieg, dem Schwarzen Donnerstag an den Börsen sowie der Senkung der Geldmenge in den USA um 30 Prozent. Nach dieser Weltwirtschaftskrise gab es nur noch lokal begrenzte Fälle von Deflationsspiralen, beispielsweise in Japan in den 1990ern.

Stattdessen setzen Zentralbanken in aller Welt darauf, eine stete, geringe Inflation aufrecht zu erhalten. Die optimale Inflationsrate liegt bei rund 2 Prozent.


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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.