Was ist der Misery Index und wann war er besonders wichtig?

Der Misery Index wurde vom Wirtschaftsexperten Arthur Okun in den 1960ern für die Vereinigten Staaten entwickelt. Okun war zu der […] (Foto: Siriwat Sriphojaroen / Shutterstock.com)

Der Misery Index wurde vom Wirtschaftsexperten Arthur Okun in den 1960ern für die Vereinigten Staaten entwickelt. Okun war zu der Zeit ein Berater von Präsident Johnson, der eine einfache Kostenskala für Inflation und Arbeitslosigkeit einführen wollte. Hierfür addierte er die Inflation mit der Arbeitslosigkeit und nannte die Summe den „Misery Index“.

In den 1960ern bis in die 1980er Jahre schlugen sich Ölkartelle, der Kalte Krieg und der Vietnamkrieg negativ auf die amerikanische Wirtschaft nieder und trieben sowohl die Inflation als auch die Arbeitslosigkeit nach oben. Als Gerald Ford sich zur Wiederwahl stellte, führte sein demokratischer Konkurrent Jimmy Carter den hohen Wert des Misery Index von 13% als deutliches Zeichen für die Unfähigkeit des Präsidenten an – und grub sich damit sein eigenes Grab.

Carter wurde gewählt, und kurz darauf führte seine Regierung strenge Steuererhöhungen und Preiskontrollen an. Dies verlangsamte die Inflation, aber gleichzeitig verringerte es den Profit vieler Unternehmen und damit gleichzeitig den Willen für Neueinstellungen. Die Arbeitslosigkeit stieg rasant an und der Misery Index strebte einem Höchststand zu.

Der schlechteste Monat, der jemals auf dem Misery Index angezeigt wurde, war der Juni 1980. Das Allzeithoch wurde dabei direkt am 1. Juni erreicht, als die Skala 21,98& anzeigte.

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Während Carter die Augen der Öffentlichkeit während des Wahlkampfes auf den Misery Index richten ließ, spielte er seine Bedeutung nun herunter. Dies half ihm jedoch nicht – bei der folgenden Wahl verlor Carter gegen seinen Konkurenten Ronald Reagan, der seine eigenen Ideen unter dem Stichwort der „Reaganomics“ präsentierte.

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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