Was ist der „Performance-Kult“?

In den späten 1960er und frühen 1970er Jahren hatten der Bullenmarkt und die Aufmerksamkeit der Medien die Reputation der so […]

In den späten 1960er und frühen 1970er Jahren hatten der Bullenmarkt und die Aufmerksamkeit der Medien die Reputation der so genannten „Revolverhelden der Go-Go Fonds“ in ungeahnte Höhen getrieben. Einige der Fondsmanager erwirtschafteten jährliche Renditen von 60 Prozent.

Investoren folgen ihrem Beispiel und verschoben ihr Geld zwischen zahlreichen Fonds – immer auf der Suche nach der besten Performance, was zu dem Namen „Performance-Kult“ führte. Dieses Verhalten wurde durch einen massiven Verkaufsrausch bei Fonds unterstützt, der die Anteile dieser Fonds sehr liquide machte.

Die Revolverhelden ließen sich durch den scheinbar endlosen Bullenmarkt dazu verleiten, immer risikoreichere Transaktionen durchzuführen, darunter auch kleinere illiquide Aktien. Sie versuchten außerdem, jegliche Erträge aus Portfolios sofort ausgezahlt zu bekommen, um die Gesamtrendite zu steigern.

Verweigerten sich die Fondsmanager diesen Plänen, verließen die Investoren den Fonds in Scharen, um sich aggressiveren Managern zuzuwenden.

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Nicht jeder ließ sich jedoch vom Aufstieg der Go-Go-Fonds blenden. Vor allem ältere Experten, die den großen Börsencrash von 1929 miterlebt hatten, warnten vor dem falschen und risikoreichen Vorgehen.

Die Revolverhelden trieben die Preise von bereits überbewerteten Aktien weiter nach oben, um mit ihrem Geld das steigende Momentum zu unterstützen und schnelles Geld zu erwirtschaften. Dabei ließen sie jedoch die Grundlagen der Finanzwelt außer Acht. Dies verfälschte den Markt extrem und führte zu einem rasanten Zusammenbruch in der Mitte der 1970er Jahre.

Die Go-Go-Fonds waren dabei am stärksten vom Umschlagen des Bullenmarktes betroffen. Die außergewähnlichen Renditen der Revolverhelden und ihrem Performance-Kult verschwanden im Nichts. Die betroffenen Fonds wurden offiziell in „aggressive Wachstumsfonds“ umbenannt, aber auch so konnten sie den negativen Entwicklungen des nächsten Jahrzehnts nichts entgegen setzen.

Auch heute ist der Performance-Kult noch existent, betreibt jedoch das exessive Wechseln von Fonds nur noch in geringem Maße, da die Gebühren für den Wechsel deutlich gestiegen sind.


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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.