Was ist Super-Fracking und warum Fracking-Kosten sinken

Super-Fracking lässt die Kosten für Fracking deutlich sinken. Auch Anleger können davon profitieren, wenn Sie auf die richtigen Werte setzen. (Foto: William Potter / shutterstock.com)

Der niedrige Ölpreis hat nicht nur die boomende Fracking-Industrie in den USA, sondern auch Anleger in der Energie-Branche getroffen. Insbesondere Saudi-Arabien spielt auf Zeit und versucht die niedrigen Ölpreise einfach auszusitzen.

Die Strategie: Durch die niedrigen Ölpreise sollen sich viele Fracking-Projekte in den USA von selbst erledigen und so Überkapazitäten im Ölmarkt abgebaut werden.

Der Hintergrund dieser Idee ist, dass die meisten Fracking-Projekte bei Ölpreisen von unter 60 US-$ pro Barrel als unrentabel gelten. Doch Anleger sollten sich nicht in die Irre führen lassen, denn es ist fraglich, ob die Rechnung der Saudis aufgeht.

Fracking-Kosten: Ölproduzenten werden effizienter

Denn die Zeiten, in denen US-Ölproduzenten in der amerikanischen Fracking-Industrie Ölpreise von 80 US-$ und mehr pro Barrel benötigten, um profitabel wirtschaften zu können, sind längst passe.

Neue Studien beim Marktforscher IHS zeigen, dass 80% der amerikanischen Fracking-Projekte in 2015 auch bei Ölpreisen von 50 bis 69 US-$ pro Barrel profitabel sind. Ursächlich sind sinkende Fracking-Kosten in der Industrie.

So haben zum Beispiel Fracking-Unternehmen wie EOG Resources ihre Fracking-Kosten zuletzt stark senken können. Die Kosten pro Bohrung im Leonard-Schieferölfeld an der Grenze zu Texas und New Mexico sind bei EOG Resources von 6,9 Mio. US-$ in 2011 auf 5,0 Mio. US-$ in 2014 gesunken.

Super-Fracking lässt Fracking-Kosten sinken

Und das Ende der Kostensenkungen ist noch nicht erreicht. Eine neue Technik mit dem Namen „Super-Fracking“ erlaubt Ölproduzenten sehr viel mehr Sand in die Bohrlöcher zu pumpen, um tieferliegende Gesteinsschichten aufzubrechen.

Die Produktivität einiger Super-Fracking-Bohrungen ist inzwischen von 400 auf 600 Barrel pro Tag gestiegen. Dies senkt wiederum die Break-Even-Kosten pro Bohrloch.

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Neue Hydraulik-Pumpen senken die Wartungskosten

Darüber hinaus gibt es Fortschritte bei den Hydraulik-Pumpen, die als die größten Kostenverursacher in der Fracking-Industrie gelten. Beim Öl-Fracking wird ein Gemisch aus Wasser, Sand und Chemikalien mit hohem Druck in die Tiefe gepresst.

Durch diesen Vorgang werden die teuren Hydraulik-Pumpen, die oft mehrere Millionen US-$ kosten, manchmal beschädigt. Die Lebensdauer dieser Hochdruckpumpen, die in vielen Fällen täglich gewartet werden müssen, war bislang begrenzt.

Seit Ende 2014 sind jedoch die neuen VorTeq-Pumpen vom Branchenführer Energy Recovery am Markt. Dadurch wird Fracking-Flüssigkeit umgeleitet, wodurch nur noch sauberes Wasser durch die Pumpen fließt. Dadurch sollen Wartungszeiten sinken und sich die Lebensdauer der Pumpen verdoppeln.

Warum der niedrigere Ölpreis den Fracking-Boom nicht stoppen wird

Der sinkende Ölpreis hat zwar einige teure Fracking-Projekte gestoppt und das Wachstum der amerikanischen Fracking-Industrie verlangsamt, jedoch bedeutet dies nicht das Ende des Fracking-Booms in den USA.

Die Bandbreite der Fracking-Kosten variiert sehr stark, je nach Gesteinsdichte und Ergiebigkeit der Ölquelle zwischen 28 und 80 US-$ pro Barrel.

Doch auch die Fracking-Industrie entwickelt sich weiter und wird langsam erwachsen. Wie so oft in einer Industriebranche sorgt der technische Fortschritt für Kostensenkungen.

Der niedrigere Ölpreis hat dafür gesorgt, dass führende Fracking-Unternehmen wie EOG Resources und Anadarko Petroleum effizienter werden. Mutige Anleger sollten daher die beiden erfolgreichen und profitablen Fracking-Spezialisten weiter im Auge behalten.

Aber auch Autofahrer können sich freuen: Durch die sinkenden Fracking-Kosten könnten die niedrigen Benzinpreise bald ein Dauerphänomen werden.


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Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands