Was passiert während einer Risikoneubewertung?

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Auch an der Börse kommen Fehleinschätzungen vor. Im Zuge einer Risikoneubewertung werden daraufhin Aktienpreise und Ratings korrigiert. (Foto: MR.LIGHTMAN1975 / Shutterstock.com)

Während eines sogenannten Haussemarkts, wenn ein nachhaltiger Anstieg der Wertpapierkurse stattfindet, kann die optimistische Börsenstimmung oftmals auch zu Fehleinschätzungen führen – in Bezug auf die Risiken verschiedener Investitionen.

Findet eine Marktkorrektur statt, wird vielen Investoren klar, dass sie teilweise zu einem viel höheren Risiko gehandelt haben als erwartet.

Da höhere Risiken auch potentiell höhere Erträge bedeuten, braucht der Markt einige Zeit, um eine Korrektur vorzunehmen.

In dieser Zeit werden relevante Investitionen an die erhöhten Risiken angepasst – eine Risikoneubewertung findet statt.

Dazu ein Beispiel: Mehrere Versicherungen verlagern ihr Hauptaugenmerk auf den Verkauf von Hausratsversicherungen für Naturkatastrophen.

Anhand ihrer Berechnungen gelten solche Katastrophen als sehr selten (wie beispielweise Orkane, Tornados und Erdbeben).

Innerhalb der ersten paar Jahre dieses Programms erweisen sich die Vorhersagen als korrekt, die Dividendenausschüttung ist minimal.

Infolgedessen steigen die Aktienkurse rapide an, sodass Rekordgewinne verzeichnet werden, und die Aktien erhalten sehr gute Bewertungen durch die Ratingagenturen.

Ein paar Jahre später ereignen sich Naturkatastrophen deutlich häufiger, und vorherrschende Studien, Berichte und Modelle prophezeien einen weiteren Anstieg mit verheerenden Auswirkungen.

Der Markt realisiert also, dass eine Investition in diese Versicherungen wesentlich risikoreicher ist als gedacht.

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Denn lediglich eine Naturkatastrophe kann theoretisch schon dafür sorgen, dass Versicherungsunternehmen keine Gewinne mehr verbuchen.

Somit erfolgt ein Umschwung des Marktes – vom Hausse- zum Baissemarkt – bezüglich der Aktienanteile dieser Versicherungen.

Gleichzeitig haben alle neu emittierten Anleihen der Unternehmen schlechte Bewertungen, und höhere Zinskupons müssen bezahlt werden.

Denn die Investoren sehen es mittlerweile als wahrscheinlicher an, dass das Unternehmen die Erwartungen nicht erfüllen kann und zahlungsbedingt in Verzug gerät.

Solch eine Marktkorrektur erfolgte auch 2007 in Folge der US-Immobilienkrise (Subprime-Krise), als die Risiken der hypothekarisch gesicherten Wertpapiere (engl. „mortgage-backed securities“ bzw. MBS) bekannt wurden.

Sie waren zuvor mit „BBB“ bewertet worden.

Infolgedessen verlangten viele Investoren höhere Erträge auf alle Anleihen, die an die Subprime-Hypotheken gekoppelt waren.

Außerdem sanken die Aktienkurse der Unternehmen, die diese Anleihen emittierten, erheblich, denn das finanzielle Risiko rechtfertigte den geschätzten Wert nicht mehr.

Da die finanzielle Performance stark angezweifelt wurde und viele Investoren sich für einen Verkauf ihrer Anteile entschieden, wurden die Aktienpreise durch den Markt nach unten korrigiert.


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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.