Was Sie aus der BrExit-Rede von Frau May mitnehmen sollten

Wie ist es Ihnen Mitte Januar 2017 ergangen? Haben Sie zu den Investoren gezählt, die mit Spannung die Rede der […] (Foto: Zoltan Gabor / Shutterstock.com)

Wie ist es Ihnen Mitte Januar 2017 ergangen?

Haben Sie zu den Investoren gezählt, die mit Spannung die Rede der britischen Premierministerin Theresa May zum BrExit und die Reaktion des Aktienmarktes erwartet haben?

Ich werde Ihnen in wenigen Minuten sowohl meine Ansicht dazu weitergeben als auch eine Empfehlung, wie Sie damit umgehen sollten.

Worum geht es?

Was Frau May in ihrer Grundsatzrede der Welt mitzuteilen hatte, war nicht gerade erbaulich:

Ihre Regierung strebt einen harten, eindeutigen und schnellen (bis 2019) Austritt aus der Europäischen Union (EU) an.

Der wohl wichtigste Grund für das Bekenntnis zum BrExit im Juni 2016 war das „Gefühl“ unter den Abstimmenden, dass Menschen aus der EU den Briten die eigenen Arbeitsplätze „wegnehmen“.

Genau das ist auch der rote Faden, der sich nun durch die Austritts-Pläne Großbritanniens zieht.

So brachte Theresa May klar zum Ausdruck, dass ihr Land künftig die Einwanderung aus der EU selbst kontrollieren möchte.

Um das zu erreichen, ist die „Insel“ sogar bereit, ihre Mitgliedschaft im EU-Binnenmarkt aufzugeben.

Was ist eigentlich der EU Binnenmarkt?

Doch was verbirgt sich hinter dem Begriff „EU Binnenmarkt“ eigentlich genau?

Der EU Binnenmarkt umfasst zunächst einmal die (noch) 28 Mitgliedstaaten der Europäischen Union und richtet sich an 4 Grundsätzen aus:

  • Freier Waren-Austausch: Unbeschränkter Handel zwischen den Mitgliedss-Staaten, der zudem frei von Import- oder Export-Zöllen ist.
  • Personen-Freizügigkeit: Innerhalb der Gemeinschaft kann jeder frei seinen Arbeitsplatz wählen oder sich mit einem Unternehmen niederlassen.
  • Dienstleistungs-Freiheit: Jedes in einem Mitgliedsstaat ansässige Unternehmen kann seine Dienstleistungen in jedem anderen Mitgliedsstaat anbieten.
  • Freier Kapital- und Zahlungsverkehr: Dies gewährt den Transfer von Geldern und Wertpapieren in beliebigem Volumen – sowohl zwischen den Mitgliedstaaten als auch zwischen Mitglieds- und Drittstaaten.

Die Briten geben mehr auf als die EU

Das alles ist Großbritannien bereit aufzugeben.

Die Crux ist indes – und damit kommen wir zu meiner Sicht der Dinge: Schaden wird dies vornehmlich den Briten selbst.

Denn an der Alternative eines Freihandels-Abkommens hängt ein riesiger Rattenschwanz an Punkten, auf die sich Großbritannien mit der EU einigen muss.

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Und das wird keineswegs so schnell umzusetzen sein, wie sich Frau May das erhofft – vielleicht sogar erwartet, v. a. jedoch ihren Mitbürgern weiszumachen versucht.

Immer wieder das gleiche Spiel

Das alles war allerdings auch schon im Vorfeld der May-Rede absehbar – die britische Premierministerin hat den Eindruck letztlich nur bestätigt.

Und die Reaktion im DAX 30 war wieder einmal typisch für diese Art „politischer“ Ereignisse:

Vor der Rede knickte der DAX 30 von 11.554 auf 11.425 Punkte ein. Doch Frau May hatte ihre Ansprache noch nicht beendet, da erholte sich der deutsche Leitindex auch schon wieder.

Bei Handelsschluss notierte der DAX dann bei 11.540, also gerade einmal 15 Zähler unter dem Vortages-Schluss.

Es klingt zwar wie eine abgedroschene Phrase, aber sie erwies sich einmal mehr als zutreffend: „Politische Börsen haben kurze Beine!“

Das war in 2016 schon beim BrExit-Votum und auch bei der Trump-Wahl zum neuen US-Präsidenten nicht anders.

Fazit & Empfehlung

Meine Empfehlung an Sie ist die Gleiche: Ignorieren Sie diese immer wiederkehrenden „Termine der Wahrheit“!

Als Investor ist für Sie nur eines von Bedeutung: In welche Richtung zeigt der Trend am Aktienmarkt?

An dieser Stelle habe ich Ihnen in den vergangenen Wochen immer wieder aufgezeigt, dass sich sowohl die Wall Street als auch der DAX in einem klaren und intakten Aufwärtstrend befinden.

Daran ändern auch kurzfristige Rücksetzer wie der vom 17. Januar 2017 rein gar nichts!

Im Gegenteil: Wenn Sie wissen, dass der Aktienmarkt-Trend grundsätzlich nach oben weist, dann besteht für Sie absolut kein Grund nervös zu werden.

Und noch etwas: Tatsächlich bilden derartige Rücksetzer für Sie sogar eine günstige Gelegenheit, noch nachträglich einzusteigen, falls Sie noch nicht investiert sind.

Solange der DAX im Rahmen seiner Aufwärts-Bewegung immer wieder neue Hochs erreicht, wird der zugrundeliegende Aufwärtstrend bestätigt.

DAS ist die einzige für Sie bedeutsame Wahrheit  ganz gleich, was Theresa May oder andere Politiker Ihnen zu vermitteln versuchen!


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Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.