Was Sie über Umsätze unbedingt wissen sollten! (Teil 1)

„Hand aufs Herz“: Schauen Sie vor dem Kauf einer Aktie, während des Haltens und vor dem Verkauf auf die Umsätze, […]

„Hand aufs Herz“: Schauen Sie vor dem Kauf einer Aktie, während des Haltens und vor dem Verkauf auf die Umsätze, also auf die pro Börsentag gehandelten Anteile?

Meine Erfahrung in mehr als 37 Jahren Börsen-Praxis ist:

Die wenigsten Privat-Anleger nutzen die essentiellen Informationen, die ihnen die Umsatzdaten sozusagen GRATIS feilbieten.

Ich gehe noch einen Schritt weiter:

Als Aktien-Investor die Umsatzdaten Ihrer Depotwerte zu vernachlässigen ist so, als wenn Sie ohne funktionierende Bremsen Auto fahren!

Ich möchte Ihnen einmal 2 grundlegende Erkenntnisse näherbringen, die Sie aus den Umsatzdaten von Aktien ziehen können und sollten.

Umsatz: Wichtige Unterschiede beim Handel

Beginnen wir mit der nachfolgenden Grafik: Sie sehen hier 2 Aktien, zwischen denen „Welten“ liegen!

Die Auswahl ist willkürlich erfolgt und dient ausschließlich dazu, Unterschiede zwischen beiden Titeln herauszuarbeiten.

umsatzvergleich gk software-bayer_30-05-2017

Umsatz-Vergleich GK Software / Bayer

Hier die wichtigsten Unterschiede:

  • Die orangefarbenen Pfeile zeigen Ihnen: Der Marktkapitalisierung von GK Software in Höhe von 177,66 Mio. € steht eine Marktkapitalisierung von 96,51 Mrd. € bei Bayer gegenüber. Für die Marktkapitalisierung wird die Zahl der ausgegebenen Aktien mit dem aktuellen Kurs multipliziert.
  • Die blaue Linie in den Umsätzen zeigt Ihnen den Durchschnitt der börsentäglich gehandelten Aktien an den letzten 50 Handelstagen. Bei GK Software sind das derzeit 174 Stück, die im Mittel täglich den Besitzer wechseln: Beim aktuellen Kurs von 94,00 € entspricht das einem TÄGLICHEN Handels-Volumen von gerade einmal 16.356 € (174 x 94,00) (alle Daten Stand: Mai 2017).

Bei Bayer werden börsentäglich im Schnitt 1,9 Mio. Aktien umgesetzt. Das entspricht beim aktuellen Kurs von 116,70 € einem Handels-Volumen von 221,73 Mio. € pro Handelstag!

  • Bei GK Software gibt es immer wieder Handelstage, an denen keine einzige Aktie den Besitzer wechseln mag, sprich: Es findet einfach kein Handel statt. So etwas werden Sie bei Bayer NIE erleben.
  • GK Software konnte 5 Handelstagen +26,2% zulegen. „Super“ sagen Sie? – Das sehe ich anders: Dieser Anstieg wurde erreicht, indem an 4 Handelstagen insgesamt NUR 1.152 Aktien neue Besitzer fanden. Dazu benötigte es also nur ein Handels-Volumen von rund 101.800 €!

Die Kehrseite ist: Es reichen schon geringste Umsätze, um den GK Software-Kurs unter Druck zu setzen.

Im Februar 2017 führte ein Handels-Volumen von insgesamt 13.400 € (208 gehandelte Aktien) an 2 Tagen zu einem „Kurs-Einbruch“ um -7,5%!

Zum Vergleich: Bei Bayer mussten an 2 Tagen 8,52 Mio. Anteile die Besitzer wechseln, um einen Anstieg von +5,6% zu erzielen.

Fazit und Empfehlung

Die 1. wichtige Information bzw. Frage, die Ihnen die Umsätze liefern können, lautet: Sollten Sie diese Aktie überhaupt kaufen?

Aktien mit nur geringen Umsätzen können Ihnen zwar spektakuläre Kursgewinne bescheren. Doch die Risiken überwiegen und liegen auf der Hand:

  • Schon mit kleinen Beträgen hebeln Sie selbst den Kurs nach oben und kaufen dadurch oft wesentlich teurer ein als geplant.
  • Kaum ein Anleger macht sich beim Kauf Gedanken darüber, ob der spätere Verkauf auch gewährleistet ist und ob das zu einem „vernünftigen“ Preis möglich sein wird.

Das Beispiel GK Software zeigt:

Es kann Ihnen als GK Software-Aktionär passieren, dass Sie ihre Anteile schlichtweg nicht loswerden, weil die Aktie an vielen Tagen gar nicht gehandelt wird.

Wenn Sie dann die Anteile wieder loswerden möchten, kann es Ihnen passieren, dass Ihr eigener Verkauf ein kleines Kursbeben auslöst und Ihr Gewinn deutlich niedriger ausfällt als gedacht.

Ich denke, ich brauche Ihnen nicht mehr auszumalen, was passiert, wenn Sie Ihren Verkauf ausgerechnet in einer „Crash“- oder „crash“ähnlichen Situation ausführen möchten…

Mein dringender Rat an Sie:

Lassen Sie die Finger von Aktien, die nur geringe Umsätze aufweisen! Das gilt umso mehr für Aktien, die an manchen oder vielen Tagen gar nicht gehandelt werden!

Die Risiken überragen die Chancen bei Weitem. Geringe Umsätze machen eine Aktie anfällig für Kurs-Manipulationen.

Und: Sie selbst beeinflussen mit hoher Wahrscheinlichkeit Ihr eigenes Handels-Ergebnis negativ, weil Sie teurer kaufen und ungünstiger verkaufen als geplant.

Mein weiterer Tipp:

Recherchieren Sie auf der Investor-Relations-Seite Ihres Kaufkandidaten dessen Marktkapitalisierung!

Diese sollte mind. 500 Mio. € erreichen: Je höher, desto besser – denn das erhöht die Wahrscheinlichkeit eines „liquiden“ Handels.

Im 2. Teil werde ich Ihnen eine andere wichtige Botschaft aufzeigen, die Ihnen die Umsätze einer Aktie senden.

Lassen Sie sich überraschen!

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Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.