Was Trump 2019 der Börse bietet

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Trump wird 2019 die Börsen auf Trab halten - diesmal eher mit Ausschlägen. Sein Pulver, wie die Steuerreform, hat er bereits verschossen. (Foto: Evan El-Amin / Shutterstock.com)

Seit seinem Amtsantritt haben die US-Börsen von Donald Trump profitiert. Die Aktien im Dow Jones, S&P 500 oder Nasdaq setzten ihren Aufwärtstrend, der schon nach der Finanzkrise 2009 begonnen hatte, fort. Und mit seiner Steuerreform befeuerte der Präsident den Auftrieb, bevor er nachlassen konnte. Das allerdings geschah dann gegen Ende letzten Jahres. Spätestens seit 2019 wird Trump kritischer betrachtet.

Wichtiges Pulver ist verschossen

Seine an etlichen Fronten eröffneten Handelsstreitigkeiten begannen im Herbst dicke Bremsspuren zu zeigen. Es folgte eine lange nicht mehr gesehene Achterbahnfahrt. Erstmals seit Jahren schloss der Dow Jones die Bilanz 2018 mit einem deutlichen Minus von 5,63 % ab. Zwar gehen nicht alle Gründe, etwa für den Absturz der Technologiewerte wie Apple oder Facebook, rein auf sein Konto, doch insgesamt spiegelt die aufgekommene Phase der Extreme den ebenfalls extremen Donald Trump. 2019 dürfte die Verunsicherung an den Märkten anhalten und für volatile Kurse sorgen.

Dieses Jahr wird den USA noch einmal ein Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 2,5 % zugetraut. Die Vorboten einer Abkühlung jedoch werden ihre Schatten vorauswerfen. Einerseits hätte dann die Zentralbank Fed etwas Spielraum, mit einer Zinssenkung den Aktienmarkt zu stabilisieren. Das wichtigste Pulver aber ist bis dahin verschossen: die Steuerreform. Die wurde zu einem Zeitpunkt gezündet, als es ohnehin schier unaufhaltsam bergauf ging.

Welche Trümpfe Trump 2019 und danach noch im Ärmel hat, mag sein Geheimnis sein. Aus seinem Wahlprogramm jedenfalls lässt sich höchstens die noch ausstehende große Infrastrukturoffensive ableiten. Anders als Steuersenkungen aber zahlt die sich nicht sofort aus. Selbst wenn einige Projekte bereits definiert sein sollten, so müssen allein schon Aufträge an Planungsbüros oder Bauunternehmen zunächst ausgeschrieben werden. Allenfalls würde das einschlägige Branchen beflügeln und die allgemeine konjunkturelle Stimmung stützen.

Verunsicherung löst Euphorie ab

Davon abgesehen stellt sich die Frage nach der Finanzierung. Unter Trump ist der Schuldenberg stärker angestiegen als zuvor und erreicht mittlerweile rund 21,4 Bio. US-Dollar. Seitdem aber die Demokraten im Repräsentantenhaus das Sagen haben, lassen sich Haushaltsmittel nicht mehr nach Belieben ausgeben.

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Wer nun Hoffnungen auf den seit über 100 Jahren wiederkehrenden Effekt setzt, dass die Börsen ab der zweiten Halbzeit einer Präsidentschaft zulegen, könnte erstmals enttäuscht werden. Anders als üblich sind die Wahlgeschenke weitgehend verteilt. Wenn mit dem Verlust der Kongressmehrheit innenpolitische Vorhaben wie der Bau einer Grenzmauer kaum noch durchsetzbar sind, wächst die Sorge, dass sich Trump 2019 vermehrt auf andere Felder konzentriert.

So ist es ein offenes Geheimnis, dass er versucht Zentralbank-Chef Jerome Powell loszuwerden, den er erst vor einem Jahr als Nachfolger für Janet Yellen berufen hat. Powell agiert ihm nun doch zu eigenständig, womit er auf die Abschussliste gerät. Der Präsident will sich nur noch mit hörigen Befehlsempfängern umgeben.

Die Märkte indes beobachten das Bestreben nach ungestörter Alleinherrschaft mit Sorge. Wenn nun erfahrene Personen fehlen, die Trump bislang vor unüberlegten Schritten bewahrt haben, so wächst die Verunsicherung. Fehlendes Vertrauen aber ist Gift für die Börsen. Nicht genug, dass schon die Haushaltssperre für eine lahm gelegte Börsenaufsicht und verschobene Börsengänge gesorgt hat.

2019 für Trump ein Schicksalsjahr

Bleibt die Überlegung, wie die Märkte auf eine Amtsenthebung reagieren würden. Mit der erneut aufkochenden Russland-Affäre wäre dies zumindest nicht mehr völlig ausgeschlossen. In dem Fall wären verschiedene Szenarien denkbar. Eine anhaltende Schlammschlacht mit anschließendem Machtvakuum wäre sicherlich Anlass für eine vorübergehende Hängepartie. Bei überraschend zügigem Verlauf mit einem qualifizierten Nachfolger indes könnte eine gewisse Erleichterung die Kurse tragen.

Ob Trumps Verhalten während der Wahlkampfzeit einem Hochverrat gleichkommt, wird sich im Sommer entscheiden, wenn die Berichte von Ermittler Mueller vorliegen. Indizien für Anstiftung zum Meineid und Zeugenbeeinflussung und Zahlen von Schweigegeldern gibt es bereits. Bis dahin ist zumindest mit einem anhaltend volatilen Kursverlauf zu rechnen.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.