Was tun bei einer Messie-Wohnung?

Wie reagiert der Hausverwalter richtig? Welche rechtlichen Möglichkeiten bestehen? In vier Artikeln geht es um die rechtliche Ausgangslage und die […] (Foto: Alexander Raths / Shutterstock.com)

Wie reagiert der Hausverwalter richtig?

Welche rechtlichen Möglichkeiten bestehen?

In vier Artikeln geht es um die rechtliche Ausgangslage und die Möglichkeiten, die Verwalter oder Eigentümer einer Wohnung haben.

Raus aus dem Messie-Chaos

In der Fernsehserie „Raus aus dem Messie-Chaos – rein ins Leben“ räumt die Moderatorin Nada Castrup vermüllte Wohnungen auf, diskutiert mit den Bewohnern die Ursachen, gibt Tipps und Anregungen und hat am Ende einer solchen Serie eine Wohnung zu völlig neuem Leben erweckt.

Nada Castrup sagt von sich, dass sie Innendekoration mit Leidenschaft betreibt. Und Fernsehsender Kabel Eins hat rund um die Sendung eine eigene Webseite aufgebaut, auf der nicht nur die Moderatorin vorgestellt wird, sondern auch Tipps rund um das Messie-Syndrom gegeben werden.

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Messie-Wohnungen als Medienereignis

Das Leben ist anders als im Fernsehen!

Wenn es im wirklichen Leben doch nur so einfach wäre. Doch Hausverwalter und Eigentümer sind ganz anderen Schwierigkeiten ausgesetzt, wenn sie auf eine Messiewohnung treffen.

Die Hitliste der Schwierigkeiten:

  1. Völlig verwahrloste Wohnung wird erst gar nicht bekannt. Per Zufall erfährt der Hausverwalter von dem Problem. Guter Rat ist jetzt teuer.
  2. Wenn die Verwahrlosung der Wohnung bekannt geworden ist, dann will der Mieter den Verwalter nicht in die Wohnung lassen.
  3. Gerüche, Ungeziefer und anderen Unannehmlichkeiten ziehen durch den Hausflur. Die Ursache ist zunächst nicht bekannt und lässt sich auch nur schwer zuordnen, weil die Bewohner dem Verwalter oder Vermieter das Zutrittsrecht zur Wohnung nicht gewähren.
  4. Vereinbarte Besichtigungs- oder Besprechungstermine werden vom Bewohner nicht eingehalten.
  5. Die Zustellung einer Abmahnung kann nicht erfolgen, weil der Mieter weder den Briefkasten leert noch die Tür öffnet, so dass ein „Einwurf-Einschreiben“ vorgenommen werden kann.
  6. Jegliche Kontaktaufnahme mit dem Mieter einer Wohnung scheitert, weil dieser nicht auffindbar ist. Aus der Wohnung dringen keine Geräusche. Die Nachbarn haben den Mieter über Wochen nicht gesehen. Der Hausmeister kann ebenfalls keine Bewegung in der Wohnung feststellen.
  7. In der Nachbarwohnung, die unter der Messiewohnung liegt, zeigen sich Wasserflecken an der Decke, die der dortige Mieter umgehend der Verwaltung meldet. Die Ursache ist unklar. Der eigenbrötlerische Nachbar, von dem die Mitmieter schon lange vermuten, dass dieser den Müll in der Wohnung hortet, will die Tür nicht öffnen.
  8. Der Mieter „vergisst“ den Termin mit dem Handwerker oder Verwalter. Alle stehen vor der verschlossenen Tür.
  9. Der Mieter ist länger abwesend und teilt dem Verwalter/Vermieter nicht mit, wer einen Zweitschlüssel für die Wohnung hat, damit in Notfällen ein Zugang zur Wohnung besteht.
  10. Ungezieferbefall, Wasserrohrbruch, akuter Schimmelbefall, starke Geruchsbelästigung auch außerhalb der Wohnung, so dass andere Mieter betroffen sind. Der Verwalter geht von Gefahr im Verzug aus. Der Mieter wehrt sich dagegen.

Morgen geht es um das Eigentumsrecht des Mieters und das Zutrittsrecht des Vermieters.


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Von: Sven Johns. Über den Autor

Sven R. Johns ist Rechtsanwalt und war 15 Jahre Bundesgeschäftsführer des Immobilienverband IVD (bis Mitte 2012). Seit fast 20 Jahren ist er zunächst als Rechtsanwalt und dann als Geschäftsführer im Immobiliengeschäft vertraut.