Was war der „Browser-Krieg“?

Haben Sie auch schon einmal etwas vom sogenannten „Browser-Krieg“ gehört und sich gefragt, was es damit auf sich hat? – Hier die Antwort: (Foto: Volodymyr Kyrylyuk / shutterstock.com)

Als Netscape am 10. August 1995 an die Börse ging, sorgte eine Entscheidung in der letzten Minute für einen deutlich höheren Ausgabepreis von 28$ pro Aktie.

Dieser Schritt wurde von den Experten als mutig angesehen, da sich das erwünschte Volumen von fünf Millionen Aktien auf nur einem Software-Produkt gründete.

Schnell wurde jedoch deutlich, dass Netscape noch deutlich mehr hätte verlangen können, als Aktienkurse bereits am ersten Tag die 70-Dollar-Maarke überstiegen.

Dies bedeutete einen Marktwert von fast zwei Milliarden Dollar – zu diesem Zeitpunkt war Netscape der größte Börsengang in der Geschichte der Wall Street gelungen.

Anfang der 90er Jahre war der Netscape Navigator das beliebteste Programm, um durch die Weiten des Internets zu browsen. So gut wie jeder Nutzer, der in die Onlinewelt einstieg, unternahm seine ersten Schritte mit Navigator.

Durch den riesigen Börsengang von Netscape wurde jedoch auch das Interesse des Software-Giganten Microsoft geweckt, der wenig später zum ersten Konkurrenten von Netscape wurde. Ein Gegner, der Netscape weit überlegen war.

Microsoft hatte durch das höchst erfolgreiche Betriebssystem Windows finanzielle Reserven angehäuft, die das Budget von Netscape weit überstiegen. Microsoft begann, ihren eigenen Browser – den Internet Explorer – in das eigene Betriebssystem einzubauen, und zwar gratis.

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Netscape hatte zu Beginn eine ähnliche Strategie verfolgt, indem sie ihren Browser auf ihrer Website gratis zur Verfügung stellten. 1995 hatte sich dies jedoch geändert – die Unternehmensführung war entschlossen, Geld für ihr Programm zu verlangen.

Stattdessen versuchte Netscape, dem neuen Konkurrenten durch den Einbau neuer Features entgegen zu treten. Diese wurden jedoch nach kurzer Zeit von Microsoft kopiert, worauf Netscape mit neuen Entwicklungen reagierte.

Ein Kreislauf setzte ein, der die Browser durch die vielen Funktionen nicht nur langsamer machte, sondern Hackern immer mehr Angriffsflächen bot. Außerdem spaltete dieser Browser-Krieg das Internet in zwei Teile, die sich nur in einem der Browser optimal darstellen ließen.

Am Ende gewann Microsoft diesen Krieg. Jeder Nutzer benötigte ein Betriebssystem und ein Großteil entschied sich für Windows, das sich zum Standardsystem entwickelte. Den Nutzern blieb die Wahl, ob sie den fehlerhaften Internet Explorer kostenlos nutzen oder Geld für den Navigator ausgeben wollten.

Da sich letzterer ebenfalls deutlich verschlechtert hatte, war die Entscheidung in den meisten Fällen klar: der Internet Explorer war der klare Sieger.

Netscape wurde 1998 an AOL verkauft und löste sich langsam auf. Auch wenn der Netscape Navigator längst eingestellt ist, führt der Quasi-Nachfolger Mozilla Firefox gemeinsam mit Google Chrome und Opera den Browser-Krieg weiter. Diesmal sind alle Programme jedoch kostenlos erhältlich.


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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.