Wasser-Aktien: Riesiges Zukunftspotenzial bisher wenig ausgeschöpft

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Wasser-Aktien gelten als Zukunftsthema, doch sie zeigen teils erhebliche Schwächen. Fonds sind hier bisher die bessere Alternative. (Foto: Singkham / shutterstock.com)

Enormes Zukunftspotenzial mit Produkten und Dienstleistungen, die unvermeidlich sind und immer mehr nachgefragt werden ­– zu diesen Anlagethemen gehört neben Gesundheit, alternde Gesellschaften oder Infrastruktur auch Wasser.

Kampf ums kostbare Nass

Wie wichtig Wasser ist, zeigt sich allein schon an der Grenzziehung zwischen Ländern. Oft genug sind sie das Ergebnis vorausgegangener Streitigkeiten, bei denen es darum geht, Zuflüsse und den Zugang zu Wasserreserven zu sichern. Nicht nur im Nahen Osten. Auch im Himalaya sind Flussläufe ein Zankapfel. Indien befürchtet, dass China mit Staudämmen vor der Grenze Wasserzuflüsse blockieren und sie im Kriegsfall als Druckmittel einsetzen kann.

Mit der globalen Erwärmung und Trockenheit wird das Thema Wasserversorgung überall dringlicher, zumal die Erdbevölkerung zunimmt, während die Süßwasservorräte begrenzt sind. Hinzu kommt die in weiten Teilen der Welt marode oder nicht vorhandene Infrastruktur in Bezug auf Wasseraufbereitung, -versorgung aber auch -entsorgung. Selbst in den Industrieländern sind die Rohrsysteme teilweise so veraltet und porös, dass Unmengen von Trinkwasser verschwinden.

Wasser-Aktien haben grundsätzlich viel Potenzial

Im Kampf um das kostbare Nass scheinen sich Wasser-Aktien geradezu anzubieten, sozusagen als zuverlässige Quelle für sprudelnde Gewinne. Hierbei lohnt ein Blick auf den von Standard&Poor’s aufgelegten Global Water-Index, der Wasser-Aktien internationaler Unternehmen der Branche beinhaltet. Über zehn Jahre verzeichnet er ein Plus von über 50 %. Allein seit Ende 2016 legte er um fast ein Drittel zu, gab dann aber Anfang des Jahres im Sog der Aktienmärkte wieder nach.

Schaut man sich die globale Entwicklung mit zunehmender Wasserknappheit und dem enormen Bedarf an Investitionen in die Infrastruktur von geschätzten zwei Bio. US-$ an, könnten Wasser-Aktien der Entwicklung an den Börsen künftig davonlaufen. Soweit allerdings hält sich ihre Performance noch in Grenzen.

Beispiele für Wasser-Aktien: uneinheitliche Entwicklung

Eine der besten Wasser-Aktien bisher ist Xylem. Der US-Anbieter in Sachen Wasser- und Abwassertechnologie ist zudem mit Filtern, Reglern oder Steuerungs- und Filtertechnik weltweit aktiv und bescherte Anlegern auf fünf Jahre einen Wertzuwachs von 186 %. Nur der TecDax kann hier mithalten. Dabei zeigt der Kursverlauf von Xylem kontinuierlich nach oben.

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Etwas volatiler sieht es beim weltgrößten Versorger Veolia aus Frankreich aus. Das Papier brachte im selben Zeitraum lediglich 85 % – der MDax zum Vergleich über 92 %. Die internationale Nummer zwei Suez Environnement, ebenfalls aus Frankreich, schaffte sogar nur 14,48 % und steht seit einem Jahr unter Druck. Deutlich besser lief es mit 91 % Plus beim Schweizer Unternehmen Gerberit, das mit Sanitäranlagen global vertreten ist.

Unter den drei deutschen Vertretern brachte einzig Gelsenwasser ein Plus, von fast 60 % über fünf Jahre. Der Pumpen- und Armaturenspezialist KSB indes sorgte für einen Verlust von 10,7 %. Über 90 % verloren Aktionäre von Hydrotec, das in der Wasseraufbereitung tätig ist. Das Unternehmen musste im März Konkurs anmelden.

Insgesamt sind Wasser-Aktien höchst unterschiedlich. Viele Unternehmen sind klein und zeigen an der Börse erheblich Kursschwankungen, da sie nicht sonderlich liquide sind. Zudem ist bei etlichen Unternehmen Wasser nur ein Teil der Geschäftstätigkeit, während sie ansonsten Brunnen oder Staudämme bauen. Damit sind sie eher klassische Industriekonzerne. Gelsenwasser etwa ist nur zur Hälfte mit Wasser im engeren Sinne beschäftigt.

Mit Fonds besser bedient

Die meisten großen und „echten“ Wasserunternehmen kommen aus den USA. Für Interessierte ist sinnvoller, in einen entsprechenden ETF oder aktiven Fonds wie Pictet Water oder KBC Eco Fund Water zu investieren. Beide brachten die letzten fünf Jahre über 50 %. Bei ETFs wären der iShares Global Water oder World Water von Lyxor zu nennen. Sie sind als passive Indexfonds erheblich billiger und bringen mindestens genauso viel. Lyxor kam gar auf 64 % Plus.

Was Anleger noch wissen sollten: So wie etliche Unternehmen in den einschlägigen Indizes nur zum Teil im Bereich Wasser aktiv sind, fehlen umgekehrt einige, die für erhebliche Fortschritte in der Versorgung mit Trinkwasser sorgen. Beispielsweise der koreanische Konzern LG Chem, dessen neuer Geschäftsbereich sich auf Membrane für die Umkehrosmose konzentriert. Der Prozess, bei dem Meerwasser in Trinkwasser umgewandelt oder Abwasser gereinigt wird, gewinnt immer mehr an Bedeutung.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.