Werbeblocker: Einfluss von Adblock Plus wächst – und Google reagiert

Werbeblocker wie Adblock Plus werden immer beliebter. Vor allem in Deutschland fühlen sich mehr als 70 % der Nutzer von störenden Anzeigen im Internet genervt und greifen verstärkt zu Werbeblockern, die Anzeigen im Webbrowser blockieren. In Deutschland setzt inzwischen fast jeder Dritte einen Werbeblocker (Quelle: Statista) ein.

Als Marktführer hat sich dabei der Adblock Plus Werbeblocker der Firma Eyeo GmbH mit einem Marktanteil von über 50 % an die Spitze gesetzt. Inzwischen wurde Adblock Plus mehr als eine halbe Milliarde Mal weltweit heruntergeladen, die Browser-Erweiterung zählt inzwischen mehr als 100 Millionen aktive Nutzer, so Eyeo-Mitgründer Till Faida. Entsprechend  groß ist der Einfluss der Software auf die Werbeindustrie.

Adblock Plus auf dem Vormarsch – so reagieren Unternehmen

Unternehmen kämpfen naturgemäß gegen die zunehmende Verbreitung dieser Werbeblocker, drohen der Werbeindustrie und insbesondere Medienfirmen und Verlage dadurch empfindliche Einnahmeeinbußen.

Große Internet-Portale, wie zum Beispiel die Seiten von Bild und vom Handelsblatt, filtern daher Besucher mit aktivierten Adblocker und zeigen betreffenden Nutzern keine Inhalte mehr. Auch US-Angebote wie das Wirtschaftsmagazin Forbes schlagen den gleichen Weg ein.

Daneben versuchen Unternehmen wie Google und 1&1 Schlupflöcher zu nutzen, um Werbung doch noch zum Endkunden zu bringen. So bietet der Adblock-Plus-Entwickler Eyeo zum Beispiel ein Whitelist-Modell an, was Unternehmen erlaubt, sich gegen Gebühr  registrieren zu lassen, um auf die „weiße Liste“ zu kommen. Unaufdringliche Werbung von Unternehmen, die auf der „weißen Liste“ landen, werden trotz aktivierten Adblocker angezeigt.

Daneben bietet Eyeo inzwischen mit „Acceptable Ads Platform“ einen Online-Marktplatz an, über den Verlage Werbeplätze kaufen können. Andere Unternehmen wie ProSiebenSat.1 und die RTL-Tochter IP Deutschland wollen durch Klagen gegen Adblock Plus und Eyeo das Geschäftsmodell zu Fall bringen – doch bislang ohne Erfolg.

Abo-Modell gegen die Werbeflaute

Doch nicht nur die zunehmende Verbreitung von Werbeblockern macht Unternehmen zu schaffen. Seit einigen Jahren fallen zum Teil auch die Werbepreise, was eine zusätzliche Herausforderung für Verlage und Portal-Betreiber darstellt, ihre Angebote zu finanzieren.

Daher wenden sich viele Verlage und Internet-Unternehmen wie zum Beispiel YouTube einem Abo-Modell zu. Dies bedeutet: Gegen eine monatliche Gebühr können Nutzer das Inhaltsangebot werbefrei nutzen.

Der Einfluss von Adblock Plus & Co steigt, die Branche reagiert

Der Einfluss von Adblock Plus und anderer Werbeblocker auf Wirtschaft und Unternehmen ist in den letzten Jahren weiter gestiegen. Große Internetkonzerne wie zum Beispiel Google, die mehr als 96 % ihrer Einnahmen mit Internetwerbung erwirtschaften, sehen dadurch ihre Geschäftsgrundlage bedroht und reagieren

So will Google nicht nur in 2018 einen eigenen Adblocker in seinen Chrome Webbrowser integrieren, um damit mehr Kontrolle über Werbeformate auszuüben, sondern ist auch der „Coalition for Better Ads“ beigetreten.

Diese Koalition will sich für bessere Standards in der Werbeindustrie einsetzen, wodurch störende Anzeigenformate wie Pop-up-Werbung, automatisch startende Werbevideos, ganzseitige Werbeformate und andere Banner, die mehr als 30 % des Bildschirminhalts verdecken, künftig der Vergangenheit angehören sollen.

Die Zeit drängt, denn per Ende 2016 waren Werbeblocker bereits auf über 600 Millionen Geräten installiert, 62 % dieser Adblocker laufen bereits auf mobilen Endgeräten (Smartphones, Tablets etc.), so der 2017 Adblock Report.

Große Internetunternehmen wie Google tun also gut daran, sich auf die Bedürfnisse der Nutzer einzustellen, denn zum einen sind Internetgiganten wie Google und Facebook nach wie vor stark vom Online-Werbegeschäft abhängig, zum anderen stecken Bezahlschranken noch in der Experimentierphase und werden bislang (noch) nicht von der breiten Masse der Bevölkerung angenommen.

Als Konzept mit Zukunft gilt daher das sogenannte „Metered Model“, wodurch eine bestimmte Anzahl der Inhalte auf den Seiten kostenlos einsehbar bleibt – will der Nutzer mehr lesen, wird eine Gebühr fällig.

Fazit: Das Metered Model dürfte zunächst Verlage und Medienfirmen helfen, doch auch Google könnte am Ende profitieren, denn schließlich lebt der Suchmaschinengigant vom wachsenden Inhaltsangebot im Netz. Google-Anleger droht zunächst kein abruptes Ende des Wachstumskurses, zumindest solange die Klickraten auf Werbeanzeigen schneller wachsen als die Werbepreise fallen.

9. November 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands

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