Wertpapiere – Erklärung und Definition

Wertpapiere sind Urkunden, welche ein Recht verbriefen – eine Erklärung und Abgrenzung des Begriffs. (Foto: MR.LIGHTMAN1975 / Shutterstock.com)

Der Ausdruck Wertpapiere wird von vielen Anlegern häufig verwendet.

Dabei findet diese Bezeichnung in den unterschiedlichsten Zusammenhängen Anwendung – beispielsweise bei Aktien und Anleihen, aber auch bei Sparbüchern und Schecks.

Im Alltag ist somit sehr häufig die Rede von Wertpapieren. Eine Erklärung und Definition zeigt jedoch, was sich wirklich hinter dem Begriff verbirgt.

Wertpapiere – verbrieftes Recht

Ein Wertpapier ist laut Definition eine Urkunde, die ein klar formuliertes Recht verbrieft.

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Dieses Recht kann nur dann geltend gemacht werden, wenn diese Urkunde dem Schuldner vorgelegt wird und damit den Anspruch an der Sache beweist.

Diese Definition ist in der modernen Welt leicht veraltet, da in vielen Bereichen mittlerweile keine ausgestellte Urkunde mehr nötig ist und das Recht auf andere Weise – häufig digitalisiert – geführt wird.

Dementsprechend sagt in Deutschland das Wertpapierhandelsgesetz (WpHG) aus, dass auch bestimmte Wertpapiere ohne das Ausstellen einer Urkunde als Wertpapiere im Sinne des Gesetzes gelten.

Dies betrifft nach § 2 WpHG „alle Gattungen von übertragbaren Wertpapieren mit Ausnahme von Zahlungsinstrumenten, die ihrer Art nach auf den Finanzmärkten handelbar sind“.

Hierunter fallen unter anderem Aktien und Schuldtitel wie Genussscheine und Inhaberschuldverschreibungen.

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Die verschiedenen Arten von Wertpapieren

Die Rechte, welche in Wertpapieren verbrieft werden können, lassen sich in mehrere Kategorien einteilen.

Die sogenannten Forderungsrechte finden sich beispielsweise bei Anleihen oder Sparbüchern. Von Beteiligungsrechten ist häufig bei Vermögens- oder Stimmrechten wie Aktien die Rede.

Unter sachenrechtliche Wertpapiere fallen hingegen Schuldbriefe wie Hypothekenbrief oder Grundschuldbrief.

Jedoch sei darauf hingewiesen, dass eine klare Einteilung in Kategorien auf unterschiedliche Arten erfolgen kann.

So wird vielfach nicht nur nach der Art des verbrieften Rechts unterschieden, sondern zum Beispiel auch nach Art der rechtlichen Übertragbarkeit (Inhaberpapiere, Namenspapiere).

Auch nach der wirtschaftlichen Funktion oder nach dem Ertrag aus den Wertpapieren kann man unterscheiden. Somit können die verschiedenen Wertpapiere je nach Art der Einteilung zu verschiedenen Kategorien gezählt werden.

Wertpapiere: Definition nach Bezeichnung des Berechtigten

Wie oben erwähnt, müssen Wertpapiere nicht auf eine bestimmte Person ausgeschrieben sein. Wenn nur ganz allgemein das Recht eines beliebigen Inhabers verbrieft ist, spricht man in Fachkreisen von “Inhaberpapieren”.

Sind zum Beispiel Aktien doch nur auf einen bestimmten Besitzer festgelegt, werden sie “Namenspapiere” genannt.

Eine Sonderform davon ist das sogenannte „Namenspapier mit Inhaberklausel“. So etwas ist zum Beispiel Ihr Sparbuch.

Es trägt zwar den Namen eines Gläubigers, kann jedoch auch Leistungen an andere Inhaber bewirken.

Es ist klar, dass das Veräußern von Wertpapieren, die Namenspapiere sind, schwieriger als das Verkaufen und Weiterverkaufen von Inhaberpapieren ist. Für den Handel mit Wertpapieren sind daher vor allem Inhaberpapiere geeignet.

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Diese Wertpapiere gehören demjenigen, der sie gerade in Händen hält, und können daher leicht ausgetauscht werden. Diese Art von Wertpapieren bezeichnet man als “vertretbar” oder “fungibel”.

Können diese fungiblen Wertpapiere obendrein auch noch an der Börse gehandelt werden, nennt man sie “Effekten”. Das ist der Grund, warum die Wertpapierhandelsbörse auch Effektenbörse genannt wird.

In der Praxis wird aus Kostengründen auf eine sogenannte „effektive Lieferung“ der Wertpapiere verzichtet. Grundsätzlich könnten Sie als Käufer sich die Übergabe des entsprechenden Wertpapiers verlangen. In der Praxis macht aber kaum jemand davon Gebrauch.

Somit werden Ihre Wertpapiere „virtuell“ von Ihrer jeweiligen Depotbank verwahrt. Vermögensrechtlich haben Sie dadurch keinen Nachtteil. Dafür sparen Sie Kosten und können im Fall des Falles viel schneller verkaufen, als wenn Sie ein „effektives Stück“ bei einer Bank zum Verkauf einliefern würden.

Dies sind keine Wertpapiere

Die Definition des Begriffs Wertpapier bedarf einer Erklärung hinsichtlich der Abgrenzung zu anderen Papieren, welche vielfach irrtümlich zu den Wertpapieren gezählt werden.

Banknoten zählen zum Beispiel meist nicht als Wertpapier, seit sie nicht mehr – wie früher häufig üblich – goldgedeckt sind.

Mit einer Golddeckung war gewährleistet, dass eine Banknote jederzeit in eine bestimmte Menge Gold getauscht werden konnte; dies ist heute in der Regel nicht mehr der Fall.

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Schuldscheine oder Quittungen beweisen zwar ein Recht, jedoch besteht das Recht auch ohne den Besitz dieser Papiere, so dass sie keine Wertpapiere sind. Das Recht kann auch auf andere Weise als den Besitz des Papiers durchgesetzt werden.

Man sieht also, dass eine klare Definition und Erklärung des Wertpapier-Begriffs nicht leicht ist. Er beinhaltet mehr, als der tägliche Sprachgebrauch vermuten lässt, schließt aber auch viele wertpapierähnliche Papiere aus.


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Von: Sebastian Grünewald. Über den Autor

Sebastian Grünewald ist freier Autor und Redakteur mit mehrjähriger Erfahrung. Er vermittelt einer breiten Leserschaft ökonomische Zusammenhänge und Themenfelder wie private Vorsorge und Geldanlage mit einfachen Worten.