Wertpapierverkauf: Abgeltungsteuer zu Unrecht einbehalten – was tun?

Abgeltungssteuer Symbolbild Büro_shutterstock_659380306_88studio

Wertpapier verkauft, Abgeltungsteuer einbehalten! Und das, obwohl sie es schon vor dem Stichtag gekauft hatten. Was tun? (Foto: 88studio)

Die Abgeltungsteuer und viele andere Steuerarten sind für viele Bürger ausgesprochen ärgerlich.

Der Fall: Zieht die Bank widerrechtlich Abgeltungssteuern ein?

Aufgeregt rief mich zu Wochenbeginn eine Leserin an. Sie habe gerade ein Discount-Zertifikat verkauft, gab Sie an – ein für sich noch unproblematischer Vorgang. 

Seit Februar 2007 sei es im Depot und hätte ihr während der Haltedauer eigentlich rund 25 % Gewinn bescheren sollen. Statt des Kurswertes von 5.020 Euro habe sie aber nur 4.734 Euro bekommen – also 286 Euro weniger.

Ob denn die Banken nicht von allein auf die Idee kämen, Wertpapiere, deren Kauf schon länger zurückliege, von der Abgeltungsteuer zu verschonen?

Ich konnte sie beruhigen: In den meisten Fällen handeln die Banken korrekt und der volle Kurswert wird gutgeschrieben.

Abgeltungssteuer: Beachten Sie die angegebenen Fristen

Zum Hintergrund: Abgeltungsteuer auf Kursgewinne fällt nur bei Wertpapieren an, die Sie nach dem 31. Dezember 2008 gekauft haben. Was vorher in Ihrem Depot lag, dürfen Sie trotz Gewinnen steuerfrei verkaufen.

Bei Zertifikaten ist der Stichtag früher, nämlich am 14. März 2008. Nur Zertifikate, die Sie bis zu diesem Tag gekauft haben, können Sie später steuerfrei verkaufen.

Denn an diesem Tag wurden die Pläne der Regierung zur Einführung einer Abgeltungsteuer bekannt und die Banken begannen, die wildesten Steuervermeidungs-Zertifikate zu konstruieren.

Bei Wertpapieren, die vor diesen Stichtagen in Ihrem Depot lagen, sind die Kursgewinne nach wie vor steuerfrei.

Die Banken halten daher den Kaufzeitpunkt fest, um gegebenenfalls auf den Abzug der Abgeltungsteuer zu verzichten.

Automatismus: Die Abgeltungssteuer wird von Bank abgezogen

Wer allerdings eine Verkaufsorder aufgibt, wird nicht selten eine Überraschung erleben:

Zunächst wird nämlich der Abgeltungsteuerbetrag automatisch vom Verkaufserlös des Wertpapiers abgezogen.

Das geschieht, damit die Bank bei einer eventuellen Abgeltungsteuerpflicht den Steuerbetrag auf jeden Fall fürs Finanzamt parat hat. Sie reserviert ihn sozusagen vorsorglich für den Fiskus.

Abgeltungssteuer_shutterstock_367819988_TunedIn by Westend61

Abgeltungssteuer umgehen: So sparen Sie bei DepotübertragungenAuch Depotübertragungen sind rechtlich Veräußerungen und abgeltungsteuerpflichtig. Mit einer Schenkung kann man Freibeträge nutzen. › mehr lesen

Abgeltungssteuer: Prüfen Sie genau welcher Fall vorliegt

Erst danach prüft sie, ob wirklich eine Abgeltungsteuerpflicht besteht. Falls ja, wird der Betrag einbehalten und an den Fiskus abgeführt.

Falls aber, wie im oben geschilderten Fall, keine Abgeltungsteuer anfällt, wird auch der ursprünglich reservierte Betrag auf dem Verrechnungskonto des Kontoinhabers gutgeschrieben.

Status „Preconfirmed“ zu Status „Confirmed“: Warten lohnt sich

Mein Tipp: Warten Sie ab, bis die Order vom Status „Preconfirmed“ zum Status „Confirmed“ gewechselt hat.

Erst dann finden Sie in Ihrem Orderbuch die korrekten Daten zur Ausführung des Wertpapierverkaufs. Ein fehlerhafter Steuerabzug wird sich darin in aller Regel nicht mehr finden.

Nur, falls dies doch der Fall sein sollte, müssen Sie Kontakt zu Ihrem Broker aufnehmen und den Fehler berichtigen lassen.


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Dr. Erhard Liemen
Von: Dr. Erhard Liemen. Über den Autor

Dr. Erhard Liemen ist Chefredakteur verschiedener, international renommierter Informationsdienste. Seit 1996 betreut er den angesehenen und erfolgreichen Dienst "Der Deutsche Wirtschaftsbrief".