Wie Anleger von Firmenabspaltungen profitieren

Die letzte große Welle von Firmenabspaltungen bei Aktiengesellschaften fand zwischen 2004 und 2007 statt. Damals boomten die Börsen und die Konzerne versprachen sich viel frisches Kapital von den Spin-Offs, wie die Ausgliederungen auf Englisch genannt werden. Infineon trennte sich Qimondo, Metro spaltete Praktiker ab und Bayer stellte Lanxess auf die eigenen Beine.

Firmenabspaltungen – in Aufschwung-Phasen besonders beliebt

Dabei verdienen nicht nur spekulativ orientierte Großinvestoren daran, sondern auch private Kleinanleger können an besagten Umstrukturierungen partizipieren. Nun scheint es wieder soweit zu sein. Wenn man internationalen Finanzexperten glauben darf, setzt die Weltwirtschaft derzeit zu einem neuen Höhenflug an.

Und das wäre genau der richtige Zeitpunkt für eine neue Welle der Ausgliederungen von Geschäftsfeldern. Denn in solchen Phasen sind Unternehmen in der Lage, sich von dem eigenen Kerngeschäft entsprechenden Geschäftsbereichen zu trennen und dabei noch ordentlich Kasse zu machen.

Firmenabspaltungen: Beispiele für mehr oder weniger gelungene Spin-Offs

Von Zeit zu Zeit werfen Aktiengesellschaften für das Kerngeschäft nicht mehr notwendigen Ballast ab. Darunter befinden sich oft Geschäftsbereiche, die nicht die erhofften Effekte im Hinblick auf Synergie bringen.

Mit der Ausgliederung der Konzernteile wird meist erheblich mehr Geld in die Kasse gespült, als diese vorher von der Börse bewertet wurden. Nicht immer jedoch erweisen sich Firmenabspaltungen als erfolgreicher Schachzug. Einige Beispiele für mehr oder weniger erfolgreiche Ausgliederungen:

Qimonda: Infineon trennte sich 2006 von seiner Speicherchipsparte.

Praktiker: Metro entließ Praktiker im Jahr 2005 in die Unabhängigkeit.

Lanxess: Lanxess wurde 2004 von Bayer erfolgreich ausgegliedert.

Wodurch Anleger bei Firmenabspaltungen Geld verdienen können       

Durch eine Firmenabspaltung entsteht eine neue wirtschaftliche Instanz, die die Erfahrungen und die Personalreserven des ursprünglichen Unternehmens bündelt bzw. neu strukturiert. Dadurch entstehen oft neue wettbewerbsfähige Gesellschaften, die erfolgreicher handeln können als innerhalb zementierter Regeln eines Mutterkonzerns. Ein Beispiel hierfür ist die Siemens-Abspaltung Osram, die seit ihrem Börsengang im Oktober 2014 Kursgewinne in Höhe von knapp 140 % aufweisen kann.

Diese Firmenabspaltungen werden erwartet

Nach Meinung zahlreicher Medien beabsichtigt die Deutsche Bank offenbar die hauseigene Fondsgesellschaft Deutsche Asset Management (DWS) als unabhängiges Unternehmen an die Börse gehen zu lassen. Außerdem plant wohl auch die Berliner Rocket Internet SE, Westwing  – ein Internet-Shop, der auf Wohnraum-Accessoires spezialisiert ist – und HelloFresh  – ein Lieferdienst für Lebensmittel-Zutaten – an den Aktienmarkt zu bringen. Rocket Internet ist eine börsennotierte Beteiligungsgesellschaft und als solcher unter anderem Teilhaber von Zalando.

Ob die neu geschaffenen Unternehmen sich am Markt durchsetzen können, lässt sich vorher natürlich kaum beurteilen. Hersteller großer, etablierter Marken mit innovativen Geschäftsmodellen ,vor allem aus der digitalen Welt, besitzen erfahrungsgemäß gute Chancen. Anleger, die an einem Investment im Bereich der Firmenabspaltungen interessiert sind, sollten ein solches Engagement mit der nötigen Vorsicht angehen.

30. Oktober 2017

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Peter Hermann
Von: Peter Hermann. Über den Autor

Peter Hermann ist studierter Germanist und Sozialwissenschaftler und arbeitet seit vielen Jahren im Wirtschafts- und Finanzjournalismus. Sein Spezialgebiet sind die Offenen Investmentfonds. Darüber hinaus besitzt er die Zulassung zum Anlageberater nach § 34 f.

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