Wie Fondsanleger ab Anfang 2018 zur Kasse gebeten werden

Es scheint ein alter Grundsatz von Finanzbehörden zu sein: Wenn etwas recht einfach ist, warum kann man es nicht komplizierter machen? Denn unter dem Strich wird sich bei den Steuern auf Investmentfonds für Anleger wenig ändern. Nur, einfacher bzw. einfacher zu durchschauen als die bisherige Abgeltungssteuer wird die neue Regelung sicher nicht.

Nicht nur, dass nur bestimmte Anlageklassen betroffen sind, Fondsanleger werden auch mit einem neuen Begriff konfrontiert – der Teilfreistellung. Und die ist, abhängig von der Fokussierung des Fonds, auch noch unterschiedlich hoch. Es gilt also eine Menge zu beachten.

Steuern Fonds 2018: Welche Anlageklassen sind von den Änderungen betroffen?

Ab 2018 will das Bundesfinanzministerium die Besteuerung von Investmentfonds neu regeln. Mittlerweile gibt es einen Referentenentwurf. Neu ist vor allem, dass die Erträge bereits auf der Fondsebene besteuert werden sollen. Damit kommen nicht nur auf Privatanleger, sondern auch auf die Fonds selbst steuerliche Änderungen zu.

Die geplante Neuregelung sieht im Wesentlichen vor, dass in Zukunft bei Publikumsfonds bereits von den Fondsmanagern Steuern in Höhe von 15 % abgeführt werden müssen – und zwar auf deutsche Mieterträge, auf Gewinne aus dem Verkauf deutscher Immobilien sowie deutsche Dividenden. Erträge aus reinen Rentenfonds sind nach den Vorstellungen des Finanzministers von den Plänen nicht betroffen.

Welchen Ausgleich gibt es für die Besteuerung auf Fondsebene?

Derzeit unterliegen Anleger mit Fondsanteile im Depot der Abgeltungssteuer von 25 % plus Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer auf Erträge sowie realisierte Kursgewinne. Das gilt unter dem Aspekt, dass sie in einem Jahr den Sparerfreibetrag von 801 € überschreiten. Die Finanzbehörden wollen als Ausgleich für die Besteuerung auf der Fondsebene Verkaufsgewinne und Ausschüttungen aus den Fonds beim Privatanleger in Zukunft teilweise freistellen.

Die voraussichtlichen Teilfreistellungen fallen je nach Anlageschwerpunkt des Investmentfonds unterschiedlich hoch aus. Privatanleger sollten damit rechnen, dass die Teilfreistellung auf die Erträge

  • von offenen Immobilienfonds 60 %,
  • von offenen Immobilienfonds aus dem Ausland 80 %
  • und von Aktienfonds 30 % beträgt.

Für Anleger, die diese Teilfreistellungen in Anspruch nehmen können, wird sich bei der Höhe der Gesamtbesteuerung kaum etwas ändern. Allerdings für diejenigen unter den Investoren, die unterhalb des Pauschalfreibetrages liegen, bedeuten die steuerlichen Änderungen insgesamt eine höhere, steuerliche Belastung. Sie können keine Teilfreistellung geltend machen und erhalten das vorher von der Fondsgesellschaft einbehaltene Kapital nicht zurück.

Geplant ist auch ein persönlicher Freibetrag von 100.000 €. Dabei ist auch noch wichtig, dass der bisherige Bestandsschutz für Altanteile zum 01. Januar 2018 aufgehoben werden soll. Jedoch werden alle Beträge, die bis zu diesem Zeitpunkt bei dem einzelnen Anleger aufgelaufen sind, nicht berück­sichtigt. Sie bleiben de facto steuerfrei.

23. Oktober 2017

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Peter Hermann
Von: Peter Hermann. Über den Autor

Peter Hermann ist studierter Germanist und Sozialwissenschaftler und arbeitet seit vielen Jahren im Wirtschafts- und Finanzjournalismus. Sein Spezialgebiet sind die Offenen Investmentfonds. Darüber hinaus besitzt er die Zulassung zum Anlageberater nach § 34 f.

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