Wie funktionieren Bitcoin Futures?

Bitcoin Futures eröffnen institutionellen Anlegern den Weg in die Digital-Währung. Was müssen Anleger beachten? (Foto: LOMAKIN / Shutterstock.com)

Der Bitcoin ist an der Wall Street angekommen. Zumindest hat die Cboe Global Markets (Chicago Board Options Exchange) bereits begonnen, Futures auf den Bitcoin zu handeln. Wenig später folgt auch die Chicago Mercantile Exchange (CME) dem Beispiel und wird ebenfalls Bitcoin Futures anbieten. Gleiches gilt für die US-Technologiebörse Nasdaq, die voraussichtlich im zweiten Quartal 2018 den Handel von Bitcoin Futures ermöglichen wird.

Doch was ändert sich nun für die Bitcoin-Anleger und die, die es noch werden wollen? Erstmals ist es möglich, mit Bitcoin Futures nicht nur auf einen steigenden, sondern auch auf einen fallenden Bitcoin-Kurs zu wetten. Im Fachjargon wird dies auch „shorten“ genannt.

Dies könnte für Anleger interessant sein, die der weltgrößten Kryptowährung skeptisch gegenüberstehen, denn der Bitcoin hat in 2017 zeitweise um 1.000 % zugelegt.

Auf der anderen Seite ermöglichen es Bitcoin Futures, die Digital-Währung einem breiteren Publikum näher zu bringen, denn mithilfe der Futures müssen institutionelle Anleger nicht mehr direkt in den Bitcoin investieren. Doch zunächst ein näherer Blick darauf, was Bitcoin Futures überhaupt sind.

Was sind Bitcoin Futures?

Futures sind zunächst Terminkontrakte, die in die Anlageklasse der Derivate fallen. Mit Bitcoin Futures sind vereinfacht gesagt Wetten auf die Zukunft möglich. Zum Beispiel welcher Preis der Bitcoin in 1, 2 oder 3 Monaten haben wird.

Der Terminkontrakt sieht einen Basiswert (in diesem Fall Bitcoin), sowie eine bestimmte Menge vor, die zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt in der Zukunft (Termin) zu einem festgesetzten Preis geliefert werden muss. Ein Termingeschäft ist ein bindender Vertrag, der erfüllt werden muss.

Dies bedeutet: Der Verkäufer eines Bitcoin Futures verkauft zum Beispiel im Dezember einen entsprechenden Terminkontrakt zum Preis von 18.500 US-$, der am 17. Januar 2018 fällig wird. Der Verkäufer des Bitcoin Futures sichert sich dadurch gegen fallende Kurse ab.

Der Käufer des Bitcoin Futures  erwartet dagegen eher höhere Kurse und sieht sich dann im Vorteil, wenn der Bitcoin zum Zeitpunkt der Lieferung (17. Januar 2018) zum Beispiel bei 20.000 US-Dollar steht. Der Future Käufer streicht dann de facto einen Gewinn von 1.500 US-Dollar ein, denn er hat niedrigere Anschaffungskosten.

Der Verkäufer des Bitcoin Futures profitiert, wenn der Bitcoin zum Zeitpunkt der Lieferung am 17. Januar 2018 unter der Marke von 18.500 US-$ liegen sollte, denn er hat ja den Bitcoin bereits zu einem höheren Preis verkauft.

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Der von der Cboe angebotene Bitcoin Future (Ticker: XBT) hat eine Besonderheit: Der Future Verkäufer muss den Bitcoin nicht tatsächlich liefern, sondern nur den Preisunterschied zum Marktpreis. Man spricht hierbei vom Barausgleich (Cash Settlement). Dies bedeutet: Händler können auf den Bitcoin spekulieren ohne die Digital-Währung tatsächlich anfassen zu müssen.

Für wen sind Bitcoin Futures interessant?

Bitcoin Futures sind aber nicht nur für Spekulanten interessant, sondern könnten vor allem für Bitcoin Miner von Interesse sein. Die sogenannten Miner verdienen mit dem Errechnen von Bitcoins und validieren Transaktionen. Bitcoin Miner haben zwar laufende Stromkosten, wissen aber nicht, wo der Bitcoin-Preis im nächsten oder übernächsten Monat steht.

Für diesen Fall können Bitcoin Miner die errechneten Bitcoins praktisch im Vorfeld über einen Bitcoin Future zu einem fixen Preis verkaufen und sich daher gegen einen fallenden Bitcoin-Preis absichern.

Bitcoin Futures und Shortseller

Auch für sogenannte Shortseller (Leerverkäufer) könnten Bitcoin Futures interessant sein, denn diese Anlageklientel kann nun erstmals überhaupt auf einen fallenden Bitcoin-Preis wetten. Der Shortseller verkauft einen Bitcoin Future in der Hoffnung, den Bitcoin später zu einem niedrigeren Kurs zurückkaufen zu können – die Differenz ist der Gewinn des Shortsellers.

Allerdings ist diese Wette mit einem sehr hohen Risiko verbunden. Zum einen ergibt sich für den Shortseller ein theoretisch unendliches Kursrisiko, wenn der Bitcoin-Preis weitersteigt. Zum anderen muss der Verkäufer des Bitcoin Futures eine sogenannte Margin (Sicherheit) hinterlegen.

Im Falle des Bitcoin Futures der Cboe ist diese besonders hoch. Denn um eine Wette gegen den Bitcoin eingehen zu können, muss der Shortseller eine Sicherheitsmarge von zunächst 44 % des Settlement-Preises hinterlegen. In der Regel werden für Futures Sicherheitsmargen von unter 10 % gefordert. Dies bedeutet: Wenn der Bitcoin weiter steigt, muss der Shortseller weiteres Geld nachschießen (Margin Call). Geschieht dies nicht, wird die Futuresposition automatisch verkauft.

Fazit: Für Privatanleger sind Bitcoin Futures eher nicht geeignet

Bitcoin Futures sind für Bitcoin Miner und Zahlungsabwickler interessant, die sich gegen einen fallenden Bitcoin Kurs absichern wollen. Dies ist legitim, unterliegt die Digital-Währung teilweise doch hohen Kursschwankungen. Für Privatanleger sind Bitcoin Futures eher weniger geeignet, der Anleger hat dadurch zwar eine hohe Gewinnchance, aber auch ein theoretisch unbegrenztes Kursrisiko, wenn die Wette nicht aufgeht.

Anleger sollten den Bitcoin – wenn überhaupt – eher als Wertspeicher und Depotbeimischung betrachten. Zudem gibt es von Vontobel inzwischen ein Bitcoin Zertifikat, mit dem Anleger von der Preisentwicklung des Bitcoins partizipieren können, ohne den Bitcoin direkt kaufen zu müssen. Dennoch sollten Anleger weiter vorsichtig bleiben, denn Kryptowährungen schwanken sehr stark, hohe Gewinne gehören ebenso zur Tagesordnung wie hohe Verluste.

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Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands

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