Die 80%-Regel bei der Gebäudeversicherung und wie sie sich bei Modernisierungen auswirkt

Frage: Wie funktioniert die 80%-Regel bei der Gebäudeversicherung, und wie wirken sich Modernisierungsmaßnahmen aus? Die 80%-Regel bezieht sich darauf, dass viele […] (Foto: Hadrian / shutterstock.com)

Frage: Wie funktioniert die 80%-Regel bei der Gebäudeversicherung, und wie wirken sich Modernisierungsmaßnahmen aus?

Die 80%-Regel bezieht sich darauf, dass viele Versicherungsunternehmen den Schaden an einem Haus bei einem versicherten Schadensfall nicht komplett übernehmen, sofern nicht mindestens 80% des Gesamtwertes des Hauses versichert sind.

Falls der Hausbesitzer sein Gebäude zu weniger als 80% versichert hat, zieht die Versicherung einen proportionalen Anteil von der Erstattungssumme ab.

Nehmen wir beispielsweise an, dass Herr Müller ein Haus besitzt, dessen Wert 500.00€ beträgt. Seine Versicherung deckt jedoch nur 395.000€ dieser Summe ab. Ein Feuer verursacht nun einen Schaden über 250.000€.

Nun könnte man annehmen, dass die Versicherung für den gesamten Schaden aufkommt – schließlich ist der Schaden geringer als die Versicherungssumme. Aufgrund der 80%-Regel ist dies jedoch nicht der Fall.

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80% des Gesamtwertes würden in diesem Fall nämlich 400.000€ betragen. Läge die versicherte Gesamtsumme über diesem Wert, müsste die Versicherung für alle Schäden aufkommen. Da dies hier nicht der Fall ist, zahlt der Versicherer nur den proportionellen Anteil der reelen Versicherungssumme an 80% der Gesamtsumme – also 395.000€/400.000€, was 98,65% bedeuten würde. Herr Müller würde demnach nur 246.875€ ausgezahlt bekommen.

Da Modernisierungs- oder Anbaumaßnahmen den Wert des Hauses steigern, kann es vorkommen, dass die Versicherungssumme unter die 80%-Marke fällt.

Herr Müller merkt beispielsweise, dass seine aktuelle Versicherungssumme nicht ausreicht und stockt sie daher auf 400.000€ auf. Nach einem Jahr baut er jedoch eine Garage an, die den Gebäudewert auf 510.000€ ansteigen lässt. Während die 400.000€ vor den Anbaumaßnahmen ausgereicht hätten (400.000€/500-000€ = 80%), ist der Betrag nun wieder zu niedrig (400.000€/510.000€ = 78,43%). Daher wird die Versicherung im Schadensfall wiederum nicht die komplette Summe erstatten.

Inflation kann den Wert eines Gebäudes ebenfalls in die Höhe treiben. Immobilienbesitzer sollten Ihre Versicherungsunterlagen und Gebäudewerte daher regelmäßig überprüfen, um eine ausreichende Absicherung zu gewährleisten.


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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.