Wie sich der Aktienkurs auch nach Börsenschluss verändern kann

Börsenschluss heißt nicht, dass die Börse komplett schließt. Stattdessen leben vor und nach den regulären Öffnungszeiten Vor- und Nachbörse auf – und haben Einfluss auf die Aktienkurse. (Foto: dominic8 / Shutterstock.com)

Frage: Wie kann sich mein Aktienkurs nach Börsenschluss verändern, und wie wirkt sich dieser Effekt auf Investoren aus? Kann ich Aktien zum nachbörslichen Preis verkaufen?

Die meisten Investoren wissen, dass auf allen großen Aktienmärkten innerhalb normaler Geschäftszeiten gehandelt wird – meistens innerhalb Europas von 9:00 Uhr bis 17:30 Uhr.

Dabei entscheidet das erste Handelsgeschäft morgens über den Eröffnungskurs, das letzte Geschäft vor Börsenschluss über die Schlussnotierung.

Allerdings existieren drei Märkte, auf denen mit Aktien gehandelt werden kann: die Vorbörse, der normale Aktienmarkt und die Nachbörse.

Auf der Vorbörse wird in der Stunde vor regulärem Beginn (von 8:00 Uhr bis 9:00 Uhr), auf der Nachbörse noch bis 22:00 Uhr gehandelt.

Auch auf Vor- und Nachbörse findet Aktienhandel statt. Somit werden Aktien zu dem Preis verkauft, den der Ankäufer auf dem jeweiligen Markt bereit ist, zu zahlen.

Der große Unterschied besteht jedoch darin, dass auf besagten Märkten normalerweise weniger Liquidität und ein geringerer Umfang an Wertpapieren besteht, dafür aber mehr Preisschwankungen möglich sind.

Diese Faktoren wirken sich erheblich auf den Kurspreis aus. In diesem Zusammenhang ist ein limitierter Auftrag von Vorteil.

An sich haben Preisänderungen genau denselben Effekt auf einen Aktienkurs wie auf der normalen Börse. Steigt der Kurs also auf der Nachbörse an, bedeutet das Profit für den Anleger.

Trotzdem kann der Preis, mit dem die Nachbörse abgeschlossen hat, vom Preis auf der regulären Börse abweichen.

Existiert beispielsweise ein Gerücht auf der Nachbörse, dass viele Anleger ihre Anteile morgens direkt verkaufen, sorgt das für einen erheblichen Wertverlust.

Die Preise auf der Nachbörse sind im Allgemeinen nützlich, um zu sehen, wie der Markt auf frisch nach regulärem Börsenschluss veröffentliche Informationen reagiert.

Dennoch treffen diese Preise – aufgrund der Preisschwankungen – nicht immer zu hundert Prozent zu.

In der Vergangenheit konnte der Privatanleger lediglich während der regulären Öffnungszeiten handeln – die Nachbörse war für Kapitalsammelstellen reserviert.

Durch den technologischen Fortschritt allerdings, in Form von Computern und elektronischen Netzwerken, ist die Börse mit all ihren Facetten heute offener denn je.

Somit kann heute jeder Anleger auf Vor- und Nachbörse mitmischen. Und wer weiß, in Zukunft könnte es auch möglich sein, 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche zu handeln.


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.