Wie stehen das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) und die Inflationsrate zueinander?

Inflationsrate und Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) beeinflussen einander – und damit auch die Anlagebereitschaft der Investoren.

Eine Inflation bzw. Preissteigerung wirkt sich vor allem auf die Anlagebereitschaft der Investoren aus.

So wollen Investoren während einer hohen Inflationsphase weniger für ein bestimmtes Ertragsniveau bezahlen.

Ist die Inflationsrate im Gegensatz dazu niedrig und wird wahrscheinlich auch demnächst nicht ansteigen, sind die Investoren eher gewillt, mehr für dieses Ertragsniveau zu bezahlen.

Dabei liegt eine Wechselwirkung zwischen Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) und Inflationsrate vor.

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Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) ist ein Maßstab zur Bewertung des Preises, den Investoren gewillt sind zu zahlen, um im Gegenzug die Unternehmenserträge zu erhalten.

Beispielsweise belaufen sich der Preis einer Aktie auf 50 € und der Gewinn pro Aktie auf 2 €. Somit beträgt das KGV 25 €. Dies zeigt, dass Investoren bereit sind, 25-mal so viel für Unternehmenserträge zu bezahlen.

Das KGV wird folgendermaßen durch die Inflation beeinflusst:

  1. Eine stabile und moderate Inflation erhöht die Wahrscheinlichkeit eines kontinuierlichen Wirtschaftswachstums.Eine mäßige Inflation bedeutet normalerweise, dass die Zentralbank (in Europa die Europäische Zentralbank bzw. EZB) die Zinsraten nicht anhebt, um das Wirtschaftswachstum zu verlangsamen.Wenn sowohl Inflationsrate als auch Zinsraten niedrig sind, wird das Realeinkommen wahrscheinlich erheblich zunehmen.Dadurch sind die Menschen eher bereit, mehr für Unternehmenserträge zu bezahlen.Je mehr die Menschen zahlen wollen, desto höher ist das KGV.
  2. Wenn das Inflationsniveau stabil und angemessen ist, sind die Erwartungen der Investoren niedriger – bezüglich hoher Markterträge. Im umgekehrten Fall steigen die Erwartungen, wenn die Inflationsrate steigt.Parallel zur Inflationsrate steigen auch die Preise in der Wirtschaft. Dadurch müssen Investoren höhere Wertentwicklungen voraussetzen, um ihre Kaufkraft zu erhalten.Ist dies der Fall, muss das KGV fallen.Anhand der historischen Entwicklung lässt sich sagen: Je niedriger das KGV, desto höher die Erträge.
  3. Ist die Inflationsrate niedrig, so wird auch die Ertragsqualität als hoch eingestuft. Grund dafür ist die Tatsache, dass die Gewinnsumme dem konkreten Wachstum im Unternehmen zugeschrieben werden kann – und nicht anderen Faktoren, wie der Inflation.Ein Beispiel: Die Inflationsrate liegt bei 10% (also hoch), und ein Unternehmen erwirbt ein Produkt für 100 €.In einem Jahr wird es dem Unternehmen möglich sein, das besagte Produkt für 110 € zu verkaufen – aufgrund der Inflation.Da die Produktkosten bei 100 € bleiben, scheint die Gewinnspanne zugenommen zu haben – tatsächlich ist aber lediglich die Inflation am Werk.Im Allgemeinen sind Investoren eher gewillt, über pari oder zu einem Vielfachen zu kaufen, wenn ein tatsächliches Wachstum durch das Unternehmen vorliegt – und kein künstlich geschaffenes durch die Inflation.Die Vergangenheit hat bewiesen, dass Investoren dieses Phänomen erkennen und die Entwicklung der Inflation bei ihrer Anlagewahl miteinbeziehen.

    Grundsätzlich gilt: Eine hohe Inflationsrate bedeutet ein niedriges Kurs-Gewinn-Verhältnis – und umgekehrt.


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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.