Wird das Wohngeld erhöht?

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Laut Wohngeld- und Mietenbericht der Bundesregierung betrugen die Leistungen an Wohngeldempfänger im Jahr 2010 etwa 1,8 Mrd. Euro. Der durchschnittliche […] (Foto: Nicole Lienemann / shutterstock.com)

Laut Wohngeld- und Mietenbericht der Bundesregierung betrugen die Leistungen an Wohngeldempfänger im Jahr 2010 etwa 1,8 Mrd. Euro.

Der durchschnittliche Wohngeldsatz je Wohngeldempfänger stieg im Jahr 2010 auf 125,- Euro und betrug 2011 etwa 114,- Euro. Die einzelnen Wohngeldleistungen sind breit gestaffelt.

Gerade für einkommensschwache Haushalte ist es eine wichtige Unterstützung zum Lebensunterhalt.

Soll das Wohngeld erhöht werden?

Die letzte Anpassung des Wohngeldes wurde im Jahr 2009 wirksam. Deshalb zeigt der Blick in den Wohngeldbericht der Bundesregierung aus dem Jahr 2010 die Entwicklung über diese Neuregelung hinaus.

Wohnen kostet Geld

Viele Haushalte, die ein geringes Einkommen haben, können sich die Kosten für das Wohnen oft nicht mehr leisten. Deshalb entlastet der Staat in solchen Fällen mit finanzieller Hilfe: das Wohngeld nach dem Wohngeldgesetz. Es wird als Zuschuss gezahlt.

Voraussetzungen

Ob Wohngeld in Anspruch genommen werden kann, hängt von drei Faktoren ab:

  • der Anzahl der zu berücksichtigenden Haushaltsmitglieder,
  • der Höhe des Gesamteinkommens,
  • der Höhe der zuschussfähigen Miete bzw. Belastung.

Wohngeld gibt es in der Regel als Mietzuschuss für Personen, die Mieter einer Wohnung oder eines Zimmers sind. Aber es besteht auch die Möglichkeit, das Wohngeld als Lastenzuschuss für Personen, die Eigentum an selbst genutztem Wohnraum haben, in Anspruch zu nehmen.

Rechtsanspruch auf Wohngeld

Wer zum Kreis der Berechtigten gehört, hat darauf einen Rechtsanspruch.

Deutscher Mieterbund: Jetzt das Wohngeld erhöhen

Dr. Franz-Georg Rips, Präsident des Deutschen Mieterbundes forderte in der vergangenen Woche:

„Das Wohngeld muss jetzt um 10 Prozent erhöht, die Einkommensgrenzen müssen angehoben und die Energiekosten wieder berücksichtigt werden. Da sich nach SPD, Bündnis90/Die Grünen und Linken nun auch die CSU für eine Wohngelderhöhung stark macht, sind sowohl im Bundestag als auch im Bundesrat die politischen Mehrheiten für Wohngeldverbesserungen vorhanden. Die müssen jetzt im Interesse einkommensschwacher Haushalte genutzt werden.“

„Es kann nicht sein, dass für einkommensschwächere Haushalte mit einem Haushaltsnettoeinkommen bis 1.300 Euro die Wohnkostenbelastung mittlerweile auf über 45 Prozent geklettert ist, gleichzeitig aber die Zahl der Wohngeldempfänger zurückgeht und die Wohngeldansprüche sinken.“

„Ich fordere, dass die Ministerpräsidenten von SPD, Bündnis90/Die Grünen und CSU jetzt mit ihrer Mehrheit eine Bundesratsinitiative zur Wohngeldverbesserung starten. Gleichzeitig erwarte ich, dass der Bundestag entsprechende Gesetzesinitiativen beschließt. Die parlamentarische Mehrheit für eine Wohngeldverbesserung ist vorhanden, sie muss genutzt werden.“

Rückgang bei Wohngeldempfängern in 2011

770.000 Haushalte in Deutschland bezogen nach Angaben der amtlichen Statistik im Jahr 2011 Wohngeld. Im Vergleich zu 2010 sei die Zahl der Empfängerhaushalte um 10 Prozent zurückgegangen.

Wohngeldbezieher sind zu 56 Prozent Einpersonenhaushalte, häufig Rentner mit einem Durchschnittseinkommen von nur 600 Euro, zu 13 Prozent Zweipersonenhaushalte und zu 8 Prozent Dreipersonenhaushalte.

23 Prozent der Empfängerhaushalte bestehen aus vier bzw. mehr Personen. Im Durchschnitt erhalten Wohngeldbezieher, die zur Miete wohnen, einen Zuschuss von 114 Euro. Eigentümerhaushalte bekommen durchschnittlich 142 Euro.

Die Diskussion um eine Anpassung des Wohngeldes ist damit vom Deutschen Mieterbund eröffnet worden. Es bleibt abzuwarten, ob noch vor der Bundestagswahl im Herbst 2013 eine Erhöhung der Wohngeldsätze erfolgt.


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Von: Sven Johns. Über den Autor

Sven R. Johns ist Rechtsanwalt und war 15 Jahre Bundesgeschäftsführer des Immobilienverband IVD (bis Mitte 2012). Seit fast 20 Jahren ist er zunächst als Rechtsanwalt und dann als Geschäftsführer im Immobiliengeschäft vertraut.