Zeitreise – Die Welt vor 50 Jahren (Februar ´68)

Vor 50 Jahren, im Februar 1968 fand die zweite Welthandelskonferenz statt, die Lufthansa kaufte die Boeing 737 und die Bahn wurde schneller. (Foto: Alhim / Shutterstock.com)

Politik, Wirtschaft, Weltgeschehen – was aktuell die Börsen treibt und die Gemüter bewegt, relativiert sich mitunter beim Blick in die Vergangenheit. Was war vor 50 Jahren, im Februar 1968? Ein Rückblick in die Welt von früher ist unterhaltend, oft spannend und zeigt, wo wir heute stehen.

Erste Boeing 737 der Lufthansa

Vor 50 Jahren im Februar 1968 begannen sich Verbraucher und Wirtschaft an die kurz zuvor eingeführte Mehrwertsteuer zu gewöhnen. Jedoch mussten verbreitet einhergehende Preissteigerungen für Endverbraucher verkraftet werden.

Weltwirtschaftlich wurde gleich am ersten Februar in der indischen Hauptstadt Neu-Delhi von Ministerpräsidentin Indira Gandhi die zweite Welthandelskonferenz eröffnet. Die 1964 von der UNO ins Leben gerufene Welthandelkonferenz findet alle vier Jahre statt und hat die Förderung des Welthandels zum Ziel, was heute eher unter dem Begriff Globalisierung verstanden wird. Die mittlerweile 159 teilnehmenden Länder werden auch als WTO-Staaten bezeichnet.

Während sich die Konferenz bemühte, den Handel zwischen Industrie- und Entwicklungsländern auszubauen, versorgte Boeing die Welt mit einem neuen Flugzeug: die B 737. Die Lufthansa erhielt am vierten Februar ihr erstes zweistrahliges Exemplar, zum Preis von 13,9 Mio. DM. Das Erfolgsmodell wurde später in den verschiedensten Varianten angeboten, bekam 1984 vom Airbus 320 Konkurrenz und wird noch heute gebaut. Die günstigste Boeing 737 kostet aktuell rund 76 Mio. US-$.

Bahn soll Straßen entlasten

Schneller ging es auch bei der Bundesbahn voran. Erstmals verband ein Container-Schnellgüterzug Bremen und Hamburg mit dem Binnenland. Kurz darauf wurde im Bonner Bundestag ein Verkehrsprogramm debattiert, das aktuelle Bezüge aufweist. Es ging um die Entlastung der Straßen und die Sanierung der Bahn. Was aus heutiger Sicht wiederum umstritten wäre: Hermann Höcherl, der Bundesernährungsminister, forderte die Landwirte zur Einführung industrieller Produktionsweisen auf

Abgelehnt wurde im Parlament ein Gesetzentwurf, den 17. Juni zum normalen Arbeitstag zu machen. Lediglich die FDP und Arbeitgeberverbände stimmten zu. Der Nationalfeiertag zum Volksaufstand in der DDR sollte noch bis 1990 bestehen bleiben.

Wird auch heute wird über ungleiche Chancen in der Bildung geklagt, so war dies damals noch viel ausgeprägter. Nur 5,3 % der Studenten stammten aus Arbeiterfamilien. So jedenfalls die Erkenntnis des Deutschen Industrie-Instituts in Köln. Es war Vorläufer des Instituts der deutschen Wirtschaft (DIW), das seinen neuen Namen seit 1973 trägt.

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Und als könnte es eine Meldung dieser Tage sein: In Berlin fand eine Großkundgebung gegen den Radikalismus von links und rechts statt. Damals nahmen 80.000 Personen teil. Und typisch für die Zeit: Sie demonstrierten zugleich gegen den Vietnamkrieg der USA.

Algerien verstaatlicht Ölkonzerne

Mitten im Kalten Krieg veröffentlichte am 14. Februar das US-Verteidigungsministeriums folgende Zahlen: 900.000 Nato-Soldaten standen 960.000 Soldaten des Warschauer Pakts gegenüber und die USA verfügten über rund 8.000 Sprengköpfe für taktische Atomwaffen. In den USA selbst verabschiedete sich Verteidigungsminister Mc Namara aus dem Amt, nachdem er die Ausweitung des Engagements im Vietnamkrieg kritisiert hatte. Danach wurde er Präsident der Weltbank.

In Algerien fiel die Entscheidung, ausländische Gas- und Öl-Vertriebsfirmen zu verstaatlichen. Einige Monate zuvor schon waren die Konzerne Exxon und Mobil-Oil unter staatliche Kontrolle gestellt worden.

Abschließend ein Blick auf die Börse: Nach den Höchstständen der Aktienkurse gegen Ende 1967 und einem guten Jahresauftakt zeigte sich der Ferbruar vor 50 Jahren lustlos. Der IBZ, der Index der Börsen Zeitung und Dax-Vorläufer eröffnete mit 524,57 Punkten und beendete den Januar mit Minus 0,45% beim Schlusstand von 522,22 Punkten.

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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.

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