Zeitreise: Die Welt vor 50 Jahren (November ´67)

Politik, Wirtschaft, Weltgeschehen – als Anleger ist man gewohnt, die großen Trends im Auge zu behalten, allein schon um Chancen zu nutzen und Risiken einzuschätzen. Auch will man sich nicht von jeder unerwarteten Entwicklung oder Krise treiben lassen. Die gab es früher auch. Spannend ist daher ein gelegentlicher Blick in die Vergangenheit. Was passierte heute vor 50 Jahren, im November 1967?

November 1967: Die Welt vor 50 Jahren 

Bei einer Rückblende in die Welt von früher zeigt sich vieles, was heute die Gemüter bewegt, im anderen Licht – es relativiert sich und ist manchmal gar nicht so neu wie es scheint.

„Elektroauto mit Batterie fährt 320 km weit“, „Gesetz soll Autoabgase bremsen“, „Schwaches Pfund belastet britische Regierung“, „Irakische Kurden wollen Selbstverwaltung erzwingen“. Diese Schlagzeilen erschienen nicht etwa dieser Tage, sondern im November 1967. Was vor 50 Jahren geschah, wirkt zum Teil verblüffend aktuell – und wirft Fragen auf. Wenn schon damals in den USA der Clean Air Bill gegen die zunehmende Luftverschmutzung durch Autoabgase erlassen wurde und auf der Turiner Autoschau ein Prototyp von De Tomaso mit einer Batterie eine Reichweite von 320 Kilometern erzielte, müsste die Entwicklung doch viel fortgeschrittener sein. Warum kommen dann aktuelle E-Autos nicht weiter?

Dass die Kurden einen Boykott gegen Bagdad antraten, um sich selbst zu verwalten, zeigt wie alt der Konflikt ist, der bis heute andauert und bei erneutem Aufflammen den Ölpreis verteuert. Die Sache mit dem Britischen Pfund wiederum hat ihre Ursache in der Wirtschaftskrise Großbritanniens, das zunehmend an Macht und Einfluss verlor. Zum zweiten Mal seit Kriegsende wurde das Pfund am 18. Nov. abgewertet.

Die Regierung Wilson musste daraufhin zurücktreten. Der politische Rahmen: Charles de Gaulles versuchte, die Briten aus dem EU-Vorläufer EWG herauszuhalten. Erst im Sommer hatten sie erneut einen Antrag auf Mitgliedschaft gestellt. Als zwei Jahre später die Tür endlich aufging, erholte sich Großbritannien. Haben die zumeist älteren Brexit-Fans das alles vergessen?

De Gaulle greift den Dollar an

In den USA wurde am 7. Nov. die Nationalgarde aufgestockt. Es gab Rassenunruhen und Massendemonstrationen gegen den Vietnamkrieg. Der wiederum belastete den US-Haushalt und führte zum Zahlungsbilanzdefizit und zur Dollarkrise. Die nutzte Charles de Gaulle und stieg aus dem damaligen Gold-Pool aus. Er wollte den Dollar als Leitwährung stürzen und den Welthandel wieder auf Goldbasis abwickeln – zurück zum Gold als Währungsreserve.

Gelungen ist es ihm zwar nicht. Doch als der zuvor heimliche Ausstieg Frankreichs aus dem Gold-Pool im November bekannt wurde, begann ein Run auf Gold. Der Preis stieg von 31,1 US-$ pro Unze auf 44,36 US-$ im nächsten Frühjahr. Heute liegt er bei rund 1.200 US-$.

Insgesamt war der November geprägt von anhaltenden Devisenspekulationen und Währungskrisen. In der Bundesrepublik Deutschland gelang es der Bundesbank, die Kapitalströme durch die Wiederaufnahme von Swapgeschäften am 27. Nov. in den Griff zu bekommen.

Wirtschaftlich stand Westdeutschland im November vor dem Wendepunkt. Es war einer der letzten Monate der ersten Nachkriegsrezession, die den Vater des Wirtschaftswunders Ludwig Erhard das Kanzleramt gekostet hatte. Er wurde von einer Großen Koalition unter Kurt-Georg Kiesinger abgelöst. Wirtschaftsminister Karl Schiller und Finanzminister Franz Georg Strauß schoben ein Konjunkturprogramm über 7,8 Mrd. Mark an, das im Folgejahr ein Wachstum von 8 % brachte.

Wie heute: BRD-Konzerne suchen Anleger

Parallel startete im November eine Werbekampagne, die Anlegern Aktien schmackhaft machen sollte, nachdem der Absatz in der Rezession dramatisch eingebrochen war. Die Aktion mit dem Slogan „Wert mit Zukunft“ wurde von 100 der damals 650 an deutschen Börsen notierten Unternehmen getragen. Sie suchten Anlegergeld, um investieren zu können. Damals gab es ca. 4 Mio. westdeutsche direkte Aktionäre. Heute sind es in Gesamtdeutschland nur unwesentlich mehr.

Der damalige Vorgänger des Dax war der Index der Börsen Zeitung (IBZ). Er bestand ebenfalls aus 30 Standardwerten und hatte Ende November einen Stand von 484 Punkten. Vergleichen mit der heutigen Dax-Marke von rund 13.000 beträgt der Zuwachs seit 50 Jahren 2.780 %.

In der DDR waren Aktien kein Thema. Dort traf sich der Staatsratsvorsitzende Walther Ulbricht mit Leonid Breschnew, dem Generalsekretär des ZK der KPdSU und Staatsführer der UdSSR. Zuvor hatte er eine eigene DDR-Staatsbürgerschaft eingeführt. Bis November waren weit über 220.000 Bürger in den Westen geflohen. Um attraktiver zu werden, sollte mit Beschluss vom 7. Nov. wenigstens die Reichsbahn endlich von Dampf- auf Elektro- und Dieselloks umgestellt werden.

Vorbereitung auf bemannte Mondlandung

In den USA war der November ein Meilenstein in der Bevölkerungsentwicklung: Sie war auf über 200 Mio. US-Bürger angestiegen. Zur gleichen Zeit landete die US-Sonde Surveyor 6 auf dem Mond, um die Gegend zu erkunden. Denn in Cape Kennedy wurde die Saturn V-Rakete getestet, mit der 1969 die erste bemannte Mondlandung gelingen sollte.

Randnotiz aus Europa: In Österreich entschieden sich am 20. Nov. in einer Volksabstimmung 73 % gegen eine Wiederangliederung an Deutschland. Der Konflikt um Südtirol indes wurde in London einmal mehr ergebnislos verhandelt.

3. November 2017

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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.

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