Zertifikate auf US-Werte: Steuern für ausländische Anleger geändert

Europäische Anleger werden durch das Tohuwabohu der neuen Steuern für Zertifikate auf US-Werte des amerikanischen Fiskus behindert. (Foto: PeJo / Shutterstock.com)

Steuern zahlen ist nirgendwo auf der Welt beliebt. Hier genauso wenig wie in den USA. Wenn man aber gleich von 2 Finanzbehörden für ein und denselben Ertrag doppelt zur Kasse gebeten wird, dann wird es ärgerlich. Genau das gilt seit Anfang 2017 für dividendenähnliche Gewinne von Zertifikaten auf US-Werte.

Die US-amerikanische Steuerbehörde IRS hat im Herbst 2015 die Gesetzgebung im Bezug auf die Quellensteuerpflicht zum 1. Januar 2017 auf Zertifikate, die US Aktien als Basiswerte enthalten, modifiziert. Seither müssen Ausländer, also auch deutsche Anleger, bis zu 30 % Steuern auf dividendenähnliche Erträge von Derivaten auf amerikanische Aktien zahlen.

US-Zertifikate: Steuern sorgen für Wirrwarr

Die neue Besteuerung der ausländischen Anleger hat ihre Ursache in den Befürchtungen des US-Finanzministeriums, dass Bürger von außerhalb der USA durch die angesprochenen Zertifikate die Dividendensteuer auf US Wertpapiere umgehen könnten. Mit der neuen Regelung (eine Form der Quellensteuer) soll diese vermeintliche Lücke geschlossen werden. In der Praxis bedeutet dies, dass auch nicht in den Vereinigten Staaten steuerpflichtige Bürger dort Steuern zahlen müssen.

Als erste trifft es Index-, Sprint-, Faktor-, Knock-out- und Outperformance-Zertifikate. Diese Finanzprodukte spiegeln den Kursverlauf eines Basiswerts, wie beispielsweise den der Microsoft Aktie, in gleichem Maßstab oder gehebelt wider. Allerdings erwerben Investoren nicht die eigentliche Aktie, sondern lediglich eine Schuldverschreibung eines europäischen Geldinstituts als Zertifikat. Wenn nun Microsoft die Dividende ausschüttet, beziehen die Emittenten diese in den Kurs des Zertifikats ein. Und genau da greift die neue Quellensteuer.

Laut Bundesfinanzministerium werden Dividenden-ähnliche Gewinne nicht vom Doppelbesteuerungsabkommen mit den Vereinigten Staaten erfasst. Daher ist es nicht möglich, diese auf die deutsche Abgeltungsteuer angerechnet zu bekommen. Das heißt, es fallen 2 Mal Steuern an – in den USA und hierzulande, was sich insgesamt auf etwa 56 % addiert.

US-Zertifikate – für europäische Anleger vorerst uninteressant

Für europäische Anleger sind die genannten US-Zertifikate auf amerikanische Aktien und Aktien-Indizes vorerst nicht nur uninteressant. Sie sind auch oft schlicht nicht mehr erhältlich, weil nahezu sämtliche betroffenen Emittenten zu Beginn des Jahres 2017 den Verkauf entsprechender Zertifikate eingestellt haben. Zwar drängen die Europäer die US-amerikanischen Finanzbehörden schon seit längerem zu einer günstigeren Regelung. Allerdings bislang nur mit geringem Erfolg.

Anleger können jedoch noch eine gewisse Zeit auf Optionsscheine ausweichen. Alternativen sind Aktienanleihen, Discount, Bonus-, Express- und Garantie-Zertifikate auf US-Basiswerte. Diese Finanzprodukte werden erst ab 2018 nach den neuen Steuerregeln behandelt. Anleger, die also noch in diesem Jahr kaufen, kommen in den Genuss des Bestandsschutzes.

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Die neue Besteuerung auf US-Zertifikate hat bei europäischen Anlegern und Banken für Konfusion gesorgt. Abzuwarten bleibt, ob der amerikanische Fiskus bei seiner Investoren-unfreundlichen Haltung bleibt oder ob es doch noch zu einer für beide Seiten akzeptablen Lösung kommt.

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Peter Hermann
Von: Peter Hermann. Über den Autor

Peter Hermann ist studierter Germanist und Sozialwissenschaftler und arbeitet seit vielen Jahren im Wirtschafts- und Finanzjournalismus. Sein Spezialgebiet sind die Offenen Investmentfonds. Darüber hinaus besitzt er die Zulassung zum Anlageberater nach § 34 f.