Zertifikate: Das sind die Trends 2017

Bis vor 10 Jahren schien der Run auf Zertifikate nicht mehr zu stoppen – immer neue Zertifikate-Trends taten sich auf. Als dann in der Finanzkrise zahllose Anleger mit ihnen Geld verloren – Stichwort Lehman Brothers – schrumpfte der Markt, während insolvenzgeschützte ETFs in Mode kamen.

Zertifikate: Trends und Entwicklung

Von einst 140 Mrd. € Anlagevolumen blieben Anfang des Jahres noch 67 Mrd. € übrig. Daran konnte auch der Trend zu Zertifikaten mit Kapitalschutz wenig ändern. Oder die nach der Finanzkrise aufgelegten strukturierten Anleihen, denn die Zinspapiere leiden massiv unter dem anhaltend niedrigen Zinsniveau. Den letzten Schlag erhielten sie, als die Bundesfinanzaufsicht Bafin letztes Jahr überlegte, sie zu verbieten.

Dennoch: Zertifikate haben gegenüber Indexfonds den Vorteil, dass sie wendiger und einfacher aufzulegen sind. Damit lassen sich die exotischsten Nischenmärkte erschließen und die komplexesten Strategien verfolgen. Wer beispielsweise einen ETF auf den Internettrend Social Media sucht, tut dies vergeblich.

Diese extreme Flexibilität führte letztlich dazu, dass es trotz insgesamt rückläufiger Anlagegelder mittlerweile weit über eine Million Zertifikate in den verschiedensten Formen und Spielvarianten gibt. Das unübersichtliche Angebot lässt sich grob in drei Kategorien einteilen: Zertifikate mit Kapitalschutz, ohne Kapitalschutz und Hebelprodukte.

Bonus-Zertifikate unverändert gefragt

Zu den großen Zertifikate-Trends zählen, wie schon in den vergangenen Jahren, Produkte mit Teilschutz. Dazu gehören etwa Bonus-Zertifikate mit niedrigen Barrieren, also einem hohen Sicherheitspuffer.

Ihr Reiz: Von breiten Aktienindizes wie dem Dax oder Dow Jones kann man überdurchschnittlich profitieren, selbst wenn der Basiswert, der Index, nur seitwärts läuft oder leicht fällt. Die Kombination aus Sicherheit und Renditechance, die nach oben hin unbegrenzt ist, eignet sich für jeden, der Kurspotential erkennt, sich aber gleichzeitig gegen Kursrückschläge absichern möchte.

Comeback der Garantie-Zertifikate

Seit 2015 erleben Garantie-Zertifikate ein Comeback. Bei ihnen wird die Rückzahlung des investierten Kapitals garantiert. Im schlechtesten Fall erhält man zu Ende der Laufzeit einen festgelegten Prozentsatz des Geldes. Die erhöhte Sicherheit hat natürlich ihren Preis: An einer positiven Entwicklung partizipiert man nur eingeschränkt. Zumindest aber liegen die Renditen über denen von Anleihen oder Festgeldern, was die Produktform für vorsichtige Anleger attraktiv macht.

Express-Zertifikate als Renner

Als Renner erweisen sich Express-Zertifikate. Sie sind die variantenreichste Produktfamilie, haben aber eines gemeinsam: Sie verbinden die Chance auf hohe Renditen mit der Möglichkeit einer vorzeitigen Rückzahlung, und zwar abhängig von der Entwicklung des Basiswerts.

Express-Zertifikate bieten zwar keinen Kapitalschutz, reizen aber mit ihren vielfältigen Ausprägungen. Mit die bekannteste Variante sind Bonus-Express-Zertifikate. Außerdem ist die Laufzeit mit sechs Jahren wesentlich länger als bei den meisten anderen Produkten.

Wunsch-Zertifikate auf dem Vormarsch

Wie sich auf der letzten Anlegermesse Invest zeigte, ist der ultimative Trend das Wunschzertifikat. Wer einen ganz persönlichen Anlagewert entdeckt hat, kann sich sein eigenes Produkt erstellen, ganz nach den individuellen Vorstellungen.

Über verschiedene Plattformen wie beispielsweise mein-zertifikat.de lässt sich das neue Zertifikat in kürzester Zeit freischalten und emittieren. Die Marke Eigenbau einzustellen, geht allemal schneller als ein geeignetes Produkt im riesigen Angebotsdschungel zu finden. Dieser Trend ist natürlich auch mit der Faszination zu erklären, wenn man plötzlich ein eigenes Produkt mit eigener Wertpapier-Kennnummer hat.

Das alles setzt allerdings voraus, dass ein Anleger sich aktiv mit seinen Vorstellungen zu einem Investment einbringt. Und heutige Zertifikate-Anleger zeigen in der Regel ein hohes Engagement und sind gut informiert.

31. August 2017

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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.

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