Zinsswap: So wird ein Zinstausch abgerechnet

Bei einem Zinsswap tauschen die Geschäftsparteien Zinszahlungen auf der Grundlage eines Nominalbetrags, um sich gegen Zinsrisiken abzusichern oder um zu spekulieren.

Inhalt
Inhaltsverzeichnis

Swaps haben in den letzten zehn Jahren aufgrund ihrer hohen Liquidität und der Fähigkeit zur Risikoabsicherung an Beliebtheit gewonnen. Bei einem Zinsswap tauschen die Geschäftsparteien Zinszahlungen auf der Grundlage eines Nominalbetrags, um sich gegen Zinsrisiken abzusichern oder um zu spekulieren. Zinsswaps erweisen sich als wertvolle Instrumente, wenn Geschäftspartner oder Finanzinstitute sie effektiv nutzen.

Konzeptionell kann man einen Swap entweder als ein Portfolio von Terminkontrakten oder als eine Kauf-Position in einer Anleihe in Verbindung mit einer Verkaufs-Position in einer anderen Anleihe betrachten. In diesem Artikel werden die häufigsten und grundlegendsten Arten von Zinsswaps erläutert.  

Definition eines Zinsswaps

Ein Swap ist eine Vereinbarung zwischen zwei Parteien, um Zinszahlungen auf festgelegte Beträge für einen bestimmten Zeitraum zu tauschen. Zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses wird in der Regel mindestens eine dieser Zinszahlungen durch eine zufällige oder ungewisse Variable bestimmt, zum Beispiel einen Zinssatz oder einen Wechselkurs.

Der Zinsswaps-Markt

Im Gegensatz zu den meisten standardisierten Optionen und Terminkontrakten sind Swaps keine börsengehandelten Instrumente. Stattdessen handelt es sich bei Swaps um maßgeschneiderte Kontrakte, die auf dem außerbörslichen Markt zwischen privaten Parteien gehandelt werden. Großunternehmen und Finanzinstitute dominieren den Zinsswap-Markt, und nur wenige (wenn überhaupt) Privatanleger nehmen daran teil. Da Swaps auf dem außerbörslichen Markt gehandelt werden, besteht immer das Risiko, dass eine Gegenpartei ausfällt.

Der erste Zinsswap fand 1981 zwischen IBM und der Weltbank statt. Trotz ihrer relativen Jugend sind Swaps immer beliebter geworden. 1987 berichtete die International Swaps and Derivatives Association, dass der Swap-Markt einen Nominalwert von 865,6 Milliarden US Dollar betragen würde. Nach Angaben der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich lag dieser Wert Mitte 2006 bei über 250 Billionen US Dollar. Das ist mehr als das 15-fache des US-amerikanischen Aktienmarktes.

Arten von Zinsswaps

  1. Währungsreine Swaps

Währungsreine Swaps sind Swaps, bei denen dieselbe Währung für die Zahlungsflüsse zwischen den Geschäftspartnern benutzt wird.

Der häufigste und einfachste Swap ist ein “Plain Vanilla” Zinsswap. Bei diesem Swap verpflichtet sich Partei A, Partei B an bestimmten Terminen über einen bestimmten Zeitraum einen festgelegten Zinssatz für einen Kapitalbetrag zu zahlen. Gleichzeitig erklärt sich Partei B damit einverstanden, Zahlungen auf der Grundlage eines variablen Zinssatzes an Partei A für denselben Nennwert zu denselben festgelegten Terminen über denselben festgelegten Zeitraum zu leisten.

Bei einem einfachen Plain Vanilla Zinsswap werden die beiden Zahlungsströme in derselben Währung ausgezahlt. Die angegebenen Zahlungstermine werden als Abrechnungstermine und die Zeiten dazwischen als Abrechnungszeiträume bezeichnet. Da Swaps maßgeschneiderte Verträge sind, können Zinszahlungen jährlich, vierteljährlich, monatlich oder in jedem anderen von den Parteien festgelegten Intervall erfolgen.

Zum Beispiel schließen das Unternehmen A und das Unternehmen B am 31. Dezember 2008 einen Fünfjahres-Swap mit den folgenden Bedingungen ab:

  • Das Unternehmen A zahlt dem Unternehmen B Zinsen in Höhe von 3,8% pro Jahr in Bezug auf einen Nennbetrag von 20 Millionen Euro.
  • Das Unternehmen B zahlt dem Unternehmen A einen Betrag in Höhe eines einjährigen LIBOR zuzüglich 1% pro Jahr bei einem Nennbetrag von 20 Millionen Euro.

Der LIBOR (London Interbank Offer Rate) ist der Referenzzinssatz im internationalen Interbankengeschäft auf den Eurodollarmärkten. Der Markt für Zinsswaps verwendet häufig (aber nicht immer) den LIBOR als Basis für den variablen Zinssatz.

Es wird an dieser Stelle angenommen, dass beiden Parteien ihre Zahlungen jährlich am 31. Dezember tätigen, beginnend im Jahr 2009 und endend im Jahr 2013.

Ende 2009 zahlt das Unternehmen A dem Unternehmen B 20.000.000 Euro x 3,8% = 760.000 Euro.

Am 31. Dezember 2008 betrug der einjährige LIBOR ca. 3,06%. Daher zahlt das Unternehmen B dem Unternehmen A 20.000.000 Euro x (3,06% + 1%) = 812.000 Euro.

Bei einem einfachen Plain Vanilla Zinsswap wird der variable Zinssatz normalerweise zu Beginn des Abrechnungszeitraums festgelegt. In der Regel ermöglichen Swap-Kontrakte die Aufrechnung von Zahlungen, um unnötige Zahlungen zu vermeiden. In diesem Beispiel zahlt das Unternehmen B 52.000 Euro an das Unternehmen A, und das Unternehmen A zahlt nichts (812.000 Euro – 760.000 Euro = 52.000 Euro). Das Kapital von 20 Millionen Euro wechselt zu keinem Zeitpunkt den Besitzer, weshalb es manchmal als “fiktiver” Nennbetrag bezeichnet wird.

  1. Nicht Währungsreine Swaps

Beim einfachen nicht währungsreinen Swap werden Kapital- und Festzinszahlungen für ein Darlehen in einer Währung gegen Kapital- und Festzinszahlungen für ein ähnliches Darlehen in einer anderen Währung getauscht. Im Gegensatz zu einem währungsreinen Zinsswap werden die Parteien eines Währungsswaps zu Beginn und am Ende des Swaps Nennbeträge tauschen. Die beiden angegebenen Nennbeträge werden unter Berücksichtigung des Wechselkurses zum Zeitpunkt der Swap-Eröffnung so festgelegt, dass sie ungefähr den gleichen Wert aufweisen.

Beispielsweise schließen das US-amerikanische Unternehmen C und das europäische Unternehmen D einen fünfjährigen Währungsswap für 50 Millionen US Dollar ab. Angenommen, der Wechselkurs beträgt zu diesem Zeitpunkt 1,25 US Dollar je Euro (1 US Dollar ist dann 0,80 Euro wert). Erstens werden die Unternehmen ihre Nennbeträge tauschen. Das Unternehmen C zahlt also 50 Millionen US Dollar und das Unternehmen D 40 Millionen Euro. Dies befriedigt den Bedarf jedes Unternehmens an Kapital in Fremdwährung (was der Grund für den Swap ist).

In den im Swap-Vertrag festgelegten Abständen tauschen die Parteien Zinszahlungen auf ihre jeweiligen Kapitalbeträge. Es wird an dieser Stelle angenommen, dass diese Zahlungen jährlich geleistet werden, beginnend ein Jahr nach dem Tausch des Kapitals. Da das Unternehmen C Euro geliehen hat, muss es Zinsen in Euro auf der Grundlage eines Euro-Zinssatzes zahlen. Ebenso zahlt das Unternehmen D, das Dollars geliehen hat, Zinsen in US Dollar, basierend auf einem Dollarzins. In diesem Beispiel wird angenommen, dass der vereinbarte Zinssatz auf den Nennbetrag in US Dollar 6% beträgt und dass der Zinssatz auf den Nennbetrag in Euro 3,5% beträgt. Das Unternehmen C zahlt daher jedes Jahr 40.000.000 Euro x 3,50% = 1.400.000 Euro an das Unternehmen D. Das Unternehmen D zahlt an das Unternehmen C 50.000.000 US Dollar x 6% = 3.000.000 US Dollar.

Schließlich tauschen die Parteien am Ende des Swaps (in der Regel auch am Tag der letzten Zinszahlung) die ursprünglichen Nennbeträge zurück. Diese Rückzahlungen bleiben von den Wechselkursen zum jeweiligen Zeitpunkt unberührt. Das Unternehmen C zahlt entsprechend 40 Millionen Euro an das Unternehmen D zurück und das Unternehmen D zahlt an das Unternehmen C 50 Millionen US Dollar zurück.

Für wen sind Zinsswaps gedacht?

Die Gründe für die Verwendung von Swap-Verträgen lassen sich in zwei grundlegende Kategorien einteilen: kommerzielle Bedürfnisse und komparativer Vorteil. Die normale Geschäftstätigkeit einiger Unternehmen führt zu bestimmten Arten von Zins– oder Währungsrisiken, die durch Swaps gemindert werden können. Angenommen, eine Bank zahlt einen variablen Zinssatz für Einlagen (z. B. Verbindlichkeiten) und verdient einen festen Zinssatz für Kredite (z. B. Vermögenswerte). Dieses Missverhältnis zwischen Aktiva und Passiva kann Schwierigkeiten verursachen. Die Bank könnte einen Swap mit fester Vergütung verwenden (einen festen Zinssatz zahlen und einen variablen Zinssatz erhalten), um ihre festverzinslichen Vermögenswerte in Vermögenswerte mit variablem Zinssatz umzuwandeln, was gut zu ihren variablen Verbindlichkeiten passen würde.

Einige Unternehmen verfügen über einen komparativen Vorteil beim Erwerb bestimmter Finanzierungsarten. Dieser komparative Vorteil gilt jedoch möglicherweise nicht für die gewünschte Finanzierungsart. In diesem Fall kann das Unternehmen die Finanzierung erwerben, für die es einen komparativen Vorteil hat, und diese dann mit einem Swap in die gewünschte Finanzierungsart umwandeln.

Angenommen ein großes US-amerikanisches Unternehmen möchte seine Aktivitäten nach Europa ausbreiten, wo es noch nicht so bekannt ist. Es wird wahrscheinlich günstigere Finanzierungsbedingungen in den USA erhalten. Durch den Einsatz eines Währungsswaps erhält das Unternehmen einen Betrag in Euro, den es zur Finanzierung seiner Expansion in Europa benötigt.

Beenden einer Swap-Vereinbarung

Manchmal muss eine der Swap-Parteien den Swap vor dem vereinbarten Kündigungstermin verlassen. Dies ähnelt einem Anleger, der börsengehandelte Futures- oder Optionskontrakte vor Ablauf verkauft. Es gibt vier grundlegende Methoden, dies zu tun:

Methode Nummer 1: „Buy-Out“ der Gegenpartei. Genau wie ein Options- oder Terminkontrakt hat ein Swap einen kalkulierbaren Marktwert, sodass eine Partei den Vertrag kündigen kann, indem die andere Partei diesen Marktwert zahlt. Dies läuft jedoch nicht automatisch. Entweder muss dies im Swap-Vertrag im Voraus festgelegt werden, oder die Partei, die dies wünscht, muss die Zustimmung der Gegenpartei einholen.

Methode Nummer 2: Einen gegenläufigen Swap eingehen. Das Unternehmen A aus dem obigen Zinsswap-Beispiel könnte einen zweiten Swap eingehen und dabei einen festen Zinssatz erhalten und einen variablen Zinssatz zahlen.

Methode Nummer 3: Verkauf des Swaps an eine andere Partei. Da Swaps einen kalkulierbaren Wert haben, kann eine Partei den Vertrag an eine dritte Partei verkaufen. Wie bei der Methode Nummer 1 erfordert dies die Erlaubnis der Gegenpartei.

Methode Nummer 4: „Swaption“ verwenden. Eine Swaption ist eine Option für einen Swap. Der Kauf einer Swaption würde einer Partei ermöglichen, einen potenziell gegenläufigen Swap zum Zeitpunkt der Ausführung des ursprünglichen Swaps einzurichten, aber nicht abzuschließen. Dies würde einige der mit Methode Nummer 2 verbundenen Marktrisiken verringern.

Fazit: Außerbörsliche Derivate für große Marktteilnehmer

In der Finanzbranche ist ein Swap ein Derivat, bei dem zwei Parteien Zinszahlungen in Bezug auf einen Nennbetrag tauschen. Von den beiden Zahlungsströmen ist ein Wert fest und einer variabel und diese Werte beruhen auf einem Zinssatz oder einem Wechselkurs.

Swaps sind maßgeschneiderte Kontrakte, die außerbörslich gehandelt werden, im Gegensatz zu Optionen und Futures, die an einer öffentlichen Börse gehandelt werden.

Die einfachen „Plain Vanilla“-Zinsswaps und Währungsswaps sind die beiden häufigsten und grundlegendsten Arten von Swaps.

Swap-Verträge können einfach an die Bedürfnisse aller Parteien angepasst werden. Sie bieten gewinnbringende Vereinbarungen für die Teilnehmer, einschließlich Vermittlern wie Banken, die die Transaktionen erleichtern.

Obwohl Zinsswaps nur außerbörslich gehandelt werden, existieren einige Mechanismen, damit sich eine Partei von einem Swap-Vertrag befreien kann. Manche dieser Mechanismen erfordern jedoch die Zustimmung der Gegenpartei.

Optionsschein NachschusspflichtDie Optionsschein Nachschusspflicht erklärt, welche Kosten einen bei Optionsscheinen erwarten. › mehr lesen


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
ludwig-eric
Von: Eric Ludwig. Über den Autor

Eric Ludwig (Jahrgang 1978) ist Chefanalyst und Chefredakteur des „Optionen-Strategen – dem Markt 2 Schritte voraus“. Durch seine hohe Affinität zu analytischen Methoden und Zahlen hat er diese einzigartige Strategie mit Credit Spreads entwickelt, die von jedermann systematisch und gewinnbringend eingesetzt werden kann.