Zinswende ist nicht in Sicht: Was bedeutet das für Anleger?

Die Zinswende in der EU lässt weiter auf sich warten, Anleger müssen sich wohl noch länger mit niedrigen Zinsen abfinden. (Foto: totojang1977 / Shutterstock.com)

Allein zwischen 2010 und Ende 2016 haben deutsche Sparer aufgrund der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) und entgangene Zinsen rund 344 Mrd. € verloren – zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der DZ Bank.

Rechnet man Gewinne durch niedrige Kreditkosten (144,7 Mrd. €) an, ergibt sich immerhin noch ein Wertverlust von rund 200 Mrd. € für die deutschen Sparer, die ihr Geld hauptsächlich auf Sparkonten, in Festgeldprodukten, Versicherungen und Anleihen angelegt haben.

Eine Besserung ist nicht in Sicht, denn EZB-Chef Mario Draghi ist nicht gewillt, die Zinsen deutlich anzuheben. Darum müssen sich Sparer weiter mit einem Leitzinssatz von null Prozent auseinandersetzen, eine schnelle Zinswende ist vorerst nicht in Sicht.

Gründe, warum die Zinswende weiter auf sich warten lässt

Zwar haben sich die Konjunkturperspektiven in der Eurozone zuletzt spürbar aufgehellt – Länder wie Spanien, Italien und Griechenland verzeichnen wieder ein Wirtschaftswachstum – allerdings ist ein wichtiges Kriterium der Währungshüter nach wie vor nicht erfüllt.

  • Die Inflationsrate ist zu niedrig. Mittelfristig strebt die EZB eine Teuerungsrate von knapp 2,0 % an. Zuletzt lag die Inflationsrate in der Europäischen Union (EU) bei ca. 1,5 % (Quelle: Statista).
  • Wirtschaftswachstum lässt nach wie vor zu wünschen übrig. Zwar ist das Wachstum in der Eurozone zu Jahresbeginn leicht angesprungen, insgesamt rechnet die OECD in 2017 mit einem Wirtschaftswachstum von 1,8 % und im Jahr 2018 ebenfalls mit einem Wachstum von 1,8 %. Zum Vergleich: Im Vorjahr war Europas Wirtschaft noch um 1,9 % gewachsen, in Japan wuchs die Wirtschaft im zweiten Quartal 2017 um 4 %.
  • Schuldenproblematik nicht gebannt. Durch die anziehende Konjunktur haben sich zwar die Risiken im Hinblick auf die Preisentwicklung und die Schuldensituation etwas verringert, doch könnten stark anziehende Zinsen Banken und EU-Staaten erneut in Schieflage bringen.

Im Juni leitete die EZB zum Beispiel ein Insolvenzverfahren gegen zwei große italienische Banken (Veneto Banca und Banca Popolare di Vicenza) ein, die aufgrund hoher Schulden und fauler Kredite vor dem Zusammenbruch standen.

Daneben waren alle EU-Länder zuletzt weiter im Schnitt mit 83,5 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP) verschuldet, in den großen EU-Ländern Deutschland, Großbritannien, Frankreich und Italien summierten sich die Staatsschulden zu Jahresbeginn 2017 auf jeweils über 2 Billionen €.

Fazit: Schnelle Zinswende weiter nicht in Sicht

Für Anleger und Sparer bedeuten die nach wie vor hohen EU-Staatsschulden sowie die schleppende Konjunkturerholung, dass die Zinswende wohl weiter auf sich warten lässt. Daher müssen sich Sparer und Festgeldanleger weiter auf niedrige Zinsen einstellen.

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Auch wenn die EZB auf lange Sicht die Zinsen anheben wird, auf das Zinsniveau der 1980er und 1990er Jahre, als Traumzinsen von 4 bis 5 % an der Tagesordnung waren, sollten Anleger eher nicht spekulieren – zu hoch sind derzeit einfach die Staatsschulden.

Als Ausweg bietet sich für Anleger das Aktiensparen an. Egal ob ETF-Sparplan oder ein Direktinvestment in Aktien, Unternehmensbeteiligungen versprechen langfristig höhere Renditen (7 bis 8 %) als aktuelle Festgeld- und Spareinlagen.

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Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands

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