Zweitmarkt für private Unternehmen – wie können sich Anleger beteiligen?

Anleger, die sich gerne Aktien von jungen, aufstrebenden Unternehmen wie Uber, Lyft, Spotify oder Airbnb ins Depot legen möchten, schauen immer öfter in die Röhre. Denn die weltweit wertvollsten Start-ups bleiben immer länger dem öffentlichen Kapitalmarkt (Börsen) fern und finanzieren sich stattdessen über Private Equity.

Das hat für die Jungunternehmen einen entscheidenden Vorteil:  Die Unternehmen sind so freier bei der Gestaltung ihrer Wachstumsstrategie. Der Grund: Die Start-ups unterliegen weniger Veröffentlichungspflichten (Bilanzzahlen, Quartalsberichte etc.) als börsennotierte Firmen, was unter dem Strich nicht nur mehr Flexibilität, sondern auch weniger Kosten bedeutet.

Zweitmarkt für private Unternehmen boomt

Dennoch gibt es für institutionelle Investoren eine Möglichkeit, in diese Start-ups zu investieren. Im Jahr 2014 wurde der sogenannte Nasdaq Private Market geschaffen, ein Joint Venture zwischen der New Yorker Tech-Börse Nasdaq und dem außerbörslichen Handelsplatz SharesPost. Inzwischen hat SharesPost seine Anteile an die Nasdaq verkauft.

Über die Handelsplattform Nasdaq Private Market können Anteilsscheine von Start-ups wie Uber, Snap, Airbnb und Cloudera noch vor einem möglichen Börsengang gehandelt werden.

Die Idee kommt offenbar gut an. Allein im ersten Halbjahr 2016 hat sich das Handelsvolumen auf diesem Zweitmarkt auf 554 Mio. US-Dollar verdoppelt, heißt es bei Nasdaq Private Market. In 2017 wird mit einem weiteren kräftigen Wachstum des Handelsvolumens gerechnet.

Kann jeder Unternehmensanteile am Zweitmarkt kaufen?

Ein klares Nein. Interessierte Investoren müssen die Definition für einen akkreditierten Investor erfüllen, heißt es bei SharesPost. Dies bedeutet: Der Investor muss ein Einkommen von mindestens 200.000 US-$ in zwei aufeinanderfolgenden Jahren oder ein Nettovermögen von 1,0 Mio. US-$ vorweisen können.

Durch diese Kriterien bleiben kleine Privatanleger außen vor, vielmehr ist der Zweitmarkt vor allem dafür gedacht, um Unternehmen und institutionelle Investoren aus Europa und den USA zusammenzubringen.

Was Investoren beim Handel im Zweitmarkt noch beachten müssen

Denn eine Transaktion ist meist mit Auflagen und Risiken verbunden. So sind Investoren oft dazu verpflichtet, ihre Anteilsscheine bis zum Börsengang zu halten oder zu warten, bis ein Verkauf an ein anderes Unternehmen (Übernahme) stattfindet.

Ferner begrenzen Start-ups in der Regel auch die Zahl der Anteile, die verkauft werden dürfen. So wollen Uber & Co verhindern, dass die Unternehmensbewertung verwässert wird und die Kontrolle über Firmenanteile in die Hände von unbekannten Investoren gelangt. Denn dadurch könnten zusätzliche Steuerzahlungen für das Unternehmen anfallen.

Zudem ist der Handel am Zweitmarkt für Investoren mit einer Reihe von Risiken verbunden. Zum einen stehen weniger Finanzdaten zur Verfügung, zum anderen können sich Bewertungen sehr schnell ändern. Insgesamt ist die Transparenz im Vergleich zu öffentlichen Handelsplätzen wie der New Yorker Börse oder dem deutschen Leitindex DAX deutlich geringer.

Fazit: Zweitmärkte sind vor allem für institutionelle Anleger geeignet

Zweitmärkte wie der Nasdaq Private Market sind deutlich weniger reguliert als öffentliche Märkte, gewinnen aber zunehmend an Bedeutung. Doch sind diese Märkte für Investoren auch mit höheren Risiken verbunden.

So ist der Handel in diesen Zweitmärkten bei weitem nicht so liquide wie zum Beispiel der Handel an öffentlichen Börsen. Ein schneller Verkauf der Papiere wird dadurch erschwert.

Der Handel von vorbörslichen Beteiligungen an Zweitmärkten wie dem Nasdaq Private Market ist daher in erster Linie für institutionelle Anleger geeignet, welche über das notwendige Expertenwissen über die einzelnen Unternehmen verfügen und die Risiken im Zusammenhang mit Risikoinvestments kennen, denn nicht jedes kleine Start-up schafft es auch an die Börse.

Dennoch sind auch die enormen Chancen solcher vorbörslichen Beteiligungen hervorzuheben. Schafft es eines dieser Start-ups später doch an die Börse, winken oft hohe Gewinne.

Bestes Beispiel ist der Börsengang des Cloud-Spezialisten Twilio im Vorjahr. Wurde das Start-up bei SharesPoint im Vorfeld des Börsengangs noch bei rund 1,0 Mrd. US-$ bewertet, wird das junge Unternehmen derzeit an der New Yorker Börse mit einer Marktkapitalisierung von 2,4 Mrd. US-$ gehandelt.

31. Januar 2017

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Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands

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