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2013: Deutsche Banken als Risikofaktor

Inhaltsverzeichnis

Vor fünf Jahren brach die große Investmentbank Lehman Brothers mit einem Donnerschlag zusammen. Der Kollaps riss einige andere Großbanken mit in die Tiefe. Diese katastrophalen Folgen waren offenbar unterschätzt worden.

Schlagartig stockten die weltweiten Kapitalströme. Einige Wochen lang stand nicht nur das globale Finanzsystem sondern auch die gesamte Weltwirtschaft vor dem Abgrund.

Nur durch einen beispiellosen Einsatz der Notenbanken und Regierungen mit nahezu unlimitiertem Kapital konnte der große Kollaps abgewendet werden.

Vorbei ist dieser Schock aber noch lange nicht, denn er hat tiefe Spuren hinterlassen: Die Wirtschaft der USA hängt auf Gedeih und Verderb an der Geldpolitik der Fed.

Die Eurozone rettet immer noch unaufhörlich ihre Banken und hat das Vertrauen der Kapitalmärkte dabei verloren.

Deutsche Banken sind bis heute nicht gesund

Seit der Lehman-Pleite und den Rettungsmaßnahmen für die Hypo Real Estate, die WestLB, die BayernLB & Co. bemühen sich die Geldhäuser toxische Wertpapiere und faule Kredite abzustoßen.

Das ist aber nicht so einfach, denn der Finanzmarkt reißt sich nicht gerade um die giftigen Papiere. Deshalb liegen immer noch Milliardenrisiken durch den finanziellen Giftmüll in den Büchern der Institute.

Die Ratingagenturen sind skeptisch

Analysten der US-Ratingagentur Moody’s haben dem deutschen Bankensystem im Oktober 2011 einen negativen Ausblick attestiert. Sie halten sogar eine weitere Abstufung für möglich.

Zweifellos gibt es gute Gründe, die die deutschen Banken in den Augen der Bonitätswächter zu Risikofaktoren machen. Diese haben sich sogar noch verschlimmert:

  • ·         Die deutschen Banken stehen im Vergleich mit ihren internationalen Mitbewerbern mit zu   schwachen Erträgen da. Das ist zu einem guten Teil auch einer verfehlten Politik der Banken geschuldet. Bis 2008 haftete dem Geschäft mit den Privatkunden der Muff des mühsamen „Kleinkleinwirtschaftens“ an. Man wollte die arbeitsintensiven „Peanuts“ gern loswerden und sich auf die riskanten, aber lukrativeren Investments konzentrieren. Das ist gründlich schiefgegangen. Heute traut sich kaum noch eine Bank in nennenswertem Maße zu „zocken“. Es zeigt sich, dass gerade Geldinstitute wie Sparkassen und Raiffeisenbanken, die einen großen Stamm an kleinen Privatkunden haben, wesentlich stabiler sind. Allerdings bringen die gegenwärtigen niedrigen Zinsen für Privatkredite den Banken zusätzliche Probleme.
  • ·         Die Konjunkturaussichten sind schlecht. Die gesamte Eurozone rutscht in eine Depression. Auch Deutschland wird davon erfasst. In den Medien ist das aber noch nicht ganz angekommen. Hier werden sogar Wachstumsphasen von 0,8 Prozent als „positiv“ verkauft. Und das, obwohl unser Land ein Wirtschaftswachstum von 1,5 Prozent braucht, um keine neuen Schulden mehr machen zu müssen.
  • Die riskanten Engagements der Banken sind immer noch nicht aus ihren Büchern. Viele davon werden im schwieriger werdenden Wirtschaftsumfeld wieder virulent. Dazu zählen zum Beispiel Schiffsfinanzierungen. Bei einbrechender Weltwirtschaft werden weniger Waren auf Containerschiffen rund um den Globus bewegt. Das zeigt ein Schiffs-Warenverkehr-Index deutlich an: der Baltic Dry Index bricht ein. Damit sind die Rückzahlungen der Schiffskredite in Gefahr.Überdies halten die Banken noch immer viele strukturierte und verbriefte Finanzprodukte in den Büchern. Altbestände an Staatsanleihen aus den defizitären EU-Staaten sowie Immobilienfinanzierungen in Ländern, in denen gerade die Immobilienblase platzt, liegen wie Tretminen in den Bilanzen. Allein die DZ-Bank hält faule Staatsanleihen in Höhe von sechs Milliarden Euro und verbriefte Finanzprodukte für 18 Milliarden Euro.
  • Die – vorwiegend gewerblichen – Immobilienfinanzierungen im Ausland machten im letzten Jahr bei den 10 größten deutschen Banken über 400 Milliarden Euro aus! Das entspricht dem zweieinhalbfachen ihres Kernkapitals und ist mehr als der deutsche Bundeshaushalt.
  • Die deutschen Banken könnten aber kaum noch größere Verluste auffangen. Sie segeln bereits hart am Wind. Nicht umsonst müssen die systemrelevanten Banken jetzt einen Notfallplan vorlegen. Nicht umsonst wurde der Bankenrettungsfonds Soffin verlängert.
  • Zusätzlich kommen auf die Geldhäuser deutlich strengere Vorgaben zu. Die Aufsichtsbehörden stellen weitreichende Anforderungen an Eigenkapital und Sicherheit. Das treibt die Kapitalkosten in die Höhe.Die Banken müssen ihre Geschäftsmodelle an die neuen Bedingungen anpassen. Beispielsweise sollen die risikoreichen Kapitalmarktgeschäfte von den Einlagengeschäften abgeschottet werden, um die Einlagen der Sparer und Privatkunden vor den desaströsen Auswirkungen der Casino-Zockereien zu schützen.Inwieweit die Geldinstitute diese Herausforderung meistern können, ist noch unklar.
  • Die Risikovorsorge, die die Banken für faule Kredite treiben müssen, steigt schon wieder. Der Wirtschaftsabschwung kommt zu einem sehr ungünstigen Zeitpunkt für die Institute. Arbeitslosigkeit und sinkende Umsatzzahlen treibt die Hypotheken- und Kreditnehmer wieder in die Enge. Die Zahlungsausfälle nehmen wieder zu.

Keine guten Noten für die deutschen Geldinstitute

Die Ratingagenturen teilen Noten von „a“ bis „e“ für die Finanzkraft der Banken aus. Ein „a“ bescheinigt dem Geldhaus eine „hervorragende eigene Finanzkraft“.

Ein „e“ steht für „sehr schwache eigene Finanzkraft“. Die besten Banken in Deutschland bewegten sich mit der Beurteilung „ausreichend hohe eigene Finanzkraft“ noch im sicheren Bereich.

Doch die meisten Geldhäuser baumeln mit einer „nur schwach ausgeprägten eigene Finanzkraft“-Bewertung kurz vor dem Abgrund.

Einer der großen Sorgenkinder ist die Commerzbank. Sie hält eine ansehnliche Sammlung von Pleiteländer-Staatsanleihen, Schiffskrediten und strukturierten Wertpapieren von sage und schreibe 37 Milliarden Euro in Ihren Büchern.

Musterknabe „Deutsche Bank“: Tarnen, täuschen, tricksen?

Dabei ist völlig offen, was für heimliche Bomben noch in den Tiefen der Bilanzen der Geldhäuser verborgen sind.

Wer hätte gedacht, dass das Flaggschiff der deutschen Geldinstitute, die Deutsche Bank, sich offenbar mit Lug und Trug durchgeschummelt haben soll?

Drei ehemalige Mitarbeiter des Instituts packten aus: Die Deutsche Bank habe während der Finanzkrise 2008 Verluste aus dem Handel mit Derivaten im zweistelligen Milliardenbereich in ihren Bilanzen schöngerechnet und versteckt.

Man wollte so eine Rettung durch den Staat – und damit auch dessen Bevormundung verhindern.

Sollte sich das bewahrheiten könnte der deutsche Steuerzahler Josef Ackermann fast dankbar dafür sein, dass die große Deutsche Bank damals nicht mit Steuergeldern gerettet werden musste.

Andererseits wäre ein so schwerwiegender Bilanzbetrug alarmierend. Ich frage mich: Wie viele Banken sind noch de facto bankrott und sehen nur durch geschickte Bilanztricksereien halbwegs gesund aus?

Seltsamerweise genießen Banken bei vielen Bürgern immer noch den Ruf der Solidität und Vertrauenswürdigkeit.

Die meisten glauben nach wie vor felsenfest, auf der Bank sei ihr Geld sicher, und der seriöse Bankbeamte im Anzug verkauft ihnen solide und gute Geldanlagen.

Ich hoffe, Sie gehören nicht dazu. Für 2013 gilt mehr denn je: Trauen Sie keiner Bank!