2013: Schwieriges Jahr, aber neuer DAX-Rekord

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Der DAX erreicht kurz vor Jahresende ein neues 52-Wochen-Hoch. Die Lage ist schwierig, aber das in den Kursen bereits enthalten. (Foto: Pavel Ignatov / shutterstock.com)

Der Bann ist gebrochen. Heute hat der deutsche Leitindex DAX ein neues Jahreshoch erreicht und konnte das Niveau auch bis zum Handelsende halten, obwohl es von der Wall Street in New York keinen Rückenwind gab.

Der DAX legte heute um 1,07% zu und kletterte auf 7.534 Punkte.

Die Jahresendrally kann sogar noch an Tempo gewinnen, da viele große Investoren Aktien deutlich untergewichtet haben und jetzt noch schnell bis Ende Dezember die Aktien-Quote auffüllen, damit sie im Jahresbericht nicht zugeben müssen, dass sie die Aktien-Rally verschlafen haben.

Dieser Vorgang wird auch „Window Dressing“ genannt. Kurz vor Jahresende wird das Portfolio bereinigt. Gewinner werden schnell ins eigene Depot aufgenommen, Verlierer abgestoßen.

Medien verwirren die Investoren

Viele Großanleger, die nicht oder nur gering in Aktien investiert sind, fragen sich jetzt, warum sie das Jahreshoch verpasst haben.

Eine Erklärung ist relativ einfach: In den Medien wird teilweise der Eindruck vermittelt, als ob der Weltuntergang quasi schon vor der Tür steht.

Schuldenkrise und Haushaltsstreit in den USA, Schuldenkrise mit Staatsbankrott in Europa, Wachstumsschwäche in China, geopolitische Krisenherde (Iran, Syrien). Die Liste der Horrornachrichten ist lang.

Können diese Nachrichten den DAX 1.000 oder 2.000 Punkte nach unten drücken? Natürlich! Aber diese oder ähnliche Risiken gibt es immer wieder.

Nur haben die Medien in früheren Zeiten etwas sachlicher berichtet und die Stimmung nicht so negativ beeinflusst.

Ich habe vor einiger Zeit mit einem älteren Analysten-Kollegen gesprochen. Er hat über die Euro-Krise nur gelacht. Sein Motto: Dann bekommen wir eine neue Währung, na und?

Er sagte mir, die aktuellen Krisen würden ihn nicht nervös machen. Richtig Angst habe er in den 70er-Jahren gehabt.

Der Kalte Krieg mit dem Wettrüsten, die Öl-Krisen (ohne Öl lief nichts in der westlichen Welt), Terroranschläge im Inland, die Kombination aus Inflation und Konjunkturschwäche (Stagflation). Wer die 70er-Jahre bewusst erlebt habe, könne heute ruhig schlafen.

Unternehmen verdienen gut

Dass die Stimmung schlechter ist als die wirkliche Lage, können Sie auch erkennen, wenn Sie die Unternehmensgewinne betrachten. Für Schlagzeilen sorgten fast nur die Unternehmen, die im 3. Quartal Gewinnwarnungen veröffentlicht haben.

In der Tat ist es für uns Aktionäre auch schmerzhaft, wenn eine Aktie innerhalb von Tagen oder Wochen 30% und mehr nach unten rauscht.

2 Punkte müssen jedoch beachtet werden. Zum einen ist die Zahl der Gewinnwarnungen nicht sonderlich hoch.

Die Gewinnwarnungen fallen nur stärker auf, da es 2010 und 2011 aufgrund der extrem hohen Umsatz- und Gewinnzuwächse fast keine Negativ-Ausreißer gab. Das war aber eine Ausnahmesituation. Was wir jetzt erleben, ist die Börsen-Realität.

Hinzu kommt, dass die Unternehmen noch immer prächtig verdienen. Die Quartalssaison ist vorbei und die Zahlen liegen auf dem Tisch.

Die 600 größten börsennotierten Unternehmen in Europa haben die Gewinne um durchschnittlich 15,3% gesteigert. Das erklärt auch die Kursgewinne am Aktienmarkt.

Neues DAX-Allzeithoch 2013

Von den zweistelligen Wachstumsraten werden wir uns im 4. Quartal 2012 und 1. Halbjahr 2013 verabschieden müssen. Die Konjunktureintrübung wird Spuren hinterlassen.

Wenn große Konzerne negative Zahlen veröffentlichen, kann das den Aktienmarkt 2013 zeitweise unter Druck setzen. Aber die Konjunkturschwäche ist bereits zu großen Teilen eingepreist.

So werden die DAX-Unternehmen nur mit dem zwölffachen Jahresgewinn bewertet (KGV 12). Der historische Durchschnitt liegt bei 14.

Wenn es die DAX-Konzerne also schaffen, den Gewinn 2013 auch nur zu halten, besitzt der DAX erneut ein zweistelliges Kurs-Potenzial.

Das heißt: 2013 wird kein einfaches Jahr, einige Unternehmen werden schwache Zahlen abliefern, aber der Weltuntergang wird 2013 erneut ausfallen.

Ich erwarte sogar ein neues Allzeithoch beim DAX. Dafür reicht es schon, wenn die DAX-Unternehmen ihr normales Bewertungsniveau erreichen.    

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Rolf Morrien
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands und teilt seine Expertise bereits seit rund 20 Jahren als Chefredakteur von „Morriens Depot-Brief“ (für den erfolgreichen Börsenstart), dem „Depot-Optimierer“ (Vermögensaufbau mit Value-Ansatz) und von „Rolf Morriens Power Depot“ (dynamisches Trading-Depot) sowohl mit Börseneinsteigern als auch mit ambitionierten Privatanlegern.

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