2,5 Mrd. Euro-Übernahme in Tschechien: Generali ordnet Unternehmensstruktur neu

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Die Aktie von Europas drittgrößtem Versicherer erlitt einen Kurssturz und wichtige Großaktionäre forderten den Weggang des Konzernchefs. (Foto: dominic8 / Shutterstock.com)

Der italienische Versicherungskonzern Generali hat in den vergangenen Quartalen stark unter der Finanzkrise gelitten. 2011 war das schwächste Firmenjahr seit 2002.

Die Aktie von Europas drittgrößtem Versicherer erlitt einen Kurssturz und wichtige Großaktionäre forderten den Weggang des Konzernchefs.

Am 1. August ersetzte dann Mario Greco den langjährigen Chef Giovanni Perissinotto. Greco kündigte in seiner Antrittsrede erhebliche Umstrukturierungen an, um Generali wieder in Spitze Europas zurückzuführen.

Generali drückt in Osteuropa aufs Tempo

Nachdem erste Maßnahmen bereits im November verkündet wurden, geht die Umstrukturierung jetzt in großen Schritten weiter. Als nächste Maßnahme will Generali das Joint Venture GPH komplett unter eigene Kontrolle bringen.

Für 2,5 Mrd. Euro wollen die Italiener die 49% Beteiligung des tschechischen Partners PPF übernehmen.

Der Übernahme-Kandidat ist Versicherer in 14 osteuropäischen Ländern und soll das Generali-Wachstum in der Marktregion ankurbeln.

Analysten begrüßen den Deal – Aktie legt zu

Generali wird den Deal in zwei Tranchen abwickeln. Zunächst soll ein 25%-Anteil für 1,3 Mrd. Euro übernommen werden, bis Ende 2014 soll dann der Rest für 1,2 Mrd. Euro gekauft werden.

Analysten begrüßen sowohl den zeitlich gestreckten Zukauf, als auch die eingeschlagene Strategie. Schon im Vorfeld wurde eine Entscheidung verlangt, wie es mit dem Joint Venture weitergehen soll.

In einem stärkeren italienischen Markt legt die Aktie um 1,3% zu. Seit Grecos Amtsantritt hat sich die Aktie um 40% verteuert.

40%-Anstieg nicht nur Grecos-Verdienst: Schwindende Euro-Krise treibt Versicherungsaktien

Der 40%-Anstieg des Generali-Aktienkurses ist jedoch nicht nur dem neuen Generali-Chef zu verdanken.

Grund ist eine Entspannung in der europäischen Schuldenkrise. Investoren haben wieder Vertrauen in die Gemeinschaftswährung und die Risiken für die Versicherungsbranche haben stark abgenommen.

Generali hat davon besonders stark profitiert, denn der Versicherer hält italienische Staatsanleihen in der Größenordnung von 50 Mrd. Euro.

Dennoch: Greco wurde als Feuerwehrmann gerufen und hat gute Arbeit abgeliefert. Bisher hat der Manager die hohen Erwartungen erfüllt.

Umstrukturierung noch nicht abgeschlossen

Die Umstrukturierung der Generali wird auch in den kommenden Monaten weitergehen. Am Montag wird das Unternehmen in London erste Ergebnisse der Portfolio-Überprüfung bekannt geben und weitere wichtige Schritte bekannt geben.

Mit Spannung erwarten Analysten und Investoren die weiteren Maßnahmen. Grecos Ziel ist es, die Ertragskraft wiederherzustellen und eine solide Kapitalbasis zu erreichen, sodass noch einige Überraschungen kommen könnten.

Squeeze Out bei Generali Deutschland?

Sehr spannend ist es auch für Aktionäre des Generali-Ablegers in Deutschland. Der Mutterkonzern befindet sich mit einer direkten Beteiligung von 93% an der Generali Deutschland nur knapp vor der Squeeze Out-Schwelle.

Gut möglich, dass auch hier eine richtungsweisende Entscheidung getroffen wird und Generali Deutschland vom Kurszettel verschwindet.

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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Der gewiefte Börsen-Profi Jens Gravenkötter verdankt seinen Erfolg nicht zuletzt seinem Wissen aus seiner Ausbildung zum Bankkaufmann und seinem Studium der Volkswirtschafslehre.

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