BMW geht in die Elektro-Offensive

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Die BMW-Aktie könnte zu neuen Höhen aufsteigen, wenn der geplante Umbau der gesamten Produktpalette mit mehr Stromern gelingt. (Foto: AR Pictures / shutterstock.com)

Die deutschen Autobauer sind seit geraumer Zeit erheblich in der Defensive. Nachdem seit 2009 deren Aktien stets aufwärts liefen, kam mit dem Dieselgate von VW die Wende. Der große Einbruch im März 2015 war zwar bei der BMW-Aktie und beim Papier von Daimler deutlich weniger ausgeprägt, doch seitdem kam es nach jeder Erholung zu neuen Rückschlägen.

BMW-Aktie: Unsicherheiten als Bremse

Neben Gewinnmitnahmen drückt die aufkommende Unsicherheit zur Zukunft der Antriebstechnik die Kurse. Zur Diskussion um das Aus für Verbrennungsmotoren und Fahrverbote für Dieselfahrzeuge gesellten sich kürzlich Kartellvorwürfe, nach denen sich BMW, Daimler und VW bei der technischen Regulierung von Abgaswerten abgesprochen haben sollen. Noch muss die Sache erst geprüft werden.

Bei einem negativen Ergebnis drohen BMW Kartellstrafen bis zu 5 Mrd. €. Und schon geriet die BMW-Aktie unter Druck. Dabei wurden die Münchner von Daimler mit einer vorsorglichen Selbstanzeige überholt. Überholt wurden sie aber auch von der Stuttgarter Konkurrenz schon im letzten Jahr: beim Absatz. Seitdem ist BWM nicht mehr die Nummer eins der Premiumhersteller.

Das alleine wäre kein Problem, da BMW ohnehin der kleinere Hersteller von beiden ist und mit sportlicher Note eine eigene Kundschaft bedient. Doch hier gräbt mittlerweile Audi Marktanteile ab. Hinzu kommt ein weiteres Problem: Der Anteil von Dieselautos ist höher als bei der Konkurrenz.

Was die BMW-Aktie jüngst belebte, waren etwa die Zahlen zum zweiten Quartal. Mit 25,8 Mrd. € Umsatz und 3,05 Mrd. € Gewinn vor Steuern legte der Konzern kräftig zu und konnte die Anleger überzeugen. Mehr noch: Aufs erste Halbjahr gesehen brachten 49,25 Mrd. € Umsatz einen Gewinn von 5,58 Mrd. €, was einer Marge von 11,3 % entspricht. Damit ist BWM nun profitabler als Daimler und weltweiter Spitzenreiter.

Elektrisierendes Zukunftsprogramm

Weniger erfreulich ist der jüngste Absatzeinbruch in den USA. Und dort sitzt eben auch Tesla, was zum entscheidenden Thema führt: BMW muss künftig beim Elektroantrieb punkten – und will es auch. Das gesamte Produktportfolio soll neu aufgestellt werden, und zwar in drei Kategorien: Autos mit Verbrennungsmotor, Hybridfahrzeuge und reine Elektroautos.

Gut denkbar, dass BMW mit seinem Image, Qualität und eigenen Ansätzen Tesla in die Parade fährt. Etwa mit Autos, die auf den traditionellen Fahrspaß abzielen und weniger als Computer auf Rädern daherkommen. Die Herausforderung wird darin liegen, optimale Schnittmengen bei der Produktion der verschiedenen Modelle zu finden. Das Geld für die Investitionen muss aus dem Verkauf konventioneller Fahrzeuge kommen.

Zumindest kommt BMW mit seinen bereits elektrifizierten Modellen voran. Im ersten Halbjahr wurden 42.500 Fahrzeuge dieser Kategorie verkauft – 80 % mehr als vor Jahresfrist. Tesla kam im selben Zeitraum auf 47.100 Einheiten. Allerdings ist das neue Model 3 bereits 100.000-fach vorbestellt.

Wettlauf gegen die Zeit

BMW hat derzeit nur den i3 als reines Batteriemodell. 2019 soll der vollelektrische Mini vom Band laufen, gefolgt vom X3 und dem 3er BMW. Die 5er und 7er Modelle kommen als Hybride. Und für 2021 ist das selbstfahrende iNext geplant. Das Ganze ist ein Wettlauf gegen die Zeit sowie gegen Tesla aber auch chinesische Hersteller wie BYD, die viel weiter sind als hierzulande wahrgenommen.

Dennoch: Gut vorstellbar, dass BMW mit seinen Plänen nur einen Vorgeschmack geliefert hat und mittelfristig für Überraschungen sorgt. Dass die Zukunft nicht im Batteriefahrzeug allein liegt, ist mittlerweile bekannt. Zudem schließt der Mix aus drei Modellkategorien weitere Antriebsneuerungen nicht aus. Davon abgesehen schließen nun die klassischen Autobauer ernstzunehmende Allianzen: Neben Intel hat BMW dieser Tage mit Fiat Chrysler einen neuen Partner für autonome Autos gefunden.

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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.

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