Hacker locken unaufmerksame Anleger in die Falle

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In Schweden haben Hacker die Übernahme der Sicherheitsfirma Fingerprint Cards inszeniert. (Foto: JPStock / shutterstock.com)

In Schweden haben Hacker die Übernahme der Sicherheitsfirma Fingerprint Cards inszeniert. Über den Börseninformationsdienst Cision wurde per fingierter Pressemitteilung veröffentlicht, dass der koreanische Elektronik-Konzern Samsung zugegriffen hat.

Als Kaufpreis wurden 650 Mio. Euro angegeben – rund 50% über der Fingerprint-Börsenkapitalisierung. Unmittelbar nach Bekanntgabe des vermeintlichen Deals schoss die Aktie hoch.

Die Freude unter den Aktionären hielt allerdings nicht lange. Fingerprint Cards teilte mit, dass es weder eine Übernahme noch Übernahme-Gespräche mit Samsung gab: “Die Pressemitteilung ist gefälscht.”

Amateure am Werk?

Bis zur Richtigstellung wurden etliche Aktien gehandelt. Übernahme-Jäger witterten ihre Chance und griffen zu. Es wird vermutet, dass die Falschmitteilung in betrügerischer Absicht stattfand, damit ein Investor einen guten Verkaufspreis erzielen kann.

Daraus wurde jedoch nichts und eigentlich hätte dem Internet-Betrüger klar sein müssen, dass der Betrugsversuch keine Chance hat, sobald er nennenswertes Volumen annimmt.

Die Börsenaufsicht kündigte an, dass alle Transaktionen mit Fingerprint-Aktien, die nach der manipulierten Pressemitteilung stattfanden, annulliert werden. Wer also in Hoffnung auf einen schnellen Deal eingestiegen ist, hat keinen Schaden erlitten.

Zudem dürfte das Orderbuch überprüft werden. Wenn dort Auffälligkeiten bei einem Investor festgestellt werden, ist das natürlich verdächtig. Wenn sich dann herausstellt, dass der Investor wirklich etwas mit der Sache zu tun hat, ist das eine solide Bewerbung für den dümmsten Betrugsversuch 2013.

Übernahme-Story war glaubhaft

Wer der schwedischen Sprache mächtig ist und die Mitteilung genau las, hätte angesichts der Fehler zumindest stutzig werden müssen. Doch welcher Anleger oder Analyst zweifelt schon an einer Pressemitteilung, die über einen renommierten Börseninformationsdienst ausgegeben wird.

Die Story war schlüssig. Apple hat mit dem Iphone 5C einen biometrischen Schlüssel (Fingerabdruckerkennung) – und Samsung will offenbar nachziehen. Dazu ist der gesamte Sektor in Bewegung und die Schweden galten als potenzielles Übernahme-Ziel.

Fingerprint fordert bessere Kontrolle durch Cision

Fingerprint Cards macht dem Börseninformationsdienst Cision Vorwürfe: Bei so wichtigen Pressemitteilungen hätte Cision das Unternehmen anrufen müssen, um sich eine telefonische Bestätigung durch den Chef oder Finanzvorstand geben zu lassen.

Fingerprint wusste da noch nicht, dass Cision dies machte. Dumm nur, dass sich unter der angerufenen Telefonnummer jemand als Fingerprint-Chef ausgab, der nichts mit der Firma zu tun hat. “Gegen Betrug ist man nie zu 100% sicher” teilte der Cision-Chef Magnus Thell mit. Zukünftig wolle das Unternehmen die Sicherheitsstandards erhöhen. Vielleicht hilft da ein Gespräch mit der geschädigten Fingerprint.

So könnte der Betrug ausgesehen haben

Alles also nur der dumme Betrugsversuch eines Investors? Vielleicht Hacker, die nur “spielen wollten” ? Oder irgendwelche Idealisten, die sich von der Branche auf die Füße getreten fühlten? Vermutlich nicht. Der Übernahme-Sensor geht davon aus, dass hier sehr clever betrogen wurde, um sich auf Kosten anderer zu bereichern. Wie oben geschrieben, geht das nicht mit Fingerprint-Aktien.

Der Betrug funktioniert jedoch, wenn ich in der Branche bei den weltweiten Konkurrenten positioniert bin. Denn nach der Falschmitteilung stiegen aufgrund des vermeintlich großzügigen Übernahme-Preises auch viele Aktien andere Sicherheits-Unternehmen deutlich an – und diese Deals können nicht zurück abgewickelt werden.

Der Gewinn ist dann natürlich geringer, doch wer viel investiert hat, für den lohnen auch einstellige Prozent-Anstiege. Für Investoren bedeutet das: Die Augen immer schön offen halten und im Zweifel eine Neu-Information erst einmal sacken lassen – auch wenn solche Meldungen sehr selten sind.

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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Der gewiefte Börsen-Profi Jens Gravenkötter verdankt seinen Erfolg nicht zuletzt seinem Wissen aus seiner Ausbildung zum Bankkaufmann und seinem Studium der Volkswirtschafslehre.

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