Aktien besser als geschlossene Fonds: Gründe und Erklärungen

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Erfahren Sie jetzt, warum Aktien besser sind als geschlossene Fonds und die Details über den Anlageskandal rund um Wölbern Invest. (Foto: gopixa)

Aktienmärkte unterliegen teils großen Schwankungen.

So legte der deutsche Leitindex DAX z. B. zu Beginn des Börsenjahres 2015 zunächst innerhalb kürzester Zeit um über 20% zu, um dann kurz darauf wieder rund 5% abzugeben.

Wiederum nicht viel später folgte dann die Gegenbewegung und der DAX notierte bereits fast wieder bei 12.000 Punkten.

Trotz der teils großen Schwankungen sind Aktien angesichts der niedrigen Zinsen ein wichtiger Depot-Baustein.

Auf ein anderes Anlage-Instrument können dagegen 99% der Anleger sehr gut verzichten:

Es handelt sich dabei um die sogenannten geschlossenen Fonds.

Ein Skandal innerhalb der Branche, der im Anfang 2015 für Schlagzeilen sorgte, ist das beste Beispiel dafür.

Hintergründe des jüngsten Wölbern Invest-Skandals

Heinrich Maria Schulte, langjähriger Chef und Eigentümer von Wölbern Invest, wurde am 20. April 2015 zu 8,5 Jahren Gefängnis verurteilt.

Dieses Urteil war der vorläufige Schlusspunkt des wahrscheinlich größten Skandals im Bereich der geschlossenen Fonds in Deutschland.

Der Vorsitzende Richter sah es als erwiesen an, dass Schulte 147 Mio. € an Anlegergeldern veruntreut hat. Immerhin: 31 Mio. € davon soll er wieder zurückgeführt haben. Doch was war davor passiert?

Insgesamt hatten zuvor rund 30.000 Anleger in geschlossene Immobilien-Fonds des Initiators Wölbern Invest investiert.

Solche gestückelten Beteiligungen an Häusern, Schiffen oder Windparks sind in Deutschland so beliebt wie nirgendwo sonst auf der Welt.

100 Mrd. € haben deutsche Sparer in geschlossene Fonds gesteckt. Es handelt sich dabei um schwach regulierte Produkte des sogenannten grauen Kapitalmarktes.

Das Problem der fehlenden Transparenz

Wie konnte es im Fall Wölbern zu der Veruntreuung einer solch hohen Summe kommen und – fast noch wichtiger – warum wurde dies erst so spät offiziell bekannt, obwohl der Verdacht schon eine ganze Weile vorher im Raum stand?

Einer der wesentlichen Gründe dafür liegt in der Gesellschafts-Form, die üblicherweise bei geschlossenen Fonds zum Einsatz kommt: Es handelt sich dabei um das Konstrukt der GmbH & Co. KG.

Im Fall Wölbern dauerte es aufgrund rechtlicher Hürden 2 Jahre, bis der finanzielle Aderlass (also das Räumen der Gesellschafts-Konten durch Schulte) gestoppt werden konnte.

Hinzu kommt, dass sich die Finanzaufsichts-Behörde BaFin hier nicht zuständig fühlte. „Hätten die Behörden früher reagiert, hätten wir Anleger noch viele Millionen mehr“, ist sich einer der Geschädigten im Wölbern-Skandal sicher.

Was weiterhin gegen geschlossene Fonds spricht

Neben der Tatsache, dass geschlossene Fonds nur wenig reguliert sind, sprechen auch die hohen Kosten gegen eine Investition in eine solche Anlageform.

Denn: Bei Abschluss eines derartigen Geschäfts werden teilweise Kosten in Höhe von bis zu 30% fällig.

Konkretes Beispiel:

Wenn Sie 10.000 € in einen geschlossenen Immobilien-Fonds investieren wollen, werden bei einer Kostenbelastung von 30% nur 7.000 € in Anteile des Fonds investiert.

Das restliche Geld fließt größtenteils in horrende Vermittler-Provisionen. Eine derart hohe Kostenbelastung ist bei Investitionen in geschlossene Fonds zwar nicht die Regel, aber mit Kosten von über 10% müssen Sie häufig rechnen.

Fazit: Aktien sind transparenter und günstiger

Aus meiner Sicht ist die Aktie der klare Punktsieger in diesem Vergleich. Zwar unterliegen Aktien teils größeren Wertschwankungen, dafür sind Aktien wesentlich günstiger und auch transparenter.

Zur Transparenz: Bei einer börsengehandelten Aktie können Sie die Wertentwicklung jeden Tag verfolgen. Sie können jederzeit sehen, was Ihnen die Aktie im jeweiligen Moment bringen würde.

Bei geschlossenen Fonds ist dies nicht möglich. Dort kann es vorkommen, dass Sie überraschend einen Brief erhalten, in dem steht, dass Ihre Beteiligung wertlos oder so gut wie wertlos ist.

Zu den Kosten: Wie bereits erwähnt, liegt die Kostenbelastung bei geschlossenen Fonds teilweise deutlich im 2-stelligen Bereich.

Aktien dagegen können Sie spesengünstig über einen Online-Broker kaufen und verkaufen. Hier arbeitet die volle Anlagesumme für Sie.

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Rolf Morrien
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands und teilt seine Expertise bereits seit rund 20 Jahren als Chefredakteur von „Morriens Depot-Brief“ (für den erfolgreichen Börsenstart), dem „Depot-Optimierer“ (Vermögensaufbau mit Value-Ansatz) und von „Rolf Morriens Power Depot“ (dynamisches Trading-Depot) sowohl mit Börseneinsteigern als auch mit ambitionierten Privatanlegern.

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