Wie Index-Anpassungen an der Börse funktionieren

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Der DAX gilt als Königsklasse der Indizes. Doch nicht jedes Unternehmen kommt hinein oder kann sich dort halten. Doch nach welchen Kriterien wird entschieden? (Foto: wip-studio/AdobeStock)

Dass Aktienkurse an den Börsen einem stetigen Auf und Ab unterliegen ist nichts Neues und wird von jedem Anleger erwartet. Häufig jedoch bleibt unklar, warum ein Unternehmen – selbst bei stabilen Kursen – plötzlich aus einem Börsenindex in einen anderen wechselt.

Da trifft es zum Beispiel auch mal gut laufende Unternehmen wie den deutschen Großküchenausstatter Rational, der vom MDax in den SDax wechselte. Ein solcher Wechsel muss aber nicht unbedingt negativ sein.

Die Auf- und Abstiegskriterien

Grundsätzlich gibt es zwei Kriterien, die über den Auf- oder Abstieg im DAX entscheiden. Dabei handelt es sich um den Börsenumsatz (Wert der täglich gehandelten Aktien) und die Streubesitz-Marktkapitalisierung (Börsenwert des Unternehmens unter Berücksichtigung des Streubesitzes). Zum Streubesitz zählen die Aktien, die nicht Großaktionären zuzurechnen sind.

Rechtlich gesehen werden Aktienbeteiligungen, die 5% oder mehr des auf eine Aktiengattung entfallenden Grundkapitals betragen, als Festbesitz betrachtet und zählen somit nicht zum Streubesitz.

Aktien, die in einem der bedeutenden Indizes der Deutschen Börse AG gelistet sind, müssen über einen Streubesitz von mindestens 5% verfügen.

Diese Regelung ist übrigens der Grund dafür, warum ein Milliardenkonzern wie die Audi AG nicht in einem der Indizes gelistet ist. Denn die Volkswagen AG hält rund 99% der Anteile an Audi.

Daneben gibt es jeweils vier Regeln für einen Auf- und Abstieg. Diese möchte ich Ihnen jetzt vorstellen:

1.) Die Fast-Entry-Regel:

Ein Unternehmen wird neu in den DAX aufgenommen, wenn es nach beiden Kriterien mindestens zu den 25 größten Unternehmen zählt. Aus dem DAX scheidet dann jener Wert aus, welcher nach mindestens einem der beiden Kriterien einen Rang schlechter als 35 (falls ein solcher existiert) ist und die niedrigste Marktkapitalisierung aufweist.

2.) Die Regular-Entry-Regel:

Ein Unternehmen wird neu in den DAX aufgenommen, wenn es nach beiden Kriterien mindestens zu den 30 größten Unternehmen zählt und sofern ein Indexwert existiert, der nach mindestens einem der beiden Kriterien nicht mehr zu den 35 größten Unternehmen zählt.

3.) Die Fast-Exit-Regel:

Ein Unternehmen wird aus dem DAX genommen, wenn es nach einem der beiden Kriterien (Börsenumsatz oder Marktkapitalisierung) nicht mehr zu den 45 größten Unternehmen gehört, ein Nicht-Index-Wert aber bei der Marktkapitalisierung mindestens Rang 35 und beim Börsenumsatz mindestens Rang 45 erreicht.

4.) Die Regular-Exit-Regel:

Ein Unternehmen wird aus dem DAX genommen, wenn es nach einem der beiden Kriterien nicht mehr zu den 40 größten Unternehmen gehört, ein Nicht- Index-Wert aber in beiden Kriterien mindestens Rang 35 erreicht.

An diesen Terminen werden die Auf- und Absteiger ermittelt

Kommen wir jetzt zu der Frage nach dem Zeitpunkt: Nur jeweils zum ordentlichen Anpassungstermin im September werden alle vier Regeln angewendet.

Die Fast-Exit- und Fast-Entry-Regel werden dagegen auch an den außerordentlichen Anpassungsterminen im März, Juni und Dezember angewendet. Außerordentliche Aktualisierungen werden außerdem zum Beispiel im Fall von Insolvenzen eines Unternehmens vorgenommen.

Zudem kann in Ausnahmefällen, wie zum Beispiel kurzfristig angekündigte Übernahmen oder signifikante Veränderung des Freefloat (Aktienstreubesitz), der Vorstand der Deutsche Börse AG in Abstimmung mit dem Arbeitskreis Aktienindizes von diesen Regeln abweichen.

Warum die Rational AG aus dem MDax flog

Jetzt zu der Frage, warum Rational den MDax verlassen muss und ab dem 22. September 2014 „nur“ noch im SDax geführt wird. Der Grund dafür ist, dass der Streubesitz bei Rational nur noch knapp 29% beträgt.

Der Abstieg von Rational hat also nichts mit operativer Schwäche zu tun. Ganz anders sieht es aus, wenn der Aktienkurs eines Unternehmens deutlich einbricht und die Streubesitz-Marktkapitalisierung deshalb deutlich kleiner wird.

Denn die Streubesitz-Marktkapitalisierung ist nichts anderes als die Summe aller frei handelbaren Aktien multipliziert mit dem Aktienkurs. Wenn der gerade beschriebene Sachverhalt ursächlich ist für den Abstieg aus einem Index, so ist dieser Abstieg – anders als der von Rational – negativ zu bewerten und kommt somit einem sportlichen Abstieg gleich.

Fazit: Index-Anpassungen sorgen für den langfristigen Erfolg der Indizes

Die Index-Anpassungen sorgen unter anderem dafür, dass erfolglose Unternehmen die großen Indizes verlassen müssen und aufstrebende Unternehmen nachrücken. Das ist einer der Gründe dafür, warum die Indizes langfristig immer steigen. Die „Bremsen“ werden entfernt.

Eine wichtige Anmerkung noch an dieser Stelle: Wenn ein Unternehmen bzw. die Aktie eines Unternehmens aus einem Index absteigt, bedeutet das – wie ich bei Rational schon angedeutet habe – keinesfalls, dass das Unternehmen erfolglos ist.

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Rolf Morrien
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands und teilt seine Expertise bereits seit rund 20 Jahren als Chefredakteur von „Morriens Depot-Brief“ (für den erfolgreichen Börsenstart), dem „Depot-Optimierer“ (Vermögensaufbau mit Value-Ansatz) und von „Rolf Morriens Power Depot“ (dynamisches Trading-Depot) sowohl mit Börseneinsteigern als auch mit ambitionierten Privatanlegern.

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