Börsenneulinge sind kein Selbstläufer

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Immer mehr Unternehmen wollen an die Börse. Das Anlegerinteresse ist groß. Kursgewinne sind bei den Neulingen jedoch keineswegs garantiert. (Foto: MaximP / shutterstock.com)

Am Montag ging Novem, ein Hersteller von Autozierteilen, an die Frankfurter Börse. Der Start war eher verhalten. Gegenüber dem Emissionspreis hat sich der Aktienkurs bislang nicht bewegt.

Damit setzt sich eine wahre Flut von Neuemissionen in diesem Jahr fort. Immer mehr Unternehmen wollen an die Börse. Und wie ich mitbekommen habe, ist auch das Interesse vieler Anleger an den Börsengängen groß. Deshalb möchte ich Ihnen heute einen Überblick über die aktuelle Entwicklung am Markt für Neuemissionen geben.

Rekordvolumen im ersten Halbjahr

Der Markt für Neuemissionen (der englische Begriff lautet “Initial Public Offering”, kurz IPO) boomt wie lange nicht. Im ersten Halbjahr belief sich das Emissionsvolumen der Börsengänge in Frankfurt auf knapp 9 Mrd. Euro – ein neuer Rekord. Der bisherige Bestwert lag in den ersten sechs Monaten 2018 bei 7,3 Mrd. Euro. Im ersten Halbjahr 2020 war das Volumen noch auf 1,1 Mrd. Euro eingebrochen.

Der Grund für das große Interesse am Gang aufs Parkett sind laut dem Wirtschaftsprüfer EY die hohe Liquidität an den Märkten, das Niedrigzinsumfeld und die positiven Konjunkturaussichten. Hinzu kommt ein gewisser Nachholeffekt. 2020 waren viele IPOs durch das infolge der Pandemie sehr volatile Marktumfeld ausgebremst worden.

Hält der positive Trend an, dürfte im Gesamtjahr der bisherige Rekord aus dem Jahr 2018 geknackt werden. Seinerzeit hatte es in Frankfurt 18 Börsengänge mit einem Gesamtvolumen von 11,35 Mrd. Euro gegeben.

Auch international boomt der IPO-Markt. Weltweit gingen 790 Unternehmen an die Börse. Das Gesamtvolumen der Neuemissionen belief sich dabei auf über 172 Mrd. Euro.

Durchwachsene Bilanz

Der bislang größte Börsengang des Jahres in Deutschland war Vantage Towers, die Funkturmsparte des Telekom-Konzerns Vodafone, mit einem Volumen von 2,3 Mrd. Euro. Dahinter folgen der Online-Gebrauchtwagenhändler Auto1 mit 1,8 Mrd. Euro und der Software-Anbieter Suse mit 1,1 Mrd. Euro.

Die Bilanz für die Anleger fällt bis dato aber eher durchwachsen aus. Lediglich die Aktie von Vantage Towers hat sich bislang erfreulich entwickelt und notiert 24% über dem Ausgabepreis. Die Auto1-Aktie liegt nur knapp darüber. Die Notierung von Suse hat im Vergleich zum Emissionspreis sogar um 8% nachgegeben.

Neuemissionen sind kein Selbstläufer

Sie sehen, Kursgewinne sind bei den Börsenneulingen keineswegs garantiert. Trotz des Booms ist für Sie als Anleger bei Neuemissionen grundsätzlich Vorsicht angebracht. Zahlen zum Unternehmen liegen zwar vor. Wie sich ein Börsenneuling dann im Handel schlägt, lässt sich aber kaum seriös prognostizieren.

Für mich als Anhänger der Charttechnik ist es angesichts der fehlenden Börsenhistorie ohnehin kaum möglich, ein Unternehmen, das neu an die Börse kommt, vernünftig zu beurteilen. Aus meiner Sicht sind etablierte Unternehmen, die sich schon seit einiger Zeit an der Börse bewiesen haben, meist die bessere Wahl.

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Michael Kelnberger
Von: Michael Kelnberger. Über den Autor

Chefanalyst Michael Kelnberger ist der Experte für Aktien. Er setzt auf nachweislich erfolgreiche Anlage-Strategien: Die Trend-Strategie im Dienst Volltreffer Aktien und die mechanische Handlungsstrategie im Ranglisten Investor. So erzielt er für seine Leser beider Dienste stets überdurchschnittliche Renditen. Profitieren auch Sie von seinem Know-How.

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