Für Ihren Anlageerfolg: Wie Sie Börsenfallen vermeiden

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Das sogenannten „Frontrunning“ ist eine Betrugsmasche bei der wertlose Aktien angepriesen werden. Wie können Sie sich davor schützen? (Foto: Denis Linine / shutterstock.com)

Leider ist es so, dass sich überall dort, wo Menschen Geld investieren möchten um es zu vermehren, Leute tummeln, die es mit betrügerischen Mitteln „abgreifen“ wollen. Deshalb widme ich mich einem unschönen, aber doch leider sehr relevanten Thema. Es könnte mit „Nepper, Schlepper, Bauernfänger“ umschrieben werden.

Vielleicht haben Sie schon einmal vom sogenannten „Frontrunning“ gehört. Diese Betrugsmasche wird in den USA auch als „Pump and Dumb“ bezeichnet und ist leider immer wieder auch in Deutschland zu beobachten. Wie genau so etwas abläuft und wie Sie sich davor schützen können, erfahren Sie heute hier.

Wie funktioniert Frontrunning und was genau ist das?

Ich möchte Ihnen den Ablauf anhand eines konkreten Beispiels schildern. Es handelt sich dabei um eine wahre Begebenheit, die sich in Deutschland abgespielt hat. Die Betrugsmasche sieht wie folgt aus:

Die Verdächtigen kaufen im Ausland – oft in den USA oder in Kanada – für ein paar Dollar wertlose börsennotierte Pleite-Unternehmen. Die Unternehmen erhalten dann zunächst einmal einen neuen Namen. Im Anschluss wird behauptet, dass diese Unternehmen in „heißen“ Boom-Branchen (oft Rohstoffe) tätig sind, und es wird in kostenlosen Internet-Börsendiensten per Fax oder Anruf fleißig die Werbetrommel gerührt.

Die wertlosen Aktien werden als die neuen Stars am Börsenhimmel ausgegeben und zum Kauf empfohlen. Wenn dann genug schlecht informierte Privatanleger die Aktien gekauft haben und der Kurs entsprechend steil gestiegen ist, werden die an sich wertlosen Aktien von den Betrügern teuer über die Börse verkauft.

Dies ist kein Problem, da es (selbst nach einem ersten rasanten Kursanstieg) noch immer genügend Interessenten für die „Kursraketen von morgen“ gibt. Diejenigen, die die Aktien noch im Depot haben, wenn sich herausstellt, dass es sich um Aktien wertloser Unternehmen handelt, müssen oft Totalverluste hinnehmen.

Die Opfer verlieren die komplette Summe, die sie in den Traum vom schnellen Reichtum investiert haben. Dieser Ablauf beschreibt das Prinzip des „Frontrunnings“. Nachdem Sie nun erfahren haben, was genau das ist und wie so etwas abläuft, werde ich Ihnen jetzt konkret schildern, wie Sie sich davor schützen können.

Wie Sie sich vor Betrügern schützen

Börsengeschäfte sind nie ganz frei von Risiken. Ich will Ihnen aber einige Sicherheitstricks verraten, mit denen Sie sich vor Betrügern an der Börse schützen können und somit zumindest das Risiko, einem Betrug zum Opfer zu fallen, weitgehend ausschließen können.

Zunächst beschreibe ich Ihnen, wie eine Kaufempfehlung im Rahmen des „Frontrunnings“ zumeist aussieht:

  • Der Kurs der empfohlenen Aktie ist fast immer extrem niedrig und liegt unter der 1-Euro-Grenze. Das suggeriert den potenziellen Opfern, dass die Aktie „billig“ ist.
  • Es werden in der Regel zwei Kursziele genannt. Ein sehr kurzfristiges Kursziel (wie z. B. 7 Tage), das einen schnellen Gewinn verspricht. Dann ein mittelfristiges Kursziel (1 bis 2 Jahre), welches bereits eine Verzehnfachung oder ähnliche Größenordnungen verspricht.
  • Ein Hinweis wie „sofort kaufen“ soll den Handlungsdruck auslösen oder vergrößern. Ihnen soll suggeriert werden, dass Sie die Chance Ihres Lebens verpassen, wenn Sie nicht sofort handeln. Der Hintergedanke: Wer sofort kauft, hat keine Chance, die Fakten (und somit auch die Seriosität) der Empfehlung gründlich zu überprüfen.
  • Auch wird ab und zu zur „Verfeinerung“ ein Hinweis auf eine „Mantelverwertung“ gegeben. Dieser Hinweis soll Erinnerungen an spektakuläre Kursgewinne wecken. Da ein Börsengang in Deutschland sehr teuer und zeitraubend ist, benutzen einige Unternehmen einen Trick: Sie kaufen ein börsennotiertes Unternehmen, das nicht mehr operativ tätig ist, und bringen das eigene Geschäft in dieses Unternehmen ein.

Sie schlüpfen also unter den Mantel einer bereits bestehenden Aktiengesellschaft (AG). Deshalb wird in diesem Zusammenhang von einer Mantelverwertung gesprochen. Dadurch kann plötzlich aus einer wertlosen Hülle ein operativ erfolgreiches Unternehmen werden. Der Aktienkurs würde in einem solchen Fall steil nach oben steigen.

Fazit: Sie sollten niemals „blind“ eine Aktie kaufen. Wenn Ihnen eine Aktie empfohlen wird, die Sie nicht kennen, sollten Sie stets eine Kontrolle vor dem Kauf durchführen. Oft reicht es schon, im Internet nach dem Geschäftsbericht des Vorjahres und dem aktuellen Quartalsbericht zu suchen. Auf diese Weise lassen sich bereits 90% der „Schrott-Empfehlungen“ enttarnen, weil sich nur wenige Betrüger die Mühe machen, einen Geschäftsbericht mit 100 bis 200 Seiten Inhalt zu fälschen.

Bei fehlenden Limitangaben sollten Sie skeptisch sein

Insbesondere bei unbekannten Nebenwerten, die weniger häufig an Börsen gehandelt werden, geben seriöse Börsendienste stets ein Limit bei einer Kaufempfehlung mit an. Dieses Limit sollte relativ dicht am aktuellen Kurs liegen. Fehlt die Angabe eines solchen Limits, ist Vorsicht geboten. Ein Kaufauftrag ohne Limit ermöglicht es den Betrügern, die Aktie, die sie vorher für winzige Cent-Beträge gekauft haben, so teuer wie theoretisch möglich an Privatanleger zu veräußern.

Ein neuer Name und wenig Börsenumsätze in der Vergangenheit bedeuten Gefahr

Wenn Sie eine Empfehlung zum Kauf einer Aktie erhalten, von der Sie noch nie etwas gehört haben, sollten Sie stutzig werden. Sollte eine kurze Recherche bei Google nur einige wenige Treffer bringen, die noch dazu aus diesem Jahr stammen, deutet Vieles darauf hin, dass das Unternehmen kürzlich seinen Namen geändert hat.

Ein solcher Vorgang ist stets kritisch zu hinterfragen. Was sind die Gründe dafür? Sie sollten als nächstes einen Blick auf die Börsenumsätze werfen. Ergibt sich daraus, dass die Aktie über viele Monate an der Börse nicht oder so gut wie nicht gehandelt wurde und plötzlich explodierende Umsätze aufweist, ist das ein Hinweis auf Betrüger, die den Kurs einer wertlosen Aktie nach oben treiben.

Die Betrüger verschicken in dem Zusammenhang meistens große Mengen an E-Mails oder Faxen. Wenn nur 1% der 100.000 Empfänger anbeißt, steigen bereits die Umsätze und daraus resultierend der Kurs rasant an.

Fazit: 30 Minuten sollten genügen, um Ihr Geld zu schützen

Mit den gerade genannten Sicherheitsvorkehrungen dürften Sie in der Lage sein, sich vor Verlusten durch „Schrottaktien“ zu schützen. Mehr als 30 Minuten brauchen Sie für diesen Sicherheitscheck nicht. Diese Zeit sollte Ihnen Ihr Geld wert sein.

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Rolf Morrien
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands und teilt seine Expertise bereits seit rund 20 Jahren als Chefredakteur von „Morriens Depot-Brief“ (für den erfolgreichen Börsenstart), dem „Depot-Optimierer“ (Vermögensaufbau mit Value-Ansatz) und von „Rolf Morriens Power Depot“ (dynamisches Trading-Depot) sowohl mit Börseneinsteigern als auch mit ambitionierten Privatanlegern.

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