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Die Gläubigerversammlung – das Mitsprache-Medium

Inhaltsverzeichnis

Es gibt viele Faktoren zu bedenken, wenn man mit seiner Investitionsentscheidung vor der Option steht, in Aktien oder Anleihen zu investieren.

So sind Anleihen von wiederkehrenden Zahlungen mit einem größtenteils festen Charakter geprägt und damit in der Regel für risikobewusste Investoren die erste Wahl.

Darüber hinaus unterliegen die an den Börsen notierten Anleihen weitaus geringeren Kursschwankungen und damit kann ein Ausstieg aus einem Anleiheinvestment besser geplant werden.

Es ist offensichtlich, dass die Anleiheinvestoren einen hohen Wert auf Sicherheit legen.

Gläubigerversammlung: Hintergründe

Für diese Sicherheit wird jedoch im Vergleich zu einem Aktieninvestment auf weitestgehende Mitspracherechte verzichtet.

Denn die Aktionäre einer Gesellschaft können mindestens einmal im Jahr im Rahmen der Hauptversammlung von ihrem Stimmrecht Gebrauch machen und haben damit einen erheblichen Einfluss auf das Unternehmen.

So wird etwa in der Regel über die vom Vorstand vorgeschlagene Dividendenzahlung abgestimmt, was einen direkten Einfluss auf das Investment hat.

Um die Machtdiskrepanz zwischen Anleihe- und Aktieinvestoren zu verringern, wurde das bisherige Schuldverschreibungsgesetz durch ein neue Regelung, dem Gesetz über Schuldverschreibungen aus Gesamtemissionen (SchVG), ersetzt.

Ursprünglich wurde das Ziel einer Stärkung des Gläubigerversammlungsverfahrens verfolgt.

Gläubiger bekommen eine Stimme

Die Gläubigerversammlung kann dabei im weitestgehenden Sinne mit der Hauptversammlung im Aktienrecht verglichen werden.

Denn hier bekommen die Gläubiger eine Stimme und können Forderungen aussprechen und die so genannte Prospekthaftung durchsetzen.

Meist werden aber Gläubigerversammlungen bei Sondersituationen einberufen.

Geht es etwa um einen Zinscut (also die Reduktion der im Prospekt festgelegten Kuponzahlungen) oder um das Aussetzen einer Zinszahlung, werden die Anleihegläubiger vom Unternehmen zu einer Gläubigerversammlung eingeladen.

Einberufen – auch in Zeiten der Notwendigkeit

Es gibt auch andere Sondersituationen, die die Notwendigkeit einer Zusammenkunft der Gläubiger macht.

So fand beispielsweise bei der Pfleiderer Finance B.V., der Finanzierungsgesellschaft der Pfleiderer AG, am 14.06.2011 eine Gläubigerversammlung statt, die über die Umwandlung der Anleihe in Aktienerwerbsrechte abstimmen soll.

Dass die Pfleiderer eine Gläubigerversammlung einberufen konnte, ist der neuen Gesetzgebung geschuldet.

So haben die Emittenten jederzeit das Recht, also auch ohne Vorliegen einer Sondersituation, eine Gläubigerversammlung einzuberufen, um die Anleihebedingungen ändern zu lassen. Hierzu ist ein Mehrheitsbeschluss erforderlich.

Insgesamt nähert sich die Gläubigerversammlung dem Aktienrecht an. Die Anleiheinhaber können dabei das Recht einer vollständigen Information wahrnehmen und haben eine Entscheidungsgewalt über ihr Investment.