Mittelstandsanleihen: Emissionen auf Höchststand

Kelnberger über Volatilitätsfonds

Die aktuelle wirtschaftliche Situation belastet viele mittelständische Unternehmen. Diese setzen in den letzten Monaten vermehrt auf Mittelstandsanleihen – die Emissionen […] (Foto: Gina Sanders – Fotolia.com)

Die aktuelle wirtschaftliche Situation belastet viele mittelständische Unternehmen. Diese setzen in den letzten Monaten vermehrt auf Mittelstandsanleihen – die Emissionen stehen auf einem Allzeithoch.

Kein Wunder: In den letzten Jahren galten diese Anlagen als vergleichsweise sicher und profitabel.

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Hierbei profitieren sie vor allem durch die derzeit niedrigen Zinsen auf Festgeld und die negative Reputation von Staatsanleihen, die durch zahlreiche Herabstufungen im Zuge der weltweiten Finanzkrise in Verruf geraten sind.

Mittelstandsanleihen: 31 Neu-Emissionen in 2012

Ein Plus von 31 Angeboten gab es 2012 bei neuen Mittelstandsanleihen. Emissionen, unter denen sich auch bekanntere Unternehmen wie der Alkoholproduzent Berentzen und der Fußballverein Schalke 04 befinden.

Vorsicht ist dennoch geboten: Nicht jede Mittelstandsanleihe ist am Kapitalmarkt wirklich richtig aufgehoben.

Rating-Einstufungen beachten

Ein Indiz sind dabei die von Staatsanleihen bereits bekannten Einschätzungen von Rating-Agenturen. Im vergangenen Jahr wurden von den auf dem Markt erhältlichen Mini-Bonds mehr als ein Dutzend teils deutlich im Rating hinab gestuft. Hochstufungen wurden hingegen nur zweimal vorgenommen.

Dies bedeutet, dass aktuell rund ein Viertel der emittierten Anleihen eine Wertung von „B“ oder schlecher aufweist. In diesen Fällen ist ein Kauf nur für besonders risikofreudige Anleger zu empfehlen.

Berentzen und die Stolperfalle Überzeichnung

Eine Neuemission, die bei Mittelstandsanleihen in den vergangenen Monaten für großen Ärger gesorgt hat, war ausgerechnet der Schnapsbrenner Berentzen, der viele Privatanleger angezogen hatte.

Innerhalb von einer Stunde überstiegen die Kaufaufträge das gewünschte Volumen von 50 Millionen Euro. Da das Unternehmen das Papier einem möglichst breiten Publikum anbieten wollte, erhielten viele private Interessenten statt den gewünschten Stückzahlen im Wert von bis zu 15.000€ jeder Anleger nur 1.000€ in Anleihen ausgezahlt.

Da für jede Wertpapierorder jedoch eine Gebühr von rund 30€ anfällt, war in vielen Fällen der Jahresgewinn bereits verspielt – viele Anleger wurden so ungewollt zu Buy-&-Hold-Anlegern.

Mittelstandsanleihen: Emissionen mit Vorsicht genießen

Dass dieses Veorgehen kein Einzelfall ist, belegen ähnliche Beispiele aus den Vorjahren. Hierbei sind Privatanleger Banken und anderen professionellen Händlern zum teil deutlich unterlegen. Diese haben in den meisten Fällen schon Wochen vor der Emission Zugriff auf die Mittelstandsanleihe.

Die Börse in Frankfurt erwägt daher momentan, die Verteilungsmengen bei einer Überzeichnung künftig bereits im Vorfeld offen zu legen, um böse Überraschungen wie im Fall Berentzen in Zukunft vermeiden zu können.

Auch 2013 stabiles Marktumfeld

Dennoch scheinen sämtliche Anleihen momentan  gut zu laufen. Experten rechnen damit, dass das gesamte Jahr 2013 auch weiterhin ein gutes Umfeld für Mittelstandsanleihen bieten wird.

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Interessenten sollten jedoch nicht vergessen, dass sich auch bei den Mittelstandsanleihen einige faule Äpfel befinden, die sich mit genauer Recherche jedoch vermeiden lassen sollten.

Außerdem sollte eine Wertpapierorder im besten Fall über einen Discountbroker geschehen, da hier die Gebühren teils deutlich geringer sind.

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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